Bei längeren Autofahrten ist eines essenziell: gute musikalische Untermalung! Auf dem letztjährigen Roadtrip durch die Nationalparks im Südwesten der USA …

… hat das hervorragend funktioniert. Bester Hip Hop Sound schmeichelte wochenlang unseren Ohren. Doch hier, im Yellowstone Nationalpark, findet das Autoradio nur einen textlastigen Mormonensender aus Idaho, der auf äußerst starker Frequenz läuft. Ok, dann eben nicht!

Am heutigen Donnerstag sind wir früh am Start. Die Wege sind weit, drohende Tierstaus hängen wie ein Damoklesschwert über uns. Wir wollen zum Grand Canyon of the Yellowstone, der sich auf 32 Kilometern Länge erstreckt. Da es mehrere Haltepunkte und Möglichkeiten gibt, etwas herumzulaufen, wollen wir nicht unter Zeitdruck geraten. Denn am Nachmittag haben wir noch einen weiteren Programmpunkt auf dem Zettel.

Durch die V-förmige, bis zu 400 Meter tiefe und bis zu 1.300 Meter breite Schlucht fließt der Yellowstone River. Drei große Wasserfälle bieten was fürs Auge und fürs Ohr. Typisch für den Canyon sind die gelb-rot-orangenen Farbspiele des Gesteins, entstanden durch geothermisch verfärbte Eisenvorkommen.

Nun, der Canyon ist richtig klasse. Doch seine beeindruckende Schönheit, seine Dimensionen, seine rauschende Lautstärke lassen sich auf Fotos nur unzureichend transportieren.

Nachdem wir alle Haltepunkte angefahren und abgelaufen sind, fahren wir weiter ins für sein reiches Tiervorkommen berühmte Lamar Valley. Das im äußersten Nordosten des Nationalparks gelegene Tal erreichen wir nach einer längeren Fahrt. Die Strecke zieht sich, und ist auch auf einem Teilstück durch eine große Baustelle verengt. Doch die Landschaft um uns herum entschädigt für den langwierigen Ritt.

Im eigentlichen Tal angekommen, müssen wir uns jedoch der Realität stellen. Erfolgreiche Tierbeobachtungen gelingen nur unter ganz bestimmten Bedingungen: die richtige Tageszeit (früh morgens oder in der Dämmerung), das richtige Equipment (auf große Entfernungen ausgelegte Teleobjektive und/oder Ferngläser) und last but not least eine ordentliche Portion Zeit, Geduld und Glück.

Sieht mau aus bei uns. Stefan bringt immerhin genügend Geduld mit – ich hingegen noch nicht mal das. Stundenlang ins Tal schauen, um ein Bärchen in Stecknadelkopfgröße zu sehen? Nicht mit mir! Zum Glück habe ich ein Buch dabei und kann mich damit beschäftigen. Doch als dann auch noch ein zarter Nieselregen niedergeht, reicht es auch Stefan nach einer Weile. Und so ziehen wir unverrichteter Dinge wieder ab.

Doch wir nehmen es mit Humor. Wenigstens haben wir uns bemüht😁. Immerhin serviert uns der lange Rückweg nach West Yellowstone noch ein paar mystische Szenen und etwas Fauna im Abendlicht.

Den Freitag widmen wir den Mammoth Hot Springs ganz oben im Norden des Nationalparks. Die auf einem recht weitläufigen, abwechslungsreichen Terrain verteilten Thermalquellen haben etwas ganz Besonderes geschaffen: unfassbar schöne, einzigartige und farbenfrohe Kalksinterterrassen. Hier sind wir vier (zwei Menschen und zwei Kameras) hoffnungslos verloren und können kein Ende finden. Doch diese Art von Verlorensein lassen wir uns gerne gefallen.

Hier ein kleiner fotografischer Einblick. Die Auswahl fiel schwer! Fangen wir mal mit dem oberen Rundparcours an:

Und dann geht’s hinab ins Tal, von wo aus wir den unteren Teil erlaufen. Dieser ist nicht minder schön, nur etwas anders. Die Natur ist als Künstlerin auf ewig unübertroffen.

Halt! Bevor wir gemeinsam weiterlaufen, muss ich euch noch mit ein paar Sicherheitsvorkehrungen vertraut machen. Wie im Flieger. Nur anders. Noch besser wäre es natürlich gewesen, euch schon weiter oben hinreichend aufzuklären.

Wir bewegen uns hier in einem Thermalgebiet. Oft liegt nur eine dünne Kruste über kochend heißen Quellen oder brühendem Schlamm. Manche der Becken sind so säurehaltig, dass sich sogar Stiefel komplett darin auflösen. In diesem Areal hier sind bereits mehr als 20 Menschen an Verbrühungen gestorben. Weitere Hunderte von Leuten haben Verbrennungen und Narben davongetragen, weil sie die Bohlenwege oder andere vorgegebene Pfade verlassen haben und ihre Fingerchen oder anderes irgendwo hineingetan haben, wo sie nichts zu suchen haben.

Die Moral von der Geschichte? Wenn du unbedingt mal aus der Reihe tanzen willst, such dir einen anderen Ort dafür! So, jetzt bereit für die Fortsetzung?

Ah, prima! Alle unbeschadet wieder am Ausgang angekommen. Geht doch! Und könnt ihr jetzt verstehen, wieso wir so fasziniert von den Mammoth Hot Springs sind? Für mich sind sie definitiv einer der besten Spots in diesem von Highlights gespickten Park.

Nachdem wir uns hier stundenlang in Raum und Zeit verloren haben, machen wir uns auf den rund eineinhalbstündigen Heimweg. Dieser verläuft recht unspektakulär und erfreulicherweise tatsächlich ohne nennenswerten Tierstau. Doch eine Ausnahme davon will ich euch nicht ersparen. Triggerwarnung! Die Zartbesaiteten unter euch sollten spätestens jetzt auf einen anderen Kanal umschalten. Die Hartgesottenen können gerne weiter an Bord bleiben bis zum bitteren Ende.

Gerne hätten wir den Wolf, der sich hier ein Festmahl bereitet hat, in flagranti erwischt. Doch als wir am Tatort vorbeikommen, finden wir nur noch die kläglichen Überreste vor. Die Festtafel sauber und ordentlich zu hinterlassen, ist des Wolfes Sache nicht. Doch sicher werden sich andere Abnehmer finden.

Na, war doch gar nicht so schlimm, oder? Ditt is Natur, würde der Berliner sagen. Und im Gegensatz zum Menschen töten Tiere in der Regel nur, um das eigene Überleben zu sichern. Mit diesem Wort zum Freitag verabschiede ich mich für heute. Stay tuned!

2 Gedanken zu “Yellowstone NP – Im Farbrausch

  1. Das sieht natürlich schon beeindruckend aus! Vor meinem inneren Auge sehe ich mit einem Grinsen die Instagram-Knipser auf der Jagd nach dem besten Selfie knietief in die säurehaltigen heißen Becken einbrechen…

    Die Instakuh auf dem letzten Bild hat wohl zu lange lasziv posiert und nicht auf die Wölfe geachtet?

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