Am frühen Morgen um 6:15 Uhr verlasse ich die Wohnung mit diesem untrüglichem Gefühl, etwas vergessen zu haben. Ihr kennt das, oder? Auf dem Flug nach Bilbao erzählt mir mein Sitznachbar, dass er gleich auch für seinen Kollegen ein Deutschland-Trikot fürs EM-Spiel morgen Abend eingepackt hat. DAS war‘s 🤦‍♀️!

Vueling fliegt direkt von Berlin nach Bilbao. Doch wer mir wenige Wochen vor dem Start der Reise ersatzlos den Rückflug streicht, dem muss ich dann zumindest temporär den Rücken zuwenden. Stattdessen bringt mich nun die Lufthansa via Frankfurt zu meinem Ziel.

Früh los, früh da! Der QR-Code meines vorab digital ausgefüllten Einreiseformulars wird am Flughafen gescannt. Ausweis und Impfnachweis werden hier offenbar nur stichprobenartig überprüft. Da stehen zwar drei gelangweilt aussehende Mitarbeiter herum, um sich genau dieser Aufgabe zu widmen. Aber ich werde unbehelligt durchgewunken. Der Flughafen von Bilbao ist nur rund zehn Kilometer von der City entfernt. Und so bin ich blitzschnell im Hotel.

Wie sich herausstellt, habe ich mit der Wahl des Vincci Consulado de Bilbao einen sehr guten Griff getan! Das Hotel liegt zentral und nur 300 Meter von der Hauptattraktion der Stadt entfernt, bietet mir eine großzügige Terrasse und ein sehr ansprechendes Zimmer.

Gut gebettet
Ausgelagert

Bevor ich euch auf einen ersten Rundgang einlade, sage ich noch ein paar Worte zur Stadt. Bilbao liegt charmant eingebettet zwischen grünen Hügeln, in zwei Hälften geteilt durch den Nervión. Der Fluß schlängelt sich durch die ganze Innenstadt und bildet somit ihren roten Faden. Die alte Industrie- und Hafenstadt hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen beeindruckenden Wandel durchlaufen, wie man ihn so in wohl nur wenigen anderen Städten beobachten kann. Als die Kohle- und Stahlkrise Europa in den 1980er Jahren mit voller Wucht traf, geriet auch das „Duisburg Spaniens“ arg in eine wirtschaftliche Schieflage. Laut, grau und dreckig war die Stadt vorher schon. Nun kam noch die Armut dazu.

Doch dann landeten die Stadtväter einen Jahrhundert-Coup: sie beauftragten den Stararchitekten Frank Gehry mit dem Bau eines spektakulären Museums, das seit seiner Eröffnung 1997 einen nie gekannten Run auf die Stadt mit ihren rund 350.000 Einwohnern auslöste. Doch dazu später an anderer Stelle mehr (als euch lieb sein kann 😇).

Los geht’s entlang des Flußufers in Richtung Altstadt. Kuschelige 31 Grad umhüllen mich an diesem Sommertag Mitte Juni, während ich hier und da Ausschau nach den ersten lohnenden Fotomotiven halte.

Kurz hinter dem Rathaus wechsele ich hinüber zur anderen Flussseite, um mich ein wenig in der Altstadt umzusehen. Wenig später schon stehe ich vor der wunderschönen barocken Iglesia de San Nicolás, die dem Schutzheiligen der Seefahrer gewidmet ist. Macht durchaus Sinn in einer Hafenstadt 😎.

Seelenheil

Die Altstadt ist schön und angenehm überschaubar. Und so dauert es nicht lange, bis ich auf einem für Spanien typischen, komplett umbauten Zentralplatz, der Plaza Nueva, lande.

Arkadien

In den dreistöckigen Häusern befinden sich überwiegend Wohnungen, während sich unten in den Arkaden ein schönes Lokal an das andere reiht. Genauer gesagt handelt es sich den meisten Fällen um das, was man in anderen Landesteilen Spaniens als Tapas Bar bezeichnen würde.

Doch hier im Baskenland gibt es statt Tapas Pintxos. Nein, das ist nicht exakt das Gleiche! Lest gerne hier nach, worin sie sich unterscheiden. Ach, beim Anblick der vielen Köstlichkeiten läuft mir doch glatt ein ganzer Wasserfall im Munde zusammen! Und schon sitze ich vor einer der Bars und genieße meine Pintxos.

Sattmacher

So, jetzt müssen die zahlreichen Kalorien aber schleunigst wieder abgebaut werden! Lauft einfach ein paar Schritte mit mir durch die Altstadt.

Rote Linie
Überblick
Gassenhauer
Bist du Taub(e)?
Zur Zierde

Kaum dem Gässchengewirr entronnen, stehe ich schon vor dem Mercado de la Ribera, der mit 10.000 Quadratmetern größten gedeckten Markthalle Europas. Ihre Art-Déco-Optik ist ein wahrer Hingucker.

Den Besuch drinnen hebe ich mir für einen anderen Tag auf und umkreise stattdessen erst einmal die nähere Umgebung.

Mit Schwung
Nobles Wohnen
Brückenschlag

Auf dem Rückweg zum Hotel laufe ich wieder am Fluß entlang – und komme nicht weit. Denn hier reiht sich verführerisch ein Fotomotiv an das nächste. Ob es nun das Teatro Arriaga, der jugendstilige Bahnhof Estació de la Concordia oder einfach nur die tollen Hausfassaden sind: Wer wird dem widerstehen können? Ich jedenfalls nicht!

Seitenwechsel
Was für ein Theater!
Durch die Bank
Großer Bahnhof
Abgefahren
Straßenschlucht

Last but not least lasse ich es mir auf meinem Rückweg trotz zunehmender Müdigkeit nicht nehmen, einmal die Zubizuri (baskisch für „Weiße Brücke“) zu überqueren. Die 1997 von Santiago Calatrava erbaute Fußgängerbrücke ist eines der Wahrzeichen der Stadt und bietet einige ungewöhnliche Perspektiven. Zum Beispiel diese hier auf die im Hintergrund thronenden Isozaki-Türme:

Iso & Zubi

Am frühen Abend lande ich wieder im Hotel. Es war ein total schöner, aber auch langer Tag mit einem sehr frühen Start. Es reicht für heute. Ach nee, halt, ein Fußballspiel geht natürlich noch rein. Es ist EM!

Prost!

Spanien spielt heute gegen Schweden. Die Abwehrschlacht erschöpft mich endgültig. Da kann sich das Moderatoren-Trio noch so viel Mühe geben mit seinem Geschwindigkeitsrekord im Schnellsprechen!

Und so schlafe ich in der folgenden Nacht wie eine ganze Murmeltierherde. Bis morgen!

14 Gedanken zu “Bilbao: Tag 1 – Angekommen

  1. Guten Morgen liebe Frau Tesche, wie schön, dass Sie endlich wieder reisetechnisch unterwegs sein können!!!! Ich begleite Sie immer gerne, zwar oft zeitversetzt, virtuell auf Ihren Pfaden und genieße Ihre Berichte. Leider lässt sich Bilbao nicht öffnen. Gibt es da ein technisches Problem?

    Ich freue mich von Ihnen zu hören. Herzliche Grüße und genießen Sie die heutigen abgekühlten Temperaturen, falls Sie momentan in Berlin sind.

    Iris Lange

    >

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  2. schöner Anfang zur nächsten Staffel – aber alles wuchtig im Bau…doch so anders wie spanischer Stil …und am Rande siehts eher mal bißchen ärmlich aus – abgesehen vom Hotelzimmer, das wirkt sehr schön in der Farbe u. echt nett…weitermachen…lese mit! Frag mich nur, wie wirkt dort Corona, da war doch viel Up & Down u. teils sehr viele Opfer ???
    LG Werner

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    1. Als so wuchtig habe ich die Gebäude gar nicht empfunden. Meist ist genügend Raum drumherum, sodass man nicht das Gefühl hat, „erdrückt“ zu werden. Was Corona betrifft, so habe ich die Spanier als deutlich disziplinierter erlebt als meine Landsleute hier in Deutschland. Ich hatte mich nirgends unwohl gefühlt. Die seinerzeit geltenden Maßnahmen wurden auch von den Hotels und Restaurants gut umgesetzt.

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  3. Oh, was für ein hübsches Hotelzimmer! Das würde mir auch gefallen, sehr stilvoll. Aber was mich noch mehr begeistert hat, ist ja die Markthalle und der Bahnhof. So schick!👍 Die Brücke war ja auch wieder ganz dein Metier und davon hast du sicher noch ein paar andere Perspektiven in petto.😉 Bin gespannt, wie es weitergeht.

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    1. Sorry für die späte Antwort! Ja, das Hotel war klasse. Kann ich uneingeschränkt empfehlen! Art Déco ist dein Ding, gell? Markthalle und Bahnhof sind ja Musterbeispiele dafür. Ich mag das auch sehr. Fast so wie die Brücke 😃. Stimmt, das Teil hatte ich in der Tat aus allen möglichen Perspektiven abgelichtet. Gut erkannt!

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