Morgens früh raus aus den kuscheligen Federn, per Uber zum Airport. Einem freundlichen Check In folgt eine deutlich weniger entspannte Sicherheitskontrolle. Doch alles geht schnell und ohne Zwischenfälle über die Bühne. Und schon …

… hebt unser Flieger von United ab. Adieu, Chicago! Es war toll hier, wie immer.

Nach dreieinviertel Flugstunden landen wir in Jackson Hole/Wyoming. Unsere Uhren drehen sich wieder einmal um eine Stunde zurück. Nun hinken wir Deutschland um acht Stunden hinterher. Der kleine Regionalflughafen, der ausschließlich Inlandsflüge abwickelt, erweist sich als recht ansehnlich. Im Handumdrehen wird unser Gepäck ausgeliefert, und auch der Mietwagen steht flott bereit.

Nun liegt eine rund 200 Kilometer lange Fahrtstrecke vor uns, die uns durch gleich drei US-Bundesstaaten führen wird. Wir starten in Wyoming, verbringen den größten Teil der Fahrt in Idaho und überqueren am späten Nachmittag in Montana die Ziellinie. In West Yellowstone beziehen wir unser Quartier für die nächsten sieben Nächte. Es ist erfreulich wenig los auf den Straßen. Einmal jagen wir einen Pass nahe des Grand Teton NP hoch und runter, dann verläuft der große Rest der Strecke flach bis ganz leicht hügelig. Brandenburg!

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Check in, einkaufen, ankommen, Feierabend. Heute werden wir nicht alt. Der Tag war lang, und er begann sehr früh.

Am Montagmorgen stellen wir erfreut fest, dass DIE Frühstücksinstitution des Ortes direkt um die Ecke liegt. Punkt 7:30 Uhr – früh für unsere Verhältnisse – betreten wir das Running Bear Pancake House. Und müssen wegen akuter Überfüllung 20 Minuten auf einen Tisch warten 😅. Ok, das Frühstück wird also etwas zeitaufwändiger als gedacht.

Unser Standort West Yellowstone liegt unmittelbar vor den Toren des Nationalparks. Wie der Name erahnen lässt, fährt man von hier aus über den Westeingang hinein. Wie wir es von den anderen Nationalparks kennen, werden die Massen am Eingang souverän, schnell und freundlich gemanaged.

Zu unserer großen Überraschung können wir tatsächlich noch unseren America the Beautiful Pass aus dem vergangenen Jahr nutzen. Den hatten wir im September 2024 (der genaue Tag wird nicht erfasst) entwertet. Er gilt ab dann für ein Jahr, hätte also nach unserer Logik Ende August, also nach 12 Monaten ablaufen müssen. Hier aber wird großzügigerweise der 13. Monat eingeschlossen. Sehr schön!

Und nun sind wir drin. Die Gestaltung der Routen für die nächsten Tage habe ich weitestgehend dem Naturbeauftragen Stefan überlassen. Ich bin ja mehr die Stadtplanerin.

Doch jetzt genug gequatscht. Her mit den Fotos! Die mystische Morgenstimmung am Fluss ist trotz der mittlerweile fortgeschrittenen Stunde noch sicht- und greifbar.

Zunächst geht’s auf einem kleinen Abstecher auf einer recht engen Nebenstraße zu den Firehole Falls.

Zurück auf der „Hauptstrecke“, machen wir den ersten von unzähligen, auch in den nächsten Tagen folgenden Stopps, um die vierbeinigen Stars des Yellowstone NP zu bestaunen. Die Bisons sind überall, und immer wieder schön anzuschauen. Riesige Köpfe thronen auf urzeitlich anmutenden, massiven Körpern. Sie strahlen eine Gemütsruhe aus. Doch Vorsicht! Die können auch anders. Von daher gilt die Faustregel: immer schön Abstand halten! Und hoch lebe die passende Brennweite.

Eine Weile später erreichen wir eine der Hauptattraktionen des Parks, das Midway Geyser Basin mit dem berühmten Grand Prismatic Pool. Geschlagene 45 Minuten stehen wir ab der Abfahrt von der Durchgangsstraße Schlange, bis wir auf das Terrain des ziemlich überschaubaren Parkplatzes gelangen und dort auch ein Plätzchen für unser Gefährt finden. Weitere 20 Minuten verbringen wir in der Warteschlange vor den Toiletten.

Ja, es ist viel los, obwohl der September schon als Nebensaison gilt. Doch die traditionell kontaktfreudigen Amerikaner, auch hier im Yellowstone NP eindeutig die Mehrheit der Touristenschar, versüßen uns das Warten mit netten Gesprächen.

Aber sobald wir auf dem gut gesicherten Rundparcours und später auf dem Weg zum Overlook sind, ist das alles vergessen. Denn was wir hier zu sehen bekommen, ist wirklich spektakulär. Diese Farben! Diese Formen! Dieser dunstige Dampf, der sich dank des Windes zu immer neuem Schauspiel hinreissen lässt!

Was aussieht wie ein außer Kontrolle geratener Chemieunfall, ist in Wahrheit das Ergebnis eifriger Bakterienarbeit. Diese Mikroorganismen erzeugen in Zusammenarbeit mit dem heißen Quellwasser ein gigantische Farbspektrum, immer in Abhängigkeit von den Temperaturen. Rot, orange, grün und blau – selten in so schöner Kombination gesehen!

Weiter geht’s zum wohl berühmtesten Spot im Park. Old Faithful, der alte, treue Geselle, liefert zuverlässig, was ihm 1870 zu seinem einschlägigen Namen verhalf. Spätestens alle 90 Minuten wird hier gespuckt, was das Zeug hält. Die jeweiligen Zeiten lassen sich relativ genau vorhersagen. Die Eruptionssäule erreicht Höhen von 30 bis 55 Metern. Der Ausbruch dauert zwischen eineinhalb und fünf Minuten. Und ohne die kleinen „Vorspiele“ vorweg stößt Old Faithful pro Ausbruch zwischen 14.000 und 32.000 Liter Wasser aus. Deutlich mehr als eure druckschwache Dusche!

Ein schöner Nebeneffekt der aus Sicherheitsgründen stets abgesperrten Geysire ist, dass beim Betrachten der Fotos der Eindruck entsteht, man hätte das phänomenale Schauspiel ganz für sich alleine gehabt. Dem ist natürlich mitnichten so. Vor, neben und hinter uns tummeln sich Hunderte Menschen. Doch es geht gesittet zu. Keiner drängelt, und beim Ausbruch schweigen alle ergriffen.

Vom riesigen Parkplatz des Old Faithful-Areals aus kann man mehrere ausgedehnte Rundgänge über Holzbohlenwege unternehmen. Dort warten etliche weitere Geysire darauf, uns zu beeindrucken. Nicht jeder ist so aktiv wie der berühmte treue Geselle. Doch schön anzusehen sind sie alle.

Die Rückfahrt nach West Yellowstone entpuppt sich als Geduldsspiel. Wegen einer Handvoll im Abendlicht weidender Hirschkühe am mehrere Hundert Meter entfernten Waldesrand parken und halten die Leute an allen möglichen und unmöglichen Stellen, natürlich auch mitten auf der Straße. Da es hier für jede Richtung nur eine Fahrspur gibt, ist es schwierig bis unmöglich, die illegalen Parker zu umfahren. Und in Windeseile haben wir den besten Tierstau.

Es folgt ein zähes Stop and go-Spiel auf einem Großteil der Strecke. Für den rund 30 Kilometer langen Heimweg bräuchten wir normalerweise maximal 50 Minuten. Doch nun bleiben wir nur knapp unter zwei Stunden. That’s life!

12 Stunden waren wir heute insgesamt unterwegs. Wir sind platt, aber rundum glücklich. Denn was uns der Yellowstone Nationalpark heute geboten hat, war wirklich großartig. Stay tuned!

3 Gedanken zu “Yellowstone NP – Bakterien und heiße Quellen

  1. Gigantisch! Und gar nicht wie Brandenburg. Wer hätte gedacht, dass Bakterien so schön sein können?

    Auf den Bildern denkt man wirklich, ihr hättet eine Private Tour für euch alleine an einem Feiertag gebucht. Scheint ja aber ziemlich beliebt zu sein.

    „Falling in geothermal features“ klingt ziemlich unangenehm, da würde ich auch aufpassen.

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  2. Großartige Landschaft, die du uns zeigst, allerdings wohl schrecklich überlaufen Wie schade, dass wir es dorthin bei unseren USA- Aufenthalten nie geschafft haben. Damals war es sicher noch noch nicht so voll.
    Freue mich auf die Fortsetz deines Yellowstone Berichts !

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