5. - 6. Dezember 2025
Auch an meinem letzten vollen Tag auf La Palma ist mir nach einem Ausflug. Am Busbahnhof treffe ich zufällig …
… Simon, den Guide vom Tajo Gaite. La Palma ist klein! Wir haben beide das gleiche Ziel: das Besucherzentrum Caldera de Taburiente. Simon nimmt dort eine Gruppe in Empfang, ich möchte in ein Taxi steigen, das mich zum Startpunkt der zahlreichen Wanderwege der Cumbrecita bringt.
Der Bus braucht wie so oft länger als geplant. Alle haben die Ruhe weg. Der Fahrer darf während der Fahrt nicht mit den Gästen reden. Also tut er es ausgiebig beim Ein- und Aussteigen! Und die Fahrgäste halten vor dem Aussteigen untereinander auch noch kurz ein Schwätzchen. Der Busfahrer wartet dann geduldig, bis sie fertig sind, sich verabschiedet haben und aussteigen. Ich liebe dieses gemächliche Sich-Zeit-lassen.
Am Besucherzentrum angekommen, verabschiede ich mich von Simon – und halte vergeblich Ausschau nach einem der normalerweise zahlreich herumstehenden Taxis. Den Grund finde ich bald heraus:

Die Zufahrt nach oben ist geschlossen, zumindest für Fahrzeuge. Alternativ könnte ich die Strecke zu Fuß an der Straße entlang hoch und nachher wieder hinunter laufen. Wären insgesamt 14 Kilometer – ohne die eigentliche Wanderung. Dazu kommt, dass oben auf La Cumbrecita auch noch einer der beiden Aussichtspunkte gesperrt ist wegen einer Teilsanierung des Wanderweges. Als Gesamtpaket erscheint mir diese Option dann doch nicht ganz so attraktiv.
Die Sache mit der Sperrung der Zufahrtsstraße und den Instandsetzungsmaßnahmen auf der Wanderstrecke hätte ich im Vorfeld vermutlich auch über die Website erfahren. Aber ich bin heute einfach nach Lust und Laune losgezogen, wie so oft. Manchmal gehört den Spontanen die Welt, und manchmal eben nicht. Was das Universum mir damit sagen will, interpretiere ich auf meine ganz eigene Art und Weise: La Palma möchte, dass ich wiederkomme! Und ich bin alles andere als abgeneigt.
Nun muss ein Plan B her, den ich mir beim Warten auf den Bus zurück nach Los Llanos überlege. Der Busfahrer, der mich nun beim Einsteigen begrüßt, kommt mir direkt bekannt vor. Es ist der Hell Driver von vorgestern! Also immer schön festhalten, trotz Sitzplatz.
Am Busbahnhof von Los Llanos nehme ich wie gestern die Linie 110, die die Westküste hochfährt. Der Bus schraubt sich über Serpentinenstraßen in die Höhe. Die Aussichten sind grandios! Hier die Berge, dort das Meer. Dicke Wolkenwalzen schieben sich über die Anhöhen, ein immerwährendes Schauspiel, dessen Regisseure die Passatwinde sind.
In Tijarafe steige ich aus, in der Hoffnung auf einen passenden Wanderweg. Doch in der Touristeninformation erfahre ich, dass von hier aus nur längere Wanderungen mit vielen Höhenmetern starten. Dafür ist es jetzt am frühen Nachmittag schon zu spät. Greift eben der Plan C. Doch dazu später.
Jedenfalls haben sich das hübsche Örtchen selbst und die Aussichten vom Bus aus auf der Fahrt hierher gelohnt. Hier ein paar Impressionen von Tijarafe:





Auf dem Rückweg steige ich am Mirador El Time aus. Im dritten Anlauf klappt es heute zumindest mit einer kleinen Wanderung. Von dort oben laufe ich den Wanderweg hinab zum Puerto de Tazacorte.
Ich nehme es vorweg. Der Weg ist grandios! Vor allem die Aussichten in die Schlucht und über das Aridanetal, Tazacorte, Los Llanos und den Youngster unter La Palmas Vulkanen, den Tajo Gaite mit seinem neu geschaffenen Lavafeld.
Für die Faulen und Fußlahmen unter euch, die es euch vielleicht eines Tages hierher verschlägt: 100 Meter den Weg vom Aussichtspunkt aus hinein laufen reicht bereits für eine umfassende geniale Übersicht 😁. Aber ich laufe natürlich die 600 Höhenmeter, die sich auf knapp drei Kilometer Strecke verteilen, komplett hinunter.
Der Weg ist sehr steil und mindestens genauso schön. Anfangs ist die Strecke asphaltiert, dann wird der Weg enger und steiniger, mutiert zum schmalen Pfad mit Geröll. So bleibt er dann bis fast ganz nach unten. Die meisten Höhenmeter lauern am Schluss. Diese Strecke hochzulaufen wäre konditionell natürlich anstrengender, und hätte auch mehr Zeit in Anspruch genommen. Aber hinunter ist es wegen des Gefälles und des Untergrunds anspruchsvoller, zumindest für mich. Nicht zum ersten Mal bin ich froh über meine Wanderstöcke.








Die schönste Aussicht verspricht eine als Baustelle abgesperrte und an sich ungesicherte Plattform. Schade! Doch das Glück ist mir hold. Denn die vier Bauarbeiter, die sich gerade mit Chips und Pausenbier vergnügen, lassen sich von meinem traurigen Blick erweichen und öffnen ungefragt den Bauzaun. Mein minimales Spanisch ermöglicht eine kurze Konversation, die mir offenbart, dass sich auch Einheimische immer noch an der sicher schon unzählige Male genossenen Aussicht erfreuen können.
Und so stehen wir zu fünft einträchtig direkt an der Abbruchkante nebeneinander und schauen gebannt in die Tiefe. Dort unten am Puerto de Tazacorte gibt sich die Schlucht dem Tal und der Küste hin. Selten war der viel zitierte Blick in den Abgrund magischer.
Mit dem Bus geht’s vom Hafen aus zurück nach Los Llanos, wo eine kurze Siesta, das Abendessen und ein letzter Besuch des Weihnachtsmarktes auf mich warten.
Dann ist der da, der Tag der Abreise von meiner neuen Lieblings-Kanareninsel. Nach dem Frühstück zieht es mich noch einmal hinaus ins Städtchen, das mich mit strahlender Sonne empfängt.
Es ist Samstag. Und es ist still. Zu still. Ist der heutige Nikolaustag hier etwa ein Feiertag? Ja und nein. Der 6. Dezember ist in Spanien tatsächlich ein Feiertag. Doch der hat nichts mit Nikolaus zu tun. Gefeiert wird stattdessen El dia de la constitution, der Tag der Verfassung.
Ich gönne mir zum Abschied einen Barraquito …

… und suche anschließend die beiden Street Art-Werke auf, die mir noch in der Sammlung fehlen. La Ciudad en el Museo nennt sich die permanente Outdoor-Ausstellung mit riesigen Murals, die sich über die gesamte Innenstadt verteilen.


Ich schlendere durch die kleinen Gassen und nehme ganz tief das Licht, die Wärme, die Farben in mich auf, auf dass sie mich durch den kalten dauerdunkelgrauen Berliner Winter tragen mögen.
Zurück zum Hotel, das Gepäck geschnappt und mit dem Bus nach Santa Cruz. Dort angekommen, bin ich für die letzten Kilometer auf ein Taxi angewiesen, da am Wochenende zu dieser bestimmten Uhrzeit am frühen Nachmittag kein passender Anschlussbus zum Flughafen fährt.
Der Taxistand liegt direkt gegenüber der Bushaltestelle. Dort warten, so hatte ich es während meiner Zeit in Santa Cruz wahrgenommen, immer etliche Taxis auf Fahrgäste. Eigentlich. Uneigentlich herrscht dort aber gerade gähnende Leere. Zumindest, was die Taxis betrifft. An potenziellen Fahrgästen hingegen besteht ein reges Überangebot. Was ist denn da los?
Wie ich erfahre, liegt heute wohl ein Kreuzfahrtschiff im knapp eineinhalb Kilometer von der Innenstadt entfernten Hafen. Und die fahrende Kleinstadt hat etliche Laufunwillige ausgespuckt, die die hiesige Taxiflotte für ihre Hin- und Rückfahrt weitgehend absorbieren. Hm, das ist ungünstig, denn mein Zeitplan ist heute ziemlich auf Kante genäht.
Die Zeit vergeht, und kein einziges Taxi kommt. Mein Zeitbudget schrumpft, ich werde unruhig. Nun suche ich das Gespräch mit den vor mir Stehenden und erkläre meinen Zeitdruck wegen des Rückflugs. Großzügig überlassen sie mir die Pole Position! Und gerade noch rechtzeitig taucht dann doch mal ein Taxi auf, in das ich dankbar einsteige.
Nun wird alles gut. Am Flughafen läuft alles zügig und glatt, der Flieger startet pünktlich, dank meines Buches und einer netten Sitznachbarin vergehen die fünf Stunden an Bord buchstäblich wie im Flug.
Am späteren Abend setze ich meine Füße auf den kalten Berliner Boden. Wieder da und doch nicht hier. Es dauert ein paar Tage, bis auch der Kopf nachgereist ist. La Palma hat mich gepackt und noch immer nicht wirklich losgelassen. I’ll be back!
Liebe Elke,
der Blick in die Schlucht und auf die Vulkanlandschaft ist genial und verdeutlicht, dass der Vulkanismus noch immer präsent ist.
Viele Grüße Horst
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Danke, danke, habe schon was reserviert für Januar … 😉
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