2. – 3. Dezember 2025
Lange nicht mehr gewandert! Und so packe ich an diesem Dienstag meinen Rucksack, schnüre die Wanderstiefel und …
… steige in den 100er Bus. An der gleichen Haltestelle wie gestern, als mich mein Weg nach San Andrés führte, steige ich aus. Dieses Mal jedoch geht‘s links hoch Richtung Berge statt rechts hinunter zum Meer.
Eigentlich wollte ich von hier aus mit einem weiteren Bus bis zum Besucherzentrum Los Tilos fahren. Doch der 100er Bus hatte sich verspätet, meinen Anschluss habe ich offenbar verpasst. Nun, dann muss ich eben vier zusätzliche Kilometer an der Straße entlang nach oben bis zum Beginn des Wanderweges laufen. Denn dieser Bus fährt laut Google Maps nur einmal stündlich.
Na dann mal los, die Beinchen schwingen! Nach wenigen Hundert Metern lohnt ein Blick zurück. Die Puente de Los Tilos ist ein echter Blickfang.

Nach etwas mehr als einem gelaufenen Kilometer kommt der Abzweig zu meinem Ziel – ohne Seitenstreifen, ohne Bürgersteig. Die enge, nur auf Autoverkehr ausgelegte Straße wird sich drei Kilometer lang in noch engeren, unübersichtlichen Serpentinen nach oben schrauben. Hm …
Doch Rettung naht. Meiner Menschenkenntnis vertrauend, halte ich den Daumen raus und werde kurze Zeit später von zwei netten Jungs aus Hamburg aufgegabelt. Danke, Dirk und Jörg, für den Lift nach oben und das nette Gespräch!
Nun kann meine Rundwanderung durch das Biosphärenreservat Los Tilos beginnen. Der Weg führt anfangs nach wenigen Hundert Metern durch einen Tunnel (was bin ich froh mit meiner Handy-Taschenlampe!) und belohnt mich auf der anderen Seite mit einem fantastischen Urwald. Lorbeerbäume, Farne, abenteuerlich verformtes Wurzelgeflecht und kunstvoll geschichtete Steine beleben die Szene. Die Strecke ist wunderschön! Hier und da begegne ich anderen Wanderern, doch insgesamt ist wenig los.





Es ist eine leichte Wanderung mit gut begehbarem Waldweg. Klar, es geht nach oben, doch die zu überwindenden 230 Höhenmeter sind für La Palma-Verhältnisse mehr als moderat. Zum Schluss wird es ein klein wenig kraxeliger.


Und dann ist die höchste Stelle erreicht: der winzige, nur zwei bis drei Menschen Platz bietende Mirador de las Barandas thront in luftiger Höhe über der gewaltigen, bewaldeten Schlucht. Die Aussicht (schwierig, sie über ein Foto zu „vermitteln“) ist der Hammer. Wie überhaupt die ganze Strecke durch diesen verwunschenen Dschungel. Diese Stille, diese klare Luft, diese überwältigend üppige Natur! Wald, nun haste endgültig wieder mein Herz erobert, das du doch scheinbar fast verloren hattest.

Auf dem gleichen Weg geht’s zurück hinunter zum Parkplatz. Nun bin ich neugierig auf das Besucherzentrum, von dem mich von hier aus nur noch 500 Meter trennen. Dort angekommen, werde ich enttäuscht. Es ist geschlossen wegen Bauarbeiten. Schade. Dann eben beim nächsten Mal.
Komisch ist nur, dass scheinbar auch die Bushaltestelle entfallen ist. Ich frage einen der herumstehenden Guides, der auf seine Wanderer wartet, wie es mit diesem ominösen 4er Bus aussieht. Er lächelt nachsichtig und weist mich darauf hin, dass das ein Fehler in Google Maps ist. Es gibt gar keine Busverbindung bis hinunter zur Puente de los Tilos. Und es gab sie wohl auch nie. Na, da hätte ich ja auf dem Hinweg lange, wenn nicht gar auf Godot warten können.
Ok, dann trete ich den vier Kilometer langen Rückweg eben zu Fuß an. Immerhin geht’s ja bergab. Zum Glück ist nun wenig los auf der Strecke, die auch immer mal wieder schöne Aussichten bietet. Hier und da fallen mir kleine Häuschen, Höhlen und Hütten aus Wellblech auf. Ob hier auch der eine oder andere Aussteiger wohnt? Davon soll es ja einige geben auf der Insel. Nach dem berüchtigten Abzweig gelange ich wieder auf eine zivilere Strecke mit mustergültigem Seitenstreifen. Nun muss ich nicht mehr aufpassen, unter die Räder zu kommen.

Auf der Rückfahrt setzt fetter Regen ein. Der Bus ist rappelvoll, doch ich ergattere einen der letzten Sitzplätze. Um mich herum herrscht großer Trubel. Was für ein Kontrast zur Stille des Waldes!
Zurück in Santa Cruz. Umziehen, wieder losziehen. Mein Abendessen nehme ich auswärts ein und genieße dabei das weihnachtlich beleuchtete Städtchen in der Dämmerung. Auf dem Rückweg zu meiner Wohnung laufe ich an mehreren Cafés vorbei. In einem von ihnen wird in wenigen Minuten ein Spiel der spanischen Nationalmannschaft der Frauen gegen Deutschland auf einem großen Fernseher übertragen. Als König Felipe kurz eingeblendet wird, schmettern ein paar Jungs enthusiastisch ¡Viva el rey!
Meinen letzten Abend in der Hauptstadt verbringe ich auf meinem Balkon mit Meerblick. Morgen zieht es mich für drei Nächte gen Westen. Die Aida hingegen kehrt Santa Cruz schon heute Abend den bunten Rücken.

Der Mittwoch bricht an. Santa Cruz will mir den Abschied leichter machen und serviert mir eine ordentliche Ladung von Wind gepeitschtem Nieselregen. Nach dem Frühstück in meiner Stamm-Bar um die Ecke …

… unternehme ich trotzdem einen kurzen Spaziergang zu Escuela de Arte Manolo Blahnik. Manolo was? Klingelt da nichts bei euch? Das sollte es aber! Zumindest bei denjenigen unter euch, die die New Yorker Kultserie Sex and the City kennen und gesehen haben. Die Hauptfigur Carrie Bradshaw liebte es, auf extravaganten und sündhaft teuren High Heels durchs Leben zu stöckeln. Und ihr Lieblingsdesigner war ebendieser Manolo Blahnik, der auf La Palma geboren wurde.
Der Designer besuchte eines Tages die renommierte, unter anderem auf Schmuckdesign und Textilgestaltung spezialisierte Kunstschule und zeigte sich beeindruckt von den dort hergestellten Stoffen. Heute ist sie nach ihm benannt.
Nun stehe ich tropfnass vor dem leider abgeschlossenen Gelände. Unbefugte wie ich kommen nicht rein. Egal! Schaue ich mir die Streetart an den Fassaden eben von oben herab an.


Auf dem Rückweg gibt der Regen alles und eskaliert zur Intensivschüttung. Klatschnass kehre ich in die Wohnung zurück und schnappe den schon gepackten Koffer. Abmarsch zum Bus 300 und Abfahrt! Der Bus schraubt sich bei null Sicht die Hügel hoch. Eine undurchdringliche Nebelwand umgibt uns, es schüttet wie aus Eimern.
Das hält den Busfahrer jedoch nicht davon ab, die kleine Verspätung, die wir gleich zu Anfang reingefahren haben, dadurch zu kompensieren, dass er mitten auf der Serpentinenstraße ohne Sicht einen LKW überholt 😱.
Und dann durchqueren wir den Wettertunnel (so nennen ihn die Einheimischen, wie ich am Abend erfahren werde). Im verregneten Osten rein, …

… Stay tuned!
Sehr coole Landschaft, fast wie ein Urwald. Ist es ja wahrscheinlich irgendwie auch. Ich bin ja auch nicht so der Freund von dichtem Wald, weil man da so wenig Weitblick hat. Aber am Hang ist das natürlich anders, da sieht man wenigstens mal was.
Krass, dass sich so ein Phantombus auf Google Maps halten kann. Man würde meinen, das wird bald bemerkt und korrigiert. Da sieht man mal wieder, dass es besser ist, sich nicht zu sehr auf die digitalen Helferlein zu verlassen. Obwohl sie ja meistens sehr nützlich sind.
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Deine Wanderung durch den Wald war ja ein richtiges Highlight.
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La Palma rutscht immer höher. Danke
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Deine Wanderung hat nach eingen Hängern gut geklappt und die fantastische Landschaft war die Mühen wert. Statt Designermode konntest du Street Art bewundern. Für mich ein guter Tausch ! Hoffentlich war das Wetter an deinem nächsten Standort besser.
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