Die gestrige Anweisung von Amurs Freund war unmissverständlich. Geöffnet ist ab 8:00 Uhr. Um 7:45 Uhr soll ich am Eingang sein. Keine Minute später. Aus Gründen.

Das liebevoll zubereitete Frühstück kommt etwas verspätet auf den Tisch, sodass ich mich damit leider etwas sputen muss. Zum Ausgleich kommt das von einer Angestellten rechtzeitig bestellte Taxi gar nicht. Doch ich habe Glück! Rahims Frau Ruth ist gerade auf dem Weg ins Büro, und mein Ziel liegt genau auf ihrer Strecke.

Und so habe ich gleich am frühen Morgen ein sehr nettes und informatives Gespräch mit der gebürtigen Amerikanerin aus Virginia, die die Liebe zu Rahim vor Jahrzehnten in den Oman verschlagen hat. Bereits in den 1990ern haben die beiden ihr Haus hier als eines der ersten in der damals noch überwiegend unbesiedelten Gegend gebaut. Passende Infrastruktur war seinerzeit noch weitgehend Zukunftsmusik. Und so mussten sie wahre Pionierarbeit leisten, gemeinsam mit drei anderen Bauherren eine Menge Geld für den Anschluss an das örtliche Versorgungsnetz zahlen und lange Zeit mit einem Stromgenerator vorlieb nehmen.

Heute ist das Viertel eine sehr schicke Wohngegend, …

… die sich auch der Herrscher von Katar für seine Villa in Muscat ausgesucht hat.

Die kurze Fahrt geht schnell vorbei, und schon stehe ich vor Muscats Sehenswürdigkeit Nummer Eins, der Großen Sultan-Qaboos-Moschee.

2001 fertiggestellt, ist sie die größte und wichtigste Moschee des Landes. Hier wurden verschiedene architektonische Stilelemente der gesamten arabisch-islamischen Welt vom Festungsbau bis hin zu historischen Moscheen vereint. Ich nehme vorweg, dass mir die Zayed Moschee in Abu Dhabi noch einen Tick besser gefällt. Doch das soll dieses sehenswerte Bauwerk keinesfalls abwerten.

Mustergültig früh am Start, betrete ich das Gelände als eine der ersten zusammen mit Kristin aus Luzern, die ich bei der Suche nach dem richtigen Eingang kurz vorher getroffen habe. Fix Kopf und Arme bedeckt, und schon bin ich ohne Sicherheitskontrolle (da war Abu Dhabi doch ein ganz anderes Kaliber!) drin. Bei Kristin dauert es indes etwas länger, weil der „Einlasskontrolleur“ nicht mitansehen kann, wie sie versucht, ihr Tuch mehr schlecht als recht über dem Kopf zu drapieren. Da greift er beherzt zu und macht es lieber selber. Kommt mir irgendwie bekannt vor 😅!

Und so drehe ich munter und unbehelligt meine Runden in dem riesigen Gelände, staune hier, staune da und drücke mal hier, mal da auf den Auslöser. Schaut, wie schön sie ist!

Und auch innen kann sie sich sehen lassen! In der Großen Gebetshalle hängt ein 14 Meter hoher Kronleuchter mit Swarovski-Kristallen und 1.122 Glühbirnen über einem der größten Perserteppiche der Welt.

Wie wertvoll der strenge Tipp mit der frühen Uhrzeit war, begreife ich, als gegen neun Uhr die Hölle losbricht. Kreuzfahrtschiff-Alarm! Ein Bus nach dem anderen kippt seine volle Ladung aus. Und so wälzen sich die großen Gruppen, immer dicht gedrängt an den jeweiligen Guide, durch das ehrwürdige Gelände und stehen sich gegenseitig im Weg.

Wie gut, dass ich da das meiste schon gesehen habe und das Spektakel genüßlich aus der schattigen Ferne beobachten kann. Ich habe Kristin wieder getroffen und genieße mit ihr den mit Kardamom angereicherten Kaffee und die leckeren Datteln, beides mit einem Lächeln und einem netten Gespräch serviert von einem der Freiwilligen, die hier den Besucherdienst übernehmen. Alles sehr gechillt und zuvorkommend. Ich fühle mich sehr willkommen hier!

Abschied von der netten Schweizerin und dann doch noch eine letzte Runde durchs Gelände.

Die Rückfahrt zum Hotel fordert wieder einmal mein ganzes Verhandlungsgeschick. Acht Rial (20 Euro) für eine zehnminütige Taxifahrt? Nö. Auch keine sieben Rial. Aber hier, vor der bekanntesten Sehenswürdigkeit der Stadt mit vielen Touris, die jeden Preis zahlen, ist es nicht so einfach. Die Fahrer müssen bei der Auswahl nicht entgegenkommend sein und sind es dann auch nicht. Mit dem vierten Fahrer komme ich letztendlich ins Geschäft. Fünf Rial. Drunter macht es keiner 😎.

Und dann habe ich ein Déjà-Vu-Erlebnis, das sich auf ähnliche Weise vor einem Jahr in Abu Dhabi abgespielt hat. Die Taxifahrer kennen keine Straßennamen oder Adressen und haben auch Schwierigkeiten, Stadtpläne zu lesen. Und wenn man wie ich nicht in einem großen, bekannten Hotel, sondern in einem kleinen Guest House wohnt, muss man unbedingt eine Sehenswürdigkeit oder sonst etwas Bekanntes (Einkaufszentrum o.ä.) in der Nähe nennen. Sonst wird das nichts.

Ich versuche mein eher unwahrscheinliches Glück mit der privaten Villa des Herrschers von Katar und siehe da: die kennt mein Fahrer! Und das, obwohl mir im Eifer des Gefechts das englische Wort für Herrscher nicht einfällt und ich stattdessen was von „this guy from Katar“ murmele 😅. Der Einfachheit halber steige ich dann auch gleich vor der Villa aus und laufe die restlichen paar Meter zu Fuß bis zu meiner Unterkunft. Geht schneller, als dem Fahrer zu erklären, dass ich kein Foto von der Hütte machen und dann wieder einsteigen will, um ihn dann noch umständlich 150 Meter weiter bis zum Hotel zu lotsen. Taxifahrer im Orient – immer für eine Story gut!

Zeit fürs Mittagessen. Am Strand liegt sehr idyllisch ein kleines Restaurant.

Dort lasse ich mir Taboulé und Falafel servieren und genieße im Schatten die Aussicht aus meiner Pole Position.

Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang schlendere ich zurück zum Hotel und vertrödele den Nachmittag am und im Pool.

Am späten Nachmittag ein letztes Mal zum Strand. Dort genieße ich die relaxte Stimmung und betrachte die picknickenden und flanierenden Familien und Frauengruppen, die Food Trucks und auch die Fußballspieler. Auch die Villa „des Typen aus Katar“ schaue ich mir noch einmal an, dieses Mal von der anderen Seite.

Dann lasse ich mich auf dem Pier nieder, schaue nach Westen und warte auf den Sonnenuntergang. Doch dann zieht etwas gänzlich Unerwartetes meine Aufmerksamkeit auf sich.

Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass sehr wenige Frauen auf meinen Fotos zu sehen sind, und wenn, dann „verschämt“ von weitem, von der Seite oder von hinten aufgenommen oder als scheinbar zufälliger „Beifang“. Das hat seinen Grund. Nicht nur mein Reiseführer warnte mich ausdrücklich davor, im Oman Frauen zu fotografieren, da diese das überhaupt nicht mögen würden. Männer und Kinder hingegen schon, wenn man vorher nett um Erlaubnis gebeten hat. Und nun Folgendes:

Am anderen Ende des Piers hält ein Bus. Daraus entsteigt eine geschätzt 40-köpfige Gruppe junger Frauen, die fröhlich plaudernd den Pier entert. Als sie näher kommen, bedauere ich umso mehr, dass ich jetzt nicht einfach die Kamera zücken kann. Denn ich falle zu sehr auf wegen meines Äußeren und wegen der exponierten Stelle, an der ich sitze. Also lasse ich es und riskiere nur ab und an einen Blick.

Bald ist die Truppe in meiner Nähe. Fröhlich werden die Handys gezückt und Selfies gemacht. Plötzlich kurzes Getuschel in einer der Gruppen, dann kommt eins der Mädels beherzt auf mich zu – und fragt, ob sie ein Selfie mit mir machen dürfe. Klar darf sie das! Und dann gibt es kein Halten mehr. Andere aus der Gruppe kommen dazu, wollen auch mit mir aufs Foto. Eine der jungen Frauen lehnt gar vertraulich ihren Kopf an meine Schulter. Diverse Gruppenfotos mit mir folgen. Vermutlich bin ich für diesen einen Tag der Star auf Instagram im Oman 😂😂😂.

Da mache ich mir wochenlang Gedanken darum, wie ich mal eine Frau auf ein Foto kriege, ohne dass es jemand merkt und ich Ärger kriege. Und dann kommen diese jungen Mädels an meinem letzten Abend an und drehen den Spieß einfach um! Großartig! Und diese Gelegenheit lasse ich mir natürlich nicht durch die Lappen gehen und bitte meinerseits um ein Foto. Hier isses. Na siehste, geht doch 😎.

Jetzt kann der Sonnenuntergang zu Ehren meines Abschieds gerne kommen. Ich lasse voller Dankbarkeit die letzten drei Wochen Revue passieren und schaue dem feurigen Ball bei seinem farbenfrohen Spiel zu. Gute Nacht!

10 Gedanken zu “Tag 19: Muscat – Moschee und Chillout

  1. Wow, was wieder ein schöner Bericht mit vielen Kuriositäten. Daran wird man/frau sich immer wieder gerne erinnern können. Mit tollen Fotos für uns garniert. Gut gemacht!!

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  2. ich bin wie tman auch wieder sehr beeindruckt! Nicht nur heute sondern an allen Tagen Deiner Reise. Auch wenn ich nicht immer kommentiert habe. Ich hätte auch nicht erwartet, dass dieses Reiseziel so interessant ist!

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  3. toller Beitrag und wirklich sehr schöne und gelungene Fotos dabei ! Der Sonnenuntergang ist wirklich vom feinsten ! Was mir auffällt nicht nur hier sind die tollen Fussböden in den Moscheen ect. Spiegelblank und da könnten man wörtlich vom Boden essen !!! Auch das Gruppenfoto der Frauen vermutlich wirklich eine Seltenheit !!! Also meine Daumen sind oben !!!

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