5. Mai 2023

Heute morgen sind wir früh am Start. In der zweiten Nacht hier haben wir beide sehr gut geschlafen und sind am Morgen entsprechend fit und voller Tatendrang. Um acht Uhr ist schon ordentlich was los auf den Straßen und in der U-Bahn.

An unserer Station 161 St./ Yankee Stadium haben wir die Qual der Wahl, ob wir die Linie 4, B oder D nehmen. Heute jedoch macht der 4 Train am meisten Sinn.

Wir haben uns im Vorfeld mit dem Ticketsystem des ÖPNV hier beschäftigt und sind begeistert. Man kann natürlich ganz normal ein aufladbares elektronisches oder papiernes Ticket kaufen. Doch viel einfacher und komfortabler geht’s mit dem OMNY-System. An der Einlassschranke hält man einfach seine Kreditkarte oder das Handy (wenn man wie wir z.B. Apple Pay nutzt) ans Lesegerät. Die Kosten für eine Fahrt werden abgebucht. Das war’s.

Wenn man innerhalb einer Woche (Montag bis Sonntag) mehr als 12 Fahrten mit dem gleichen Zahlungsmittel bezahlt und damit die Schwelle von 33 Dollar erreicht, die eine Wochenkarte kostet, wird für alle künftigen Fahrten innerhalb dieser Woche nichts mehr abgebucht. Ab dann fährt man gratis und muss sich somit vorab keine Gedanken machen, ob sich eine Wochenkarte lohnt oder nicht. Denn das System denkt mit, vor allem im Sinne der Kunden. Ihr Berliner Verkehrsbetriebe, nehmt das!

Ich erwähnte es bereits: wir wohnen nicht in Manhattan, sondern in der Bronx, dem nördlichsten der fünf New Yorker Stadtteile. Auf dem Weg gen Süden bleibt uns heute auf unserer ersten Fahrt mit dem ÖPNV genug Zeit, uns die Leute und das Setting anzuschauen. Es fällt schwer, zu entscheiden, wohin ich zuerst hinschauen soll! Ach, konzentriere ich mich fürs Erste auf die Werbung, bei der sich Roger Federer auf charmante Weise für Schweizer Zugreisen ins Zeug legt. Doch schon bald finde ich die Leute um mich herum deutlich spannender. In der Metro kommt man dem unvergleichlichen Mikrokosmos der Stadt am nächsten.

Was, schon an der 86. Straße? Hier wollen wir raus. Oben auf der Straße serviert uns die Upper East Side in Uptown Manhattan das erwartbare edle Ambiente mit dem dazugehörigen Publikum. Zwischen hier und der South Bronx liegen nicht nur 75 Straßenblöcke, sondern ganze Welten. Eine ist so interessant wie die andere, nur eben auf höchst unterschiedliche Weise.

Wir schlagen die Richtung zum Guggenheim Museum ein. In einer Stadt, deren bevorzugtes Tempo die Höchstgeschwindigkeit ist, erlauben wir uns den Luxus, zu schlendern, zu schauen, zu beobachten. Noch stauen sich keine Besuchermassen vor dem Museum, das zu dieser frühen Zeit noch nicht geöffnet hat. Doch die Anbieter diverser Snacks, Getränke und Souvenirs haben mit ihren Wagen und Ständen bereits Quartier bezogen und stehen damit dekorativ im Weg herum. Einer der Händler, der auf Kundschaft für seine einschlägigen Fotos wartet, gibt uns den freundlichen Rat, lieber am frühen Abend wieder herzukommen, wenn das Museum geschlossen hat und alle Händler abgezogen sind. Dann lässt es sich ungehindert fotografieren. Das werden wir beherzigen und ziehen ohne Fotos von dannen.

Direkt gegenüber liegt einer der vielen Eingänge zum Central Park, der zu dieser Uhrzeit vornehmlich von Joggern und Hundebesitzern besucht wird – und von Touristen mit seniler Bettflucht. Wir betrachten aus der Ferne die Skyline der Upper West Side jenseits des großen Teiches, …

Upper West

… laufen noch ein Stückchen durch den idyllischen Park und nehmen dann den Bus bis zu 42. Straße. Denn die Strecke bis dorthin zieht sich, und schließlich wollen wir uns ja noch ein wenig Puste für weitere Ziele aufheben.

Willkommen in Midtown Manhattan, wo die Sonne heute über Bande spielt wie wir beim Billard. Nachdem wir uns eine Weile an den glänzenden Wolkenkratzern und einem alten Feuerwehrfahrzeug erfreut haben,

An den Wolken kratzen
Mit Ecken und Kanten
Systemrelevant

… machen wir New Yorks riesigem Prachtbahnhof, dem altehrwürdigen Grand Central Terminal, unsere Aufwartung. Das über 100 Jahre alte Beaux-Arts-Gebäude ist vor allem im Inneren eine Augenweide. So schauen wir uns auch auf den verschiedenen Ebenen etwas genauer um. Und natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, das berühmte Flüstergewölbe auszuprobieren. Direkt vor der berühmten Oyster Bar können weder neun Meter Distanz noch der meist hohe Lärmpegel nicht verhindern, dass zwei sich diagonal in den Ecken gegenüberstehende Personen flüsternd verständigen können.

Hallig
Getrackt
Sitzen und warten
Geflüster

Als wir die Park Avenue auf der Suche nach einem geeigneten Futterplatz ein wenig gen Norden laufen, finden wir auf der Straße ein iPhone, das sich offenbar klammheimlich vom Acker gemacht hat. Da wir in der Masse der weiterhastenden Menschen niemanden ausfindig machen können, dem das Teil gehören könnte, geben wir es vertrauensvoll in die Hände einer freundlichen Polizistin, die in der Nähe steht und sich darum kümmern wird, dass es wieder dort landet, wo es hingehört.

Nun können wir uns wieder auf das konzentrieren, was sich um uns herum sonst noch so abspielt. Es ist lunch time, die Food Trucks haben regen Zulauf. Auf dem Mittelstreifen der Park Avenue hat es sich eine Baustelle gemütlich gemacht, die einen durchaus willkommenen Vordergrund für ein paar Fotos darstellt.

Mahlzeit!
Stilmix
Knappes Rennen

Als wir wieder einmal die Straßenseite wechseln, sehen wir einen Fotografen in eindeutiger Pose tief unten auf dem Boden vor einer Pfütze knien. Stefan spricht den Griechen an, weil er sich freut, jemanden zu sehen, der genauso drauf ist wie wir und Pfützenfotos (siehe heutiges Titelbild) macht 😂. Schräge Vögel finden irgendwann immer auch andere schräge Vögel.

Kaum haben wir uns wieder von der Straße erhoben und unsere längere Unterhaltung mit dem Griechen beendet, sehen wir eine Frau über die Straße laufen, die uns wild gestikulierend zuwinkt. Es ist die uniformierte iPhone-Beauftragte, die uns anstrahlt und uns quer über die Straße wissen lässt, dass sich die Besitzerin gemeldet und das Fundstück abgeholt hat. Die Dame ist wahrlich stimmgewaltig. Das muss sie wohl auch sein in diesem Job.

Nachdem wir in einer der Seitenstraßen bei The Little Beet gut gegessen haben, laufen wir wieder zurück zum Grand Central und folgen von dort aus der Park Avenue gen Süden. Fotografisch ist die Gegend geradezu eine Fundgrube!

Gestylt
Dogs wear Prada?

Dass wir ausgerechnet diese Richtung auf dieser Straße eingeschlagen haben, verdanken wir dem Pfützen-Fotografen, der uns ans Herz legt, doch unbedingt die Skulpturenausstellung der Bildhauerin Carole Feuerman auf dem Mittelstreifen weiter südlich anzusehen. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen! Auch wenn die eine oder der andere unter euch nicht unbedingt an Kunst interessiert ist: riskiert trotzdem einen kurzen Blick auf die lebensgroßen und täuschend echt aussehenden Badenixen. Wir finden sie genial!

Inmitten all der Badenixen lernen wir einen sehr gesprächigen New Yorker Fotografen kennen, der uns eine ganze Weile beschäftigt. Er bittet uns später, uns fotografieren zu dürfen. Auch seinen Wunsch, dass wir unsere Namen in sein Mikro sprechen, erfüllen wir gerne.

Gut ausgerüstet

Irgendwann schaffen wir es, uns loszueisen und schlendern weiter in Richtung 5th Avenue. Das dauert eine Weile. Der Grund liegt auf der Hand.

Nach einer schöpferischen Pause bei Tee und Kuchen …

Gemischtes Doppel

… laufen wir weiter gen Süden, bis wir vor dem Flatiron Building stehen. Wie schade, dass diese Stilikone der Architektur teilweise eingerüstet ist! Und wie gut, dass sie uns damit einen guten Grund liefert, irgendwann einmal wieder nach New York zurückzukehren.

Gebügelt
Es ist Zeit!

Genug erlebt für heute. Zuhause wartet der Billardtisch 😁.

17 Gedanken zu “New York City – Einmal quer durch Midtown

  1. Ich war ja nun ewig nicht mehr in NYC, aber ich liebe diese ersten Tage, an denen man ohne Qual den Jetlag nutzen und morgens vor allen Menschen unterwegs sein kann!

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  2. ja da gibt es Motive ohne Ende und man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen ! Pfützenfotos einfach herrlich . Architekturmotive ohne Ende
    Wo ich vermutlich Probleme hätte, wären die öffentlichen Verkehrsmittel. Ich tue mich schon schwer mit der S-Bahn oder U-Bahn in Stuttgart durchzublicken. Die hier sind schon eine Herausforderung. Vielleicht ist es aber auch ganz einfach wenn man das System mal kapiert hat.
    Auf jeden Fall ein schöner Beitrag mit tollen Fotos

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  3. Ja das Pfützenfoto ist mir sofort aufgefallen. Professionell! Sicherlich liegt Ihr dabei nicht auf dem Boden, sondern die Kamera steht auf dem Boden 😊👍 Es wird mal wieder Zeit die Entdeckungsreise NY fortzusetzen.
    Danke Euch für die tollen Bilder!

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    1. Immer gerne. Freut mich, dass dir meine Fotos gefallen haben. Wir knien bei den Pfützenfotos tatsächlich unten auf dem Boden. So sehen wir besser, ob der Bildausschnitt passt. Ja, mach dich mal wieder auf den Weg nach NYC!

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  4. Jaa, ist ja gut… auch die unter uns, die nicht so auf Kunst stehen, finden die Badenixen ganz nett 😉
    Bilder in der Pfütze können toll aussehen. Ich hatte das mal in Georgien fotografiert und meine Familie war auch erstaunt, was ich da am Boden mache…
    Aber auch die „Elke im Schaufenster“ gefällt mir richtig gut: das ist sie, die Elke auf Erkundungstour in der großen Stadt 🙂

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  5. Wie schön. Tolle Bilder wieder! Die Skulpturen sehen wirklich täuschend echt aus. Großartig. Auch das Panorama Foto vom Central Park ist klasse geworden. Die Hundepfotenschuhe…manche Leute sind so crazy. Dass der Hund die anbehält, haha. Es ist ja auch immer toll mit Einheimischen zu sprechen und wenn die dann noch fotografische Tipps haben, umso besser. Die Flüsterecken muss ich mit Mika auch mal ausprobieren, kann mir ja nur schwer vorstellen, dass das wirklich funktioniert. 🙂

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    1. Danke, Verena! Ja, an dem Tag waren wirklich tolle und auch kuriose Sachen dabei. Und dass der Hund diese Schuhe anbehält, hat mich auch etwas verwundert 😂. Probiert die Flüsterecke unbedingt mal aus! Es funktioniert tatsächlich.

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