Heute beglückt uns Warschau mit subtropisch schwül-heißen 33 Grad. Wir laufen vom Hotel aus Richtung Weichsel und biegen an der berühmten Palme nach links in die Flaniermeile Novy Świat ein. Was uns zum wiederholten Mal auffällt: die Autofahrer fahren hier einen echt heißen Reifen. Aber für Fußgänger halten sie immer an – zumindest außerhalb der Hauptverkehrsstraßen.

Möglichst im Schatten schleichen wir an einladenden Cafés und schön sanierten Häusern entlang, …

Swing!

… und biegen bald wieder rechts ab Richtung Weichsel. Auf der Strecke bietet sich uns ein bauliches Kontrastprogramm mit durchaus interessanten Blickwinkeln.

Das Schaufenster

Kurz bevor wir das Ufer erreichen, lenkt ein schön saniertes und heute umgenutztes E-Werk, das Elektrownia Powiśle unsere Aufmerksamkeit auf sich. Seine inneren und äußeren Werte überzeugen uns sehr! Doch seht selbst:

Unter Strom

Nur wenige Gehminuten entfernt liegt die Most Świętokrzyski, Warschaus erste einhüftige Schrägseilbrücke. Dort schauen wir uns ein Weilchen um, denn die Umgebung hat wirklich Charme mit ihrer begrünten Lage am Wasser.

Brückenschlag

Ebenfalls direkt am Ufer der Weichsel, nur wenige Meter von der schicken Brücke entfernt, liegt das Wissenschaftszentrum Kopernikus. Wenn ihr schon immer mal wissen wolltet, was es mit den Grundgesetzten der Naturwissenschaften auf sich hat, könnt ihr euch hier informieren und auch selbst herumexperimentieren.

Der Gebäudekomplex besteht aus mehreren Teilen. Hier könnt ihr mit uns einen Blick auf das Planetarium werfen, …

Ton in Ton

… bevor wir weiter unserer Wege ziehen und uns den originellen Bau der Bibliothek der Universität anschauen.

Schwungvoll

Da wir bei den Temperaturen dringend eine Pause brauchen, lassen wir uns direkt schräg gegenüber im Schatten zu einem leckeren Mittagessen in Form einer veganen Bowl nieder.

In den Tropen
Guten Appetit!

Von dort aus nähern wir uns über kleine Nebenstraßen der berühmten Altstadt von Warschau. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört und nach Ende des Krieges wieder vollständig und originalgetreu aufgebaut. Seit 1980 gehört sie zum UNESCO-Welterbe.

Edle Bleibe
Durch die Bank
Kühlen Kopf bewahren!

Bevor wir jedoch ins eigentliche Zentrum der Altstadt eintauchen, legen wir noch einen kleinen Schlenker nach links ein. Immer auf der Suche nach interessanten Neubauten, wollen wir uns das Metropolitan von Sir Norman Foster ansehen. Zum Glück wartet dort ein schattiger, mit kleinen Wasserfontänen ausgestatteter Innenhof auf uns, wo wir eine kleine Verschnaufpause einlegen können. Denn die krasse Hitze wird noch verstärkt durch die Reflexion der zumeist fast vollständig versiegelten Flächen auf den riesigen Plätzen der Stadt.

Kreuzweise

Gleich dahinter werfen wir noch einen kurzen Blick auf dieses ansehnliche Bauwerk …

Auf Säulen

… und tauchen von dort aus in die Altstadt ein. Unser subjektiver Eindruck: alles ist proper, bunt, originalgetreu, hübsch. Doch irgendwie wirkt die Altstadt auf uns auch etwas künstlich. Wir sehen wenige „normale“ Läden und „normales“ Leben auf der Straße. Alles scheint auf den Tourismus ausgerichtet zu sein, von den Souvenirläden bis hin zur Gastronomie. Vielleicht liegt es auch an der Hitze und der Tageszeit, dass die Atmosphäre so leblos wirkt. Wer weiß? Jedenfalls aber ist die historische Altstadt, wie gesagt, schön anzuschauen. Seht selbst!

Kettenreaktion
Im Städtchen
Farbklecks
Die Pole Position
Abgeschirmt

Trutzig
Am Kiosk

Unser nächstes Ziel ist das Oberste Gericht mit seinem kuriosen Mix an Baustilen, dessen Umgebung und unterschiedliche Sichtachsen uns anziehen.

Ladies in green
Kirche trifft Justiz
Fantanimal

Von dort aus laufen wir weiter zum Museum der Geschichte der polnischen Juden. Ganz sicher lohnt sich ein Besuch der Ausstellung! Doch für heute sind wir schon zu platt und schaffen gerade noch die Umrundung des sehenswerten Gebäudes.

Auf dem Weg zur nächsten U-Bahnstation werfen wir noch einen Blick auf ein paar Streetart-Objekte, …

Make my day
Alles eine Sache …
… der Perspektive!

… bevor wir in den Untergrund abtauchen und zwei Stationen weiter am Centrum wieder das Tageslicht der Welt erblicken. Bei Starbucks um die Ecke gönnen wir uns ein kühles Getränk und kaufen danach noch fürs Abendessen ein.

Zurück im Hotel, läuten wir nach diesem schönen, aber hitzebedingt auch anstrengenden Tag einen gemütlichen Abend im Zimmer ein. Draußen bleibt derweil das angekündigte Unwetter mit Gewitter und Starkregen aus.

Die wahre Flutkatastrophe findet stattdessen im von hier aus fernen Süden und Westen Deutschlands statt, wie wir aus dem Fernsehen erfahren. Das ganze Ausmaß und die Folgen erahnen wir an diesem Abend noch nicht. Und so betten wir unsere müden Häupter einigermaßen arglos auf die weichen Kissen und schlummern dem nächsten Tag entgegen.

16 Gedanken zu “Warschau – Facetten einer Stadt

  1. Oh, was für ein schöner Artikel und tollen Bildern! Danke fürs Auffrischen meiner Erinnerungen an meine alte Heimat. Ich habe drei wunderschöne Jahre in Warschau gelebt und habe mein Herz an diese außerhalb Polens vollkommen unterschätzte Stadt verloren!

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    1. Freut mich, dass ich bei dir ein paar schöne Erinnerungen wachrütteln konnte mit dem Beitrag. Ich wusste gar nicht, dass du mal für eine Weile in Warschau gelebt hattest. Dann hast du natürlich einen ganz anderen Einblick in die Stadt.

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      1. Ja, eine tolle Stadt! Bevor ich nach Warschau gezogen bin, habe ich schon drei Jahre in Szczecin (Stettin) gelebt. Auch diese Stadt ist unbedingt eine Reise wert und von Berlin aus schnell erreicht ;-). Wenn Du mal Polen-Tipps brauchst, melde Dich gern.

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          1. Zum Überleben und Smalltalken hats gereicht. Aber ich hab mein Polnisch schon lange nicht mehr benutzt, obwohl ich die Sprache wirklich mag. Wann immer ich Polnisch höre, bekomm‘ ich Sehnsucht. Hach …

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          2. Tja, dann solltest du da bald mal wieder hin! Zur Zeit bist du doch in Deutschland, wenn ich das richtig abgespeichert habe? Polen ist ja um die Ecke 😃. Auch wenn der Winter vielleicht nicht unbedingt die beste Jahreszeit für einen Besuch dort ist …

            Es war bestimmt nicht so einfach, polnisch zu lernen, oder? Wenn ich alleine schon beim Lesen diese ganzen Konsonanten sehe, wird mir ganz schwindelig 😃. Und das Sprechtempo ist ja auch enorm. Dabei dachte ich bisher, die Spanier seien nicht zu übertreffen, was das betrifft. Ich habe mich getäuscht!

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  2. überraschender Mix…und auch eher unerwartet für diese Stadt, aber hat für mich auch eine herbe Kühle und ich vermisse Grün dazwischen.
    Die „Pole Position“ sieht aus wie Horst Lichter, war der auch schon da mit seiner Ducati, Honda oder sonst was?
    Ansonsten bin ich eher beeindruckt, was Ihr Euch an Gewalttouren zumutet, bei Hitze wäre ich irgendwo im kühlen Museum verschwunden oder in einem Dutzend Eisdielen.
    Bin gespannt aufs Jüdische Museum…
    und nochmals dieser Tage…eine wunderschöne Woche – LG!

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    1. Wäre ich selbst gar nicht drauf gekommen, aber jetzt, wo du es sagst: stimmt, der Typ sieht aus wie Horst Lichter 😅! Ja, die Hitze war schon heftig, noch verstärkt durch den Umstand, dass es auf weite Strecken wirklich nur wenig Grün zwischendurch gibt. Die Stadt hat zwar auch schöne Parks zu bieten, aber das viele Grün am Straßenrand, das ich von Berlin gewohnt bin, sucht man dort eher vergeblich. Um jedoch in Museen oder Eisdielen abzutauchen waren wir zu neugierig auf die Stadt …

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  3. Hi Elke,
    Temperaturmäßig tust Du dir ja echt was an – Mein Forscherdrang würde sich bei über 30° Celsius auf das untersuchen der Minibar im Hotelzimmer beschränken..
    Das mit den Geschäften – die sich auf die Touristen spezialisiert haben – wer kann es Ihnen verdenken? Als Geschäftsinhaber orientiert amn sich daran, was die Kundschaft will. Ist halt so’n bisschen wie im Phantasialand – da gibt es auch keine echten Seeräuber.. 😉
    Ansonsten ist Polen echt modern geworden – architekturmäßig betrachtet. Obwohl dieser Baustil bei neugenutzten Gebäuden sich ja hier auch häufig widerspiegelt. Viel Glas, Stahl, mehrere Etagen, viele Shops, Gastronomie. Die Classic Remise in Düsseldorf zum Beispiel fällt mir da ad Hoc ein, weil ich da dieses Jahr war.
    Ja, das ist mal ganz nett, aber jeden Tag würd’s mich da auch nicht hinziehen..
    Dir einen guten Rutsch ins neue jahr!
    man liest sich… 😉
    CU
    P.

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    1. Hehe, die Minibar wäre als Forschungsobjekt sicher auch spannend gewesen 😁. @Geschäfte: ja, klar, man bietet das an, womit man am besten Umsatz macht. Ich laufe aber halt lieber in authentischen Stadtvierteln herum, wo auch „normales“ Leben herrscht. Und dort gebe ich letztendlich auch mein Geld aus und nicht in so einer künstlichen Touristenblase. Aber offenbar machen das viele Besucher anders. Und das ist auch ok so. Ja, Warschau ist wirklich architektonisch auf dem Weg in die Ultra-Moderne. Ich mag das ja 😎. Dir auch einen guten Rutsch!

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  4. Liebe Elke, es stimmt; die Altstadt ist eine Kulisse für Touristen – allerdings wurde die Altstadt nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig aus den Trümmern wieder aufgebaut und ist etwas, worauf die Anwohner stolz sind. Somit ist es die „jüngste Altstadt Europas“, wenn man so will. Und ja, klar, das wahre Leben spielt sich woanders ab. Ich habe deinen Bericht über Praga sehr gerne gelesen.

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