Hui, ist das frostig! Jackson liegt auf 1.900 Metern Höhe. Da kann sowas am frühen Morgen schon einmal vorkommen. Bei schattigen 2 Grad …

… befreit Stefan die Autoscheiben von einer zarten Frostschicht. Dann sind wir startklar.

An diesem Dienstag, unserem letzten vollen Tag auf dieser Reise, drehen wir auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herrn eine zweite Runde auf dem Scenic Drive des Grand Teton NP. Er verspricht sich noch ein paar gute Fotogelegenheiten, doch das Wetter spielt am Vormittag nur bedingt mit. Aber auch ein grauer Himmel kann der Schönheit der Natur nicht viel anhaben. Zuerst halten wir noch einmal am Schwabacher Landing …

… und eine Weile später am Oxbow Bend Overlook. Hier zeigt die Sonne nun auch schüchtern ihre ersten Strahlen.

Next Stopp Jenny Lake. Dort unternehmen wir eine kurze Bootsfahrt zum gegenüberliegenden Ufer …

… und laufen von dort aus am Ufer zurück. Vorher aber gönnen wir uns noch ein paar Höhenmeter hinauf zu einem kleinen Wasserfall. Diese Idee teilen wir mit den meisten der Besucher, die es auf diese Seite des Sees geschafft haben. Doch die Fauna bietet uns das erste Moose auf dieser Reise. Und so sind wir mit dem Andrang letztendlich versöhnt.

Bevor es wieder zurück zum Ufer geht, führt uns der Weg durch dichten, üppigen Wald. Dort kommen wir auch nicht so recht voran, denn ein Moose jagt das nächste. Faszinierend! Da fällt es schwer, immer den gebührenden Abstand zu halten.

Wieso rede ich eigentlich immer vom Moose statt vom Elch? Nun, die Begriffe werden regional unterschiedlich benutzt. Ja, letztendlich ist ein Moose nichts anderes als ein Elch. Doch während in Nordamerika eben von einem Moose gesprochen wird, ist in Europa (Großbritannien inklusive) der englische Begriff Elk (also Elch) gebräuchlich. In Nordamerika hingegen versteht man unter Elk ein ganz anderes Tier, nämlich einen Wapiti-Hirsch. Alles klar? Wenn nicht, isses auch nicht schlimm.

Nachdem wir die halbe Runde um den sehr schönen Jenny Lake gedreht haben, geht’s am späteren Nachmittag zurück nach Jackson Hole. Wir laufen eine Abschiedsrunde durch das schöne, kleine Städtchen und machen es uns abends ein letztes Mal im Motel gemütlich.

Der Mittwoch bricht an. Abreise! Der erste unserer beiden Flüge vom nur 20 Autominuten entfernten Jackson Airport nach Denver startet erst am frühen Nachmittag. So können wir morgens in aller Ruhe packen. Auch für einen Abschiedskaffee in meinem Lieblingscafé reicht die Zeit locker.

Immer noch mit ordentlich Zeit im Gepäck erreichen wir den Flughafen. Die Rückgabe des Mietwagens verläuft ungewöhnlich. Denn es ist weit und breit kein Mitarbeiter zu sehen! Dafür aber eine lange Schlange aus für die Rückgabe bereiten Mietwagen, deren Fahrer ebenso ratlos hin und her, auf und ab laufen wie wir. Eine kurze Rückfrage drinnen am Schalter ergibt: einfach die Schlüssel im Wagen lassen und gut is. Dann eben keine Kontrolle auf eventuelle Schäden. Uns soll es recht sein. Spoiler: wir haben auch im Nachgang nichts mehr von der Autovermietung gehört. Gut so!

Mit unseren Siebensachen betreten wir die Eingangshalle, wo eine Infotafel unsere Aufmerksamkeit erregt. Der Jackson Hole Airport rühmt sich, ein umweltfreundlicher und nachhaltiger Flughafen zu sein. Wer es genauer wissen will, lese gerne hier nach.

Gelassen trödeln wir in Richtung Check-in-Schalter. Was soll schon schiefgehen an einem kleinen, überschaubaren, schnuckeligen Airport wie dem in Jackson? Tja, ganz reibungslos ging es dann jedoch nicht über die Bühne. Hier kommt die Geschichte dazu:

Wegen technischer Unzulänglichkeiten seitens der App von United Airlines sind wir gestern Abend daran gescheitert, uns beide einzuchecken. Ist uns tatsächlich vorher noch nie passiert. Egal, müssen die Ladies am Schalter das eben vor Ort erledigen und uns ganz old school Bordkarten auf Papier ausdrucken.

Die erste Kontaktaufnahme zum United-Personal beginnt heiter. Stefan und ich stehen vor dem Schalter direkt nebeneinander, als mich die freundliche Mitarbeiterin fragt, ob noch jemand mit mir reist. Ich kann mir einen verbalen Konter nicht verkneifen und offeriere, dass ich meinen Mann gerne auch hier lassen könne, wenn sie mir verspricht, sich um ihn zu kümmern. Während Stefan mich stumm anklagend anstarrt, lachen wir zwei Mädels herzlich. Als sie sich wieder gefangen hat, lässt sie mich jedoch wissen, dass sie mit ihrem eigenen Gatten schon mehr als ausgelastet sei. Nun denn, dann nehme ich den Stefan eben wieder mit 😁.

Nachdem wir unsere Pässe ausgehändigt haben, gestehe ich ihr unser gestriges technisches Scheitern und bitte sie, uns traditionell einzuchecken. Da sie an dem Schalter, an dem wir gerade stehen, keine Möglichkeit zum Ausdrucken hat, bittet sie uns an einen anderen Schalter, der einige Meter entfernt liegt. Dort angekommen, tut sie, was getan werden muss. Als wir die Bordkarten in den Händen halten, wünscht sie uns einen guten Flug und verabschiedet sich.

Moment mal! Und was ist mit meinem Reisepass? Stefan hält seinen in den Händen, doch von meinem keine Spur. „Habe ich Ihnen den Pass nicht schon zurückgegeben?“, fragt sie mich. Nein! „Den haste bestimmt schon in deinen Rucksack gesteckt“, meint Stefan. Nein! Ich bin so derart pedantisch mit Formalitäten und Papierkram, dass ich NIEMALS Unterlagen oder Teile davon irgendwohin wegpacke, bevor ich nicht alles vollständig vor mir liegen habe und meine zwanghafte Endkontrolle durchführen kann.

Nun wird es hektisch. Die Dame sucht den gesamten Ablageteil des Schalters ab. Nichts. Geht zurück zu dem Schalter, an dem wir zuerst standen und den wir wegen des fehlenden Druckers verlassen mussten. Nichts. Dort wurden mittlerweile von Kollegen schon andere Fluggäste bedient. Ob jemand anderes meinen Pass bekommen hat? Hm …

Wieder zurück zum zweiten Schalter, wo wir warten, nun doch etwas beunruhigt. Jetzt beginnt die Mitarbeiterin beherzt, den halben Schalter auseinander zu bauen. Und siehe da: irgendwo zwischen der Rückseite des Monitors und der Rückseite der Schalterwand hat sich mein abenteuerlustiger Reisepass hindurchgezwängt, und sich anschließend mitten im darunter befindlichen Kabelgewirr eingeklemmt. Nachdem der Schuft auf frischer Fluchttat ertappt wurde, wird alles gut. Erleichtert verabschieden wir uns von der Dame, die nun doch einen erheblichen Mehraufwand mit uns hatte.

„Ach, alles halb so wild. Das wäre doch spätestens bei der Sicherheitskontrolle hier am Flughafen aufgefallen“, höre ich euch murmeln. Nein, eben nicht! Denn der Airport in Jackson ist ein reiner Regionalflughafen, von dem aus nur Inlandsziele angeflogen werden. Das heißt, hier werden grundsätzlich nur die Bordkarten kontrolliert, und keine Pässe oder ähnliche Identitätsnachweise.

Wenn mir der fehlende Pass nicht direkt hier in Jackson aufgefallen wäre, wäre ich tatsächlich erst beim Boarding in Denver aufgeflogen. Und da wäre es zu spät gewesen. Never ever hätten die mich dort mit einer läppischen Kopie meines Reisepasses (die ich immer dabeihabe) an Bord gelassen. Während so manch anderer Reisende wegen teilweise verschärfter Einreisekontrollen in letzter Zeit befürchtet, nicht ins Land gelassen zu werden, hätte mir zumindest bis zur Beschaffung eines Ersatzdokuments genau das Gegenteil gedroht: Du kommst hier nicht raus! Manchmal können Pedanterie und Kontrollzwang auch was Gutes haben 😎.

Nun jedoch geht alles seinen gemächlichen, entspannten Gang. Wir erfahren noch in Jackson, dass sich unser Anschlussflug in Denver um zwei Stunden verspäten wird. Das verschafft uns für den Umstieg ein etwas großzügigeres Zeitfenster, das bei pünktlichem Weiterflug bei nur 90 Minuten gelegen hätte, Terminalwechsel im riesigen Denver Airport inklusive. Da wir das so rechtzeitig wissen, kann ich auch noch locker das für morgen erworbene Bahnticket von Frankfurt nach Berlin stornieren. Denn den gebuchten Zug werden wir auf keinen Fall erreichen.

So viel Text, so wenige Fotos. Das kann ich so nicht stehen lassen. Hier meine subjektiven, eher soziokulturell geprägten Impressionen vom Airport in Jackson:

So, nun aber ab in den Flieger! Die Kulisse jedenfalls kann sich sehen lassen.

Umstieg in Denver. Es bleibt bei den angekündigten zwei Stunden Verspätung, verursacht durch einen medizinischen Notfall auf dem Hinflug von Frankfurt nach Denver mit ungeplanter Zwischenlandung in Reykjavík. Denn der Patient musste schnellstmöglich in ein Krankenhaus. Gesundheit geht vor! Und die Rettung von Menschenleben erst recht.

Boarding, möglich dank vollständig vorhandener Reisepässe. Der lange Flug vergeht schnell und angenehm. Mein Sitznachbar, ein Arzt aus Albuquerque, der sich mit Tochter und Schwiegersohn auf eine Bierreise (Bierwanderung bei Nürnberg und dann klassisch aufs Oktoberfest in München) durch Deutschland begeben will, stellt sich als ein sehr angenehmer Gesprächspartner heraus. Mit Quatschen, Essen, Dösen und tatsächlich drei bis vier Stunden Schlaf vergeht dieser Nachtflug zumindest für mich recht schnell. Stefan hingegen macht wie gewohnt während des Fluges kein Auge zu, hält sich aber mit Binge-Watching diverser Filme bei Bewusstsein.

Ankunft in Frankfurt am Donnerstagmorgen. Es bleibt bei den zwei Stunden Verspätung, die wir schon beim Abflug hatten. Sobald wir am Boden sind, buche ich ein neues Zugticket. Eine Sitzreservierung klappt so kurzfristig nicht mehr, doch wir haben Glück und finden im gleichen Großraumwagen zwei Plätze, wenn auch nicht beieinander. Der Zug erreicht Berlin mit 30 Minuten Verspätung. Egal. Bei den vielen Reisestunden kommt’s darauf auch nicht mehr an. Gegen 21 Uhr sind wir zuhause, unversehrt und sehr müde. Jetzt aber sofort ab ins Bett!

Nach komatösen 12 Stunden Schlaf blicken wir am Freitagmorgen dankbar und zufrieden auf drei richtig tolle Reisewochen zurück. Klasse war’s! Gerne wieder, bevorzugt in der Ära nach Herrn T. Und wie geht’s weiter? Nach der Reise ist vor der Reise! Bald nehme ich euch mit in eine der aufregendsten Großstädte Europas. Stay tuned!

8 Gedanken zu “Grand Teton NP – Letzte Runde und ab nach Hause

  1. Na, da habt ihr was erlebt auf eurer Heimreise !
    Danke für die wunderbaren Reiseberichte. Eure Ziele würden mich auch sehr interessieren, inklusive einer Rückkehr nach Detroit. Mal sehen, wie es dort politisch weitergeht.
    Überlege gerade, in welcher aufregendsten europäischen Großstadt du warst. Das kann eigentlich nur London sein.

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  2. Danke für Deine wunderbaren Reiseberichte… Macht immer wieder sehr viel Spaß!

    Einiges hatte ich ja bereits persönlich erfahren, aber die ganze Geschichte hier zu lesen, war cool und auch aufregend. Ich glaube, ich hätte einen Herzkasper bekommen!

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  3. Oups, zu früh den Button gedrückt. Ging ja nochmal gut mit dem Reisepass. Das wäre wohl ziemlich ärgerlich geworden.

    Das Moose ist beeindruckend. Ich kenne nur Spanish Moose, das ist so ein Baumbewuchs in New Orleans und Umgebung.

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