14. – 15. September 2025
Am Sonntagnachmittag erreichen wir den letzten Stopp auf dieser Reise. Jackson, here we are.
Heute geht nicht mehr viel bei uns. Denn Reisetage sind, unabhängig von der gefahrenen Strecke, immer etwas anstrengend. Erschwerend kam heute dazu, dass wir einige Autofahrer um uns herum hatten, die sich eher auf einem NASCAR-Rennen als auf einer Scenic Route in einem Nationalpark wähnten. Entsprechend wurde gedrängelt, gerast und geschnitten. Egal. Vorbei. Wir gehen schnell noch was essen, räumen anschließend den Supermarkt leer und beziehen unser riesiges Motelzimmer. Hier kriegt uns heute keiner mehr raus.
Der Montag bricht an. Wenn man in Motels übernachtet, ist es durchaus vorteilhaft, zur Fraktion der Frühausteher zu gehören. Denn viele Reisende brechen sehr zeitig auf und lassen, während sie geräuschvoll ihr Hab und Gut im Auto verstauen, lange vor der Abfahrt den Motor laufen – Stichwort Arschgrill. Nicht auszudenken, dass man ansonsten während der ersten Fahrminuten ein zartes Frösteln aushalten müsste! Leben am Limit.
Von all dem bis jetzt noch nicht aus dem Schlaf gerissen worden? Dann schafft das spätestens der durchdringend laute Verriegelungston, der beim Abschließen der Autotüren per Fernbedienung seinen Auftritt hat. Etwas empfindlich, die Elke? Nun, wenn das alles direkt, sprich einen Meter entfernt direkt vor meinem Schlafzimmerfenster stattfindet, dann schon! Doch einen Vorteil hat das frühe Aufwachen: man hat definitiv mehr vom Tag.
Der Montagmorgen beginnt etwas verregnet. Doch die Sonne wird sich schon bald zeigen. Während Stefan es sich zuhause gemütlich macht, unternehme ich einen ersten Rundgang durch das überraschend schöne Zentrum von Jackson. Es liegt günstig in Laufweite zum Motel, ist kompakt und präsentiert sich nicht nur als reine Versorgungsinfrastruktur für Touristen. Ich sehe viele Kunstgalerien, alternative Cafés und Restaurants und „normale“ Geschäfte, die auf den Bedarf der Einheimischen abgestimmt sind. Insgesamt nehme ich eine sehr schöne und relaxte Atmosphäre wahr.
Getoppt wird das Ganze natürlich noch durch die Lage der Stadt inmitten einer grandiosen Bergwelt. Was mir ebenfalls recht bald ins Auge springt, ist die auffallend große Anzahl an Immobilienbüros. Letzteres in Kombination mit den hochpreisigen Kunstgalerien lässt nur eine Interpretation zu. Wir sind hier in einem wohlhabenden Städtchen gelandet: Jackson ist das Sylt von Wyoming.
Unser aktueller Standort ist im übrigen auch noch wegen eines in Wirtschaftskreisen bekannten jährlichen Events bekannt: das Jackson Hole Economic Symposium. Doch nun Schluss mit der Theorie. Ich brauche jetzt dringend einen Kaffee! Denn erst wenn eine ordentliche Dosis Koffein meine Lebensgeister geweckt hat, kann ich den Stadtrundgang richtig genießen.







Gegen Mittag sammle ich Stefan ein. Wir schwingen uns ins Auto und steuern als erstes Ziel das Infocenter des Nationalparks an. Schon wieder? Ja! Denn wenn man schon in der Gegend des Yellowstone NP unterwegs ist, macht es Sinn, den Grand Teton NP gleich auch noch anzuschauen. Er schließt sich direkt südlich daran an, zeigt jedoch ein völlig anderes Gesicht als sein nördlicher Nachbar. Von Jackson aus ist sein Südeingang binnen 15 Autominuten bequem zu erreichen.
Fangen wir mit dem Namen an, der sich im Laufe der Zeit immer mal wieder änderte, sich jedoch stets auf die markante Form der drei Hauptgipfel bezog. Ureinwohner nannten die Gebirgskette Die drei Brüder beziehungsweise Die grauhaarigen Väter. Spätere Entdecker bezeichneten sie als Pilot Knobs.
Letztendlich durchgesetzt hat sich jedoch der Name, den französische Pelzhändler ihr gaben. Sie konnten offenbar nicht anders, als beim Anblick der majestätisch aufragenden Berggipfel an die einschlägige Anatomie des weiblichen Oberkörpers zu denken. Aus Trois Tétons (Drei Brüste) wurde schlussendlich Grand Teton. Und dabei blieb es bis heute.
Ein paar Worte zur Einstimmung. Der Grand Teton National Park ist bekannt als ikonischer Teil der Rocky Mountains. Er punktet mit einer geradezu dramatisch schönen Berglandschaft mit Gletscherseen, Wäldern und einer facettenreichen Fauna. Der höchste Gipfel erreicht mehr als 4.000 Meter. Hier kannst du Bären, Elchen und Bisons begegnen – ob du es nun willst oder nicht.
So nah am Yellowstone NP gelegen, und doch ganz anders. Der Grand Teton NP hat mit Geothermie nichts am Hut. Vielmehr erinnert er im Aussehen an unsere europäischen Alpen, jedoch ohne deren räumliche Enge. Hier ist viel mehr großes, weites Land dazwischen. Der Nationalpark ist bei Wanderern, Bergsteigern, Kletterern, Radfahrern, Schneeschuhwanderern, Läufern, Anglern, Tierbeobachtern und nicht zuletzt Fotografen gleichermaßen beliebt.
Wir jedoch wollen uns im Rahmen der zwei Tage, die wir hier verbringen werden, lediglich auf einen groben Eindruck beschränken und uns im Wesentlichen entlang der Scenic Route bewegen. Seid ihr bereit für ein paar fotografische Eindrücke? Dann los!









Insgesamt ist auf der Strecke der Scenic Route durch den Nationalpark ordentlich was los. Doch Tierstaus wie im Yellowstone NP bleiben uns hier glücklicherweise erspart.
Bis hierher waren das doch schon mal richtig gute Aussichten! Aber was uns die Szenerie weiter nördlich im satten, frühherbstlichen Nachmittagslicht liefert, toppt das noch.



Den letzten Stopp des Tages legen wir an dem wohl berühmtesten Fotospot des Grand Teton NP ein. Dafür nehmen wir auch ein abenteuerliches Stück Buckelpiste auf dem letzten Abschnitt der Strecke in Kauf. Schwabacher’s Landing wurde nach einem Geschäftsmann aus San Francisco benannt, der vor rund 100 Jahren in der Nähe eine Ranch besaß und diesen malerischen Platz am Snake River zum Angeln nutzte.
Heute zieht der Spot die Massen aus fünf Gründen an: Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Spiegelungen der Tetons im (ruhigen) Fluss, die Chance auf Sichtung von Wildtieren und die Aussicht auf grandiose Hochzeitsfotos. Uns jedoch ist nicht (mehr) nach Massenaufläufen, und so lassen wir die Chance auf einen baldigen schicken Sonnenuntergang lässig verstreichen. Stattdessen genießen wir lieber die wunderbaren Aussichten und auch ein längeres Gespräch mit einem Fotografen aus Montana.


Nachdem wir Gott, Trump und die Welt ausgiebig besprochen haben, machen wir uns zufrieden auf den Heimweg. Kurz vor Jackson lockt uns die untergehende Sonne dann doch noch mal, kurz anzuhalten. Als Abschluss des Tages lassen wir uns das gerne gefallen. Morgen geht’s auf die Schlussetappe. Stay tuned!

Eine traumhafte Gebirgslandschaft! Die kanadischen Rockies waren für mich die schönsten Berge, die ich jemals besucht habe, aber im Grand Teton NP sieht es auch nicht schlecht aus. Nur die smaragdgrünen Seen fehlen, aber vielleicht kommt das noch.
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Ja, die kanadischen Rockies sind wirklich klasse. Der Grand Teton ist auch total schön, aber smaragdgrüne Seen à la Lake Louise haben wir dort nicht gesehen.
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Motels haben schon ihren eigenen Charme. So bequem es ist, mit dem Auto direkt vor die Tür zu fahren, so sehr kann es nerven, wenn andere das tun. Ich habe manchmal gestaunt, was die Leute alles in ihr Zimmer geschleppt haben.
Die Landschaft ist schön. Aber vielleicht liegt es daran, dass ich die Alpen direkt vor meinem Dachfenster habe, dass mir der Teton NP nicht so besonders vorkommt.
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Stimmt, manche haben ihrem halben Hausstand dabei. Wenn man sich einen ordentlichen, fetten SUV anschafft oder mietet, ist auch der Transport kein Problem. Die kurzen Wege vom Parkplatz zum Motelzimmer machen es dann noch einfacher, sich mit dem eigenen Equipment wie zuhause zu fühlen. Am besten parkt man dann halt noch rückwärts ein, um den Weg vom Kofferraum bzw. der Ladefläche zum Zimmer noch kürzer zu halten. Dann klappt es am nächsten Tag auch besser mit dem Vergasen der Nachbarn 😁.
@dein Eindruck von der Landschaft: Verstehe ich vollkommen, dass du als Voralpenbewohner da verwöhnt bist und der Grand Teton dich weniger beeindruckt als mich 😁.
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Also ick muss schon sagen … sobald sich der „youknowwho“ und seine Gang beruhigt haben … buche ich auch
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Ja, mach mal! Musst nur noch ein paar Jahre durchhalten …
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wow schöne Aufnahmen dabei
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Danke, Manni! Freut mich sehr.
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