Was? Schon 13 Jahre ist der letzte Besuch in London her? Dann wird es höchste Zeit, sich dort wieder blicken zu lassen, Brexit hin oder her.

An einem Freitagnachmittag im Oktober ist es soweit. Nach dem Check In und der Sicherheitskontrolle stolpern wir in einem der Cafés am Berliner Flughafen gleich über Literaturprominenz. Benjamin von Stuckrad-Barre ist dank seines markanten Profils wirklich nicht zu verkennen. In unserem Flieger nach London wird er später jedoch nicht sein.

Stattdessen weilt ein wohl an einer extremen Form von Nussallergie leidender Fluggast an Bord. Die Besatzung bittet alle anderen Passagiere deshalb eindringlich, während der gesamten Zeit an Bord keinerlei Nüsse zu essen. Offenbar reicht es bei dem betroffenen Passagier schon aus, wenn irgendwo anders jemand eine Tüte aufmacht und „Nussstaub“ (sorry, eine bessere Umschreibung fällt mir dafür nicht ein) durch die Kabine fliegt.

Binnen zwei Flugstunden bringt uns die Maschine von EasyJet in die britische Hauptstadt, genauer gesagt zum Flughafen Gatwick. Von dort aus geht’s flott und unkompliziert mit einer Kombination aus Zug und U-Bahn zum Hotel. Tickets für beide Verkehrssysteme können wir uns wie in New York einfach per Apple Pay auf dem Mobiltelefon besorgen. Sobald der maximale Tagespreis erreicht wäre, würde automatisch keine weitere Abbuchung mehr erfolgen. So weit, so praktisch.

Unser Hotel liegt ganz in der Nähe des U-Bahnhofs East Aldgate. Das sympathische Einwandererviertel liegt einerseits an der Grenze zum Stadtteil Whitechapel, und andererseits an der Grenze zur Gentrifizierung. Ja, wo es schön und vielfältig ist, wollen früher oder später alle hin. Und dann dreht sich die Preisspirale immer weiter nach oben in dieser eh schon hochpreisigen Stadt. Doch noch scheint sich dieser Stadtteil zumindest an manchen Ecken noch ein wenig gegen diese Entwicklung zu stemmen. So zumindest scheint es uns, den arglosen Touristen. Mehr zum East End jedoch an einem anderen Tag.

Unser kleines Hotel, das Corner London City, entpuppt sich als eine gute Wahl. Klein, kompakt, originell eingerichtet, und trotz der recht zentralen Lage ruhig gelegen. Das Frühstücksbuffet wird sich als typisch englisch herausstellen, was keine Überraschung ist. Die Auswahl für den mitreisenden Veganer ist überschaubar, doch er wird es überleben.

Unser Aktivitätslevel hielt sich heute in Grenzen. Dennoch zieht es uns jetzt nicht mehr nach draußen. Der Bequemlichkeit halber essen wir abends im Hotelrestaurant und fallen wenig später ermattet in die bequemen Kissen. Ein kurzer Blick auf die Wetter-App muss aber noch sein. Sieht ganz gut aus für die nächsten Tage! Zumindest für Londoner Verhältnisse.

… sondern hat auch eine skurrile Story auf Lager. Hier im Markt ist eine Gans namens Old Tom beerdigt. Ein Gedenkstein zeigt die genaue Stelle. Der Überlieferung nach soll sie es gleich mehrfach geschafft haben, sich ihrer Schlachtung zu entziehen. So hat sie es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Die Standinhaber innerhalb des Marktes haben sie regelmäßig gefüttert, bis sie Mitte des 19. Jahrhunderts im biblischen Alter von 38 Jahren starb.

Weiter geht’s Richtung Themse, die wir in Höhe des Tower of London und der gleichnamigen Brücke erreichen. Dort tobt das touristische Leben an diesem nun sonnigen Samstag Mitte Oktober. Und gleichzeitig geht es sehr entspannt zu.

Wir überqueren die Tower Bridge und schauen uns auf der anderen Seite ein wenig hinter den Uferkulissen, genauer gesagt in der Shad Thames um. In dieser historischen Straße und auch entlang des angrenzenden Themseufers wurden riesige Getreidespeicher und Lagerhäuser für die Versorgung der Metropole gebaut. Heute werden diese Bauten freilich anderweitig genutzt. Schön anzusehen sind sie immer noch.

Nach einem leckeren Mittagessen im Collective Food Court schlendern wir am südlichem Ufer Richtung Westen entlang. Direkt hinter der Tower Bridge findet heute ein etwas ungewöhnliches sportliches Event statt. Vor dieser Kulisse und mit entsprechend viel Publikum haben die Akteure offensichtlich einen Heidenspaß. Wir allerdings auch! Und so verweilen wir hier ein wenig länger, bevor wir uns wieder in Bewegung setzen.

Besonders flott kommen wir nicht voran, denn die Aussichten vom Ufer aus sind zu verlockend, um einfach zügig Strecke zu machen.

Immer wieder kommen berühmte Türme in Sicht. The Shard und der ebenfalls weithin sichtbare Turm der Tate Modern sind gerade sehr dekorativ von Kondensstreifen umgeben. So unterschiedlich sie auch sein mögen: das schreit nach einer gemeinsamen Präsentation in einer Galerie. Nicht weniger interessant finde ich auch die Menschen in dieser Stadt. Sie werden in ihrer spannenden Vielfalt immer wieder in meinen Berichten über die britische Hauptstadt auftauchen.

Nun nähern wir uns dem nahe der London Bridge gelegenen Borough Market, einem der ältesten und bekanntesten Lebensmittelmärkte der Stadt. Hier gibt es vor einer überdachten und filmreifen Kulisse eine riesige Auswahl an hochwertigen regionalen Produkten und internationalem Streetfood. Kurz: ein Muss für Feinschmecker – und Fans von Harry Potter. Denn hier wurden auch Szenen für die einschlägigen Filme gedreht.

Jetzt am Samstagnachmittag ist es brechend voll. Gefühlt die halbe Stadt ist hier unterwegs. Deshalb schleichen wir nur an den Rändern des richtig schönen Marktes entlang und stürzen uns nicht ins Gewimmel. Für einen ersten Eindruck reicht das allemal.

Nun durchqueren wir die Unterführung des Bahnhofs Blackfriars. Was hören meine erfreuten Ohren? Ein Livekonzert! Eine junge Band gibt alles, um legendären Songs von The Clash, den Sex Pistols und The Who neues Leben einzuhauchen. Punk, Rock und Krawall: da bin ich voll in meinem Musikelement und singe aus voller Kehle mit. Und so hat Stefan seine liebe Mühe, mich nach einer Weile wieder von hier wegzuzerren. Ach komm, nur noch EIN Song!

Halb taub, aber glücklich lasse ich mich irgendwann dazu überreden, weiterzuziehen. Mittlerweile ist der späte Nachmittag schon recht fortgeschritten. Zeit für den Feierabend! Wir überqueren die Blackfriars Bridge bei bestem Fotolicht …

… und steigen in die nächste U-Bahn, die uns kurz vor Beginn der Dämmerung in der Nähe unseres Hotels ausspuckt. Genug erlebt für heute! Morgen ist auch noch ein Tag. Stay tuned!

Ein Gedanke zu “London – Calling

  1. elke my dear, danke für diesen Beitrag! Stuckrad ohne Nüsse und die gesammelte Mannschaft muss sich unterordnen, 🔨

    Ich liebe deine Porträts, mehr davon! Ich hoffe das dieser Kommentar ankommt, bin über WhatsApp in dein Profil gegangen, nicht über fb (neue Erfahrung für mich, viel direkter.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Rudie Antwort abbrechen