9. – 10. September 2025
Vor lauter Euphorie und Aufregung am gestrigen ersten Tag im Yellowstone ist völlig untergegangen, …
… ein paar Basisinfos über den Park unters Volk zu streuen. Das muss nachgeholt werden. Here we go:
Der Yellowstone NP wurde 1872 gegründet und ist damit der älteste Nationalpark der Welt. Das UNESCO-Weltnaturerbe ist berühmt für seine Geysire, heißen Quellen, blubbernde Schlammtöpfe, spektakuläre Landschaften und reiche Tierwelt. Der größte Teil des Parks (95%) liegt im Bundesstaat Wyoming, die restlichen fünf Prozent teilen sich Idaho und Montana.
Der Park liegt über einem riesigen Vulkan, der für die geothermischen Phänomene verantwortlich ist. Ein veritabler Ausbruch ist kurzfristig eher nicht zu erwarten. Doch die geothermalen Aktivitäten sind ständig präsent.
Der knapp 9.000 km² große Park ist ganzjährig geöffnet, im Winter allerdings witterungsbedingt nur eingeschränkt zugänglich. Von Norden nach Süden erstreckt sich der Park über 102 Kilometer, zwischen dem westlichen und dem östlichen Ende liegen 87 Kilometer Luftlinie.
Zu abstrakt? Dann nehmt diese Größenvergleiche: Der Yellowstone NP ist in etwa so groß wie Korsika. Er würde rund die Hälfte von Sachsen einnehmen und toppt die Größe Rügens um das Zehnfache. Jetzt eine konkrete Vorstellung? Bestimmt!
Die tierischen Stars des Parks sind Bisons, Grizzlybären, Wölfe, Wapiti-Hirsche und Elche. Jährlich fluten mehr als vier Millionen Besucher den beliebten Park. Das ist angesichts der zeitlich eingeschränkten Saison (Mai bis Oktober) nicht wenig, doch die schiere Größe des Parks sorgt einigermaßen für eine erträgliche Verteilung, auch wenn sich die Massen an bestimmten Punkten natürlich ballen.
Grob gesagt kann man den Yellowstone NP auf einer in Form einer Acht angelegten Ringstraße („Figure-Eight“) abfahren. Die Straßen sind asphaltiert und gut ausgebaut. Doch man sollte die Entfernungen sowie die teils kurvige Routenführung nicht unterschätzen und genügend Fahrzeiten einplanen. Zu guter Letzt müsst ihr auch die im gestrigen Beitrag geschilderten „Tierstaus“ gedanklich auf dem Schirm haben. Denn mit diesen müsst ihr wirklich jederzeit und so ziemlich überall im Park rechnen. Sie stellten sich in unserem Fall täglich als wahre Zeitfresser heraus.
Und wenn wir gerade schon bei diesem Thema sind, lasse ich euch jetzt auch an Stefans gestern in die Welt gesetztem Wortwitz teilhaben, der sich während unserer gesamten Zeit im Yellowstone NP wie ein roter Running Gag-Faden durchzog. Als wir zum wiederholten Male wegen mutmaßlicher Tiersichtungen auf der Strecke buchstäblich ausgebremst wurden, murmelte er lakonisch „Da kreuzt bestimmt wieder so eine Insta-Kuh am Waldesrand lasziv ihre Vorderläufe.“
Nachdem unsere Lachtränen getrocknet und wir abends wieder im Motel waren, betätigte er sich gleich kreativ und fütterte die einschlägige KI mit seinen konkreten Vorstellungen. Kurz ziehen wir in Erwägung, der Dame noch ein paar rote Schlauchbootlippen verpassen zu lassen. Aber wir müssen es ja nicht immer übertreiben 😁.

Zurück zum Ernst des Lebens. Am Dienstag nehmen wir uns eine etwas weniger frequentierte, weil nicht mit den Top-Highlights des Parks gespickte Route durch den Park vor. Wegen der achtförmig angelegten Ringstraße gelangen wir vom Westeingang nicht auf direktem Weg in den östlichen Teil des Parks, sondern müssen den unteren Teil der Acht erst gen Süden fahren.
Auf dem Weg dorthin nehmen wir noch ein paar Geysire und Schlammtöpfchen mit. Sie faszinieren uns immer noch und immer wieder.




Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel wird uns deutlich, dass zwischen den einzelnen Attraktionen sehr viel ausgedehnter Nadelwald liegt. Zur Abwechslung gibt es Nadelwald und Nadelwald. Es geht kleine Hügelchen rauf und runter, mal kurvig, mal gerade im Streckenverlauf.


Als Beifahrerin wird mir zwischendurch, trotz gelegentlicher Tiersichtungen, etwas langweilig. Denn nordische Nadelwaldszenerien gehören nicht unbedingt zu meinen Top Ten der Landschaften. Hin und wieder muss ich auf dem heutigen Weg deshalb an den Esel aus Shrek2 denken. Kennt ihr nicht? Dann schaut mal kurz rein!
Ha! Nachdem wir eine ganze Weile nahe oder direkt am Yellowstone Lake entlang gefahren sind, sind wir endlich da. Vor uns erstreckt sich die Fishing Bridge, in deren näherer Umgebung wir ein Weilchen herumstreifen.


Weiter geht’s im östlichen Teil des Parks gen Norden. Unseren nächsten Stopp legen wir am Mud Volcano ein, in dessen Umgebung wir dank der hier im Park bewährten hochgelegten Holzbohlenpfade ungefährdet flanieren können.
Der Name des Vulkans ist Programm. Als er 1870 erstmals näher untersucht wurde, konnte man seine Ausbrüche aus einer Entfernung von fast zwei Kilometern hören. Heute, im fortgeschrittenen Alter, ist er altersmilde geworden und brodelt lediglich mit etwas Schlamm vor sich hin. Das hydrothermale Gebiet um den Mud Volcano ist und bleibt jedoch eines der aktivsten und gefährlichsten im gesamten Park. Hier sind Säure- und Schwefelkonzentration der heissen Quellen am höchsten.


Next stopp Hayden Valley. Dieses Tal ist wunderschön anzusehen, doch die angepriesene Tierwelt ist nur in seeeeeeehr großer Entfernung zu erahnen. Ein Fernglas würde hier Sinn machen. Doch uns bleiben nur die Kameras und der schöne Blick ins Tal.

Auf dem Rückweg, ihr ahnt es schon, begleiten uns wieder diverse Tierstaus. Doch das hat auch den Vorteil, dass wir aus dem Auto heraus mehr oder weniger in Ruhe diese geniale Urviecher aus nächster Nähe fotografieren können.

Als wir uns abends im Motel unserer tagsüber getragenen Klamotten entledigen, bemerken wir an ihnen einen intensiven Duft. Faule Eier treffen auf Sulfur. Welch apartes Aroma! Ich glaube, das Zeug braucht eine Runde Waschsalon …
Am Mittwoch legen wir eine Art Ruhetag ein, den wir in unserem Wohnort West Yellowstone verbringen. Das Örtchen ist fast ausschließlich auf touristische Infrastruktur ausgelegt. Gastronomie, Unterkünfte aller Art, Souvenirs, Klamotten. Und ein Kino! Im IMAX schauen wir uns einen Film über den Yellowstone NP an, bevor wir weiter durch den Ort streifen.
Morgens und abends steppt hier der Bär. Doch tagsüber ist so gut wie nichts los. Der Grund liegt auf der Hand: die meisten Leute sind dann im Nationalpark unterwegs. Nicht jeder gönnt sich so ein üppiges Zeitbudget, das zwischendurch auch mal einen Abhängertag erlaubt. Auch kommt uns zugute, dass das Wetter auch in den nächsten Tagen noch in unserem Sinne mitspielen wird.




Anschließend zieht es uns ins Grizzly & Wolf Discovery Center. Dabei handelt es sich um einen gemeinnützigen Wildpark und gleichzeitig eine Bildungseinrichtung. Ein wenig Bildung hat noch niemandem geschadet. Und zudem haben wir so eine leise Vorahnung, dass dies die einzige Möglichkeit sein wird, Grizzlybären während dieser Reise live und in Farbe zu erleben. Wie im Zoo? Mitnichten! Das Konzept hier ist weitreichender, aber lest selbst im oben verlinkten Artikel.
Jedenfalls landen hier genau die Tiere, die der ehemalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber in seiner legendären Problembär-Rede thematisiert hat. Nur dass er seinerzeit einen wichtigen Aspekt dezent unter den Tisch fallen liess. Denn bei ungewollten Begegnungen zwischen Mensch und Tier ist es in aller Regel der Mensch, der sich falsch verhält und das Tier in Situationen bringt, die es zu einem für den Menschen gefährlichen Verhalten verleiten. Ja, der gute Edmund hätte in dem Zusammenhang tatsächlich vom Problemmensch und nicht vom Problembär reden müssen. Nu isses zu spät …
Und wir erfreuen uns dennoch am Anblick dieser majestätischen Kreaturen, die hier trotz aller widriger Umstände in guten Händen zu leben scheinen.





Ab dem späten Nachmittag machen wir es uns in unserer Unterkunft gemütlich und schmieden Pläne für die nächsten Tage. Dieses Mal ganz altmodisch mit gedruckten Plänen der Parkverwaltung. Manchmal geht eben nichts über eine ordentliche Papier-App. Stay tuned!
Problem-Edmund wurde ja von König Horst abgelöst. Aber auch der gibt dem Bär keine Chance.
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Die Krater sind ja schön, aber die Nadelwälder bestätigen mich mal wieder darin, warum ich den Yellowstone bisher nie auf der Liste hatte. Obwohl natürlich so eine laszive Instakuh schon toll wäre 😏😂
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