17. Juni 2022

Heute bringt mich ein Linienbus ins rund 70 Kilometer von Glenwood Springs entfernte Aspen. Mit fünf Dollar pro Strecke bin ich dabei. So viel Spaß für wenig Geld! Denn die Fahrtstrecke ist richtig schön. Zuerst geht es am Roaring Fork River entlang, und wenig später genieße ich tolle Aussichten auf die Berge.

Ankunft in Aspen. Um zehn Uhr beginnt der Fahrbetrieb der Silver Queen Gondola. Und nun ratet, wer just zu dieser Zeit dort am Start ist? Genau 😎. Muss das Städtchen eben noch ein wenig auf mich und ihr auf Details zum Städtchen warten.

Seit 1987 hievt die längste einstufige Gondelbahn der Welt aufstiegswillige Fahrgäste auf 3.475 Meter Höhe. Für die rund vier Kilometer lange Strecke benötigt sie etwa 20 Minuten. Da ich so früh dran bin, hält sich der Andrang noch arg in Grenzen. Und so freue ich mich über den Luxus, eine dieser großen Kabinen ganz für mich alleine zu haben.

Gähnende Leere
Bitte einsteigen!

Oben auf dem Aspen Mountain angekommen, warten etliche Wanderwege, ein Restaurant mit Aussichtsterrasse und sensationelle Ausblicke bei klarer Sicht auf mich. Ich widme mich heute jedoch nur der letztgenannten Option, das aber umso ausführlicher. Verständlich, oder?

Weitblick
So viele Füße!
Bergige Welten

Was soll ich sagen? Es ist großartig dort oben! Recht lange verweile ich hier, um diese unfassbar schöne Landschaft auf mich wirken zu lassen. Zudem lassen mich die angenehmen 19 Grad hier oben in der Höhe für eine Weile die drückende Hitze unten im Ort vergessen – der ja immerhin auf ebenfalls beachtlichen 2.400 Metern Höhe liegt. Jedenfalls – dieser flache Gag sei mir erlaubt – zittere ich weder da noch dort wie Aspenlaub.

Was? Mehr wird da oben nicht geboten? Doch! Die Palette reicht von einer ambitionierten Yogaklasse über skurrile Baumbewohner bis hin zu einer – ich traue meinen Augen kaum – Whisky-Verkostung! Muss ich eben noch ein wenig länger bleiben.

Wild Thing
Ermattet

Irgendwann schaffe ich es dann doch, mich von der Szenerie zu lösen. Jetzt wird wieder hinunter gegondelt – dieses Mal mit Blick auf Stadt und Tal.

Bis ich unten angekommen bin, kann ich euch ja noch flott mit ein paar Basis-Infos zu dem Örtchen versorgen, in dem ich heute zu Gast bin. Aspen ist eine Kleinstadt mit rund 7.000 Einwohnern, die wie Glenwood Springs im Bundesstaat Colorado liegt. War sie im 19. Jahrhundert noch Zentrum eines Silber-Bergbaugebiets, so beherbergt sie heute eines der bekanntesten und exklusivsten Skigebiete Nordamerikas.

Die Stadt ist von drei Seiten von Bergen umgeben. Outdoor-Fans sind hier goldrichtig. Wenn die Skifahrer abgereist sind, kommen die Wanderer und Radfahrer, um das Sommerloch zu füllen.

Wer hier seinen Urlaub verbringen oder gar für eine Weile leben möchte, sollte jedoch genügend Kleingeld auf dem Konto horten. Denn Aspen ist eine der reichsten Städte der USA und somit ein teures Pflaster. Wer aus welchem Grund auch immer zur High Society gehört und Rang und Namen hat, tummelt sich hier zumindest zeitweise. Bevorzugt auch mit Erst- oder Zweitwohnsitz. Wer gerne tiefer in den ganz speziellen Kosmos von Aspen eintauchen möchte, dem empfehle ich diesen unterhaltsamen Artikel des Berliner Tagesspiegels.

Gerade ist auch richtig was los hier. Denn heute beginnt das dreitägige Festival namens Food & Wine Classic. Überall tummeln sich schick gekleidete Menschen, die hier und da Häppchen goutieren und edle Tropfen zu sich nehmen. Da kann ich nicht mithalten! Weder preislich noch optisch.

Schuften und feiern

Jenseits aller finanzieller und modischer Überlegungen ist Aspen jedoch ein richtig schöner Ort. Ich jedenfalls habe mich dort sehr wohl gefühlt. Wollt ihr mit mir eine kleine Runde drehen? Dann los!

Vergittert
Geradelt
Blättrig
Schmuckstück
Was für eine Oper!
Passt!
Sperrig

Jetzt ist Zeit für ein Mittagessen. Im französischen Bistro Jour de Fête werde ich fündig. Und als ganz besonderes Extra habe ich das große Vergnügen, Susann kennenzulernen, die seit etwas mehr als einem Jahr hier lebt und arbeitet. Ob ihr es glaubt oder nicht: sie ist die erste Deutsche, die ich auf dieser Reise treffe 😎. Die Freude ist auf beiden Seiten groß, die gegenseitige Sympathie auch.

Als ich später am Tisch sitze, gesellt sie sich zu mir und erzählt ein wenig von ihrem Leben hier im noblen Aspen. Wie so vielen anderen im Dienstleistungssektor Beschäftigten ergeht es auch ihr und ihrem Mann: direkt in Aspen oder in der unmittelbaren Umgebung zu wohnen, ist für Leute mit normalem Gehalt schlicht unerschwinglich. Für eine 1-Zimmer-Wohnung zahlt man hier schon mal 2.800 $ Miete. Wer hier arbeitet, muss also längere Pendelwege in Kauf nehmen. Doch davon abgesehen, gefällt es ihr in ihrer Wahlheimat sehr gut! Ich hoffe, das wird so bleiben. Danke, Susann, dass du dir die Zeit genommen hast, um mir beim Essen ein wenig Gesellschaft zu leisten. Schön, dass wir uns getroffen haben!

Im Laufe des Nachmittags zeigt sich, dass meine Wetter-App richtig lag. Es ist schwülwarm und wird immer drückender bei knapp unter 30 Grad. Wind kommt auf. Hier und da setzt ein unergiebiger Nieselregen ein, stop and go. Ja, liebe Leserinnen und Leser, es war kein Zufall, dass ich gleich heute morgen nach der Ankunft auf den Berg gegondelt bin. Denn ich wusste ja, was kommt. Und jetzt ist der Gondelbetrieb tatsächlich zeitweise gesperrt wegen Wind und Wetter.

Auf zu meinem nächsten Ziel, das etwas außerhalb des Stadtkerns liegt. Direkt am Ufer des Roaring Fork Rivers hat die Stadt einem berühmten und mittlerweile verstorbenen Einwohner einen ganz speziellen Ort gewidmet, das John Denver Sanctuary. Die Stadtoberen wussten sehr wohl, wie sehr der Country-Sänger Aspen und die Rockies liebte.

Der lauschig gelegene Ort berührt mich wirklich sehr. Und so lasse ich den Nachmittag inmitten diesen schönen Gartens mit Blick auf die Berge ausklingen.

Gartenträume
Musikalisch
Lupinenpracht

Der nächste Bus bringt mich zurück nach Glenwood Springs, wo ich diesen wunderschönen Tag mit meinem Buch am Pool beende. Morgen wartet die nächste Zugfahrt auf mich. Stay tuned!

28 Gedanken zu “Aspen – Geldadel in freier Wildbahn

    1. @Alpen: Einerseits ja. Andererseits aber gibt es da einen bedeutenden Unterschied, der auf Fotos wegen der fehlenden dritten Dimension leider nicht wirklich gut zu erkennen ist. Hier in Nordamerika ist viel mehr Weite inmitten der Berglandschaften. Hier fühle ich nicht so die Enge wie in den Alpen. Ich glaube, das kann nur nachvollziehen, wer beides kennt. @Fliegensch…: das hingegen ist hüben wie drüben gleich 😁.

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        1. Ich rede nicht von Größe, sondern von Weite. Und vom Drüberhinwegschauen habe ich auch nichts geschrieben. Interessant, was du in meine Worte hinein interpretierst 😉.

          Warst du denn schon mal in nordamerikanischen Gebirgslandschaften unterwegs? Wenn ja, dann haben wir beide einfach unterschiedliche Wahrnehmungen. Wenn nicht, dann kann ich nur wiederholen, was ich in dem Kommentar, auf den du dich beziehst, geschrieben habe. Das kann nur nachvollziehen, wer beides kennt. Denn die Fotos vermitteln das nicht so gut wegen der fehlenden dritten Dimension.

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          1. Ja, Elke, ich war 91 und 92 in den Rockys, wir sind von Idaho über Wyoming (und dem Yellowstone Nationalpark) nach Colorado gefahren. Und da wir beeindruckt waren und der Dollar damals niedrig stand, haben wir das ganze in zwei Jahresurlauben erkundet.
            Es war wie geschrieben eindrucksvoll und, wenn du mit Weite Fläche meinst, dann sind die Rockys glaube ich dreimal so groß wie die Alpen.
            Die Alpen besuche ich in der Regel punktuell je nach Wandergebiet dafür aber mindestens einmal im Jahr. Ehrlich gesagt bin ich noch nie auf die Idee gekommen, an den Alpen länderübergreifend entlang zu fahren. Komisch, dass macht man (oder ich) nur in den Staaten.
            Nichtsdestotrotz beeindrucken mich die Alpen immer wieder. Sollte ich wählen, ob ich zum wandern in die Alpen oder in die Rockys fahren würde, ich würde die Alpen wählen. Schon allein, weil sie ja fast vor der Haustür liegen.
            In der USA reizen mich zurzeit mehr die Städte (Seattle und Chicago, New York und Boston) die Wüste in Nevada und Neu England. Trotzdem steht keine Reise in diese Richtung an.
            Sollte ich mir ein Reiseland aussuchen dürfen, ständen im Moment Chile, Norwegen und Island auf meiner Wunschliste.
            Gebucht für das nächste Jahr ist schon eine Woche Mittersill in den Alpen. Was wir noch unternehmen werden, dass wissen wir noch nicht.
            Ich denke, gerade die Großartigkeit von Reisezielen ist subjektiv und hängt, wie du richtig erwähnt hast, von der eigenen Wahrnehmung ab.
            Liebe Grüße von Susanne

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          2. Für einen reinen Wanderurlaub würde auch ich die Alpen bevorzugen, alleine schon wegen der von dir erwähnten deutlich kürzeren Entfernung. Dieser Trip jedoch hatte einen ganz anderen Schwerpunkt. Der hieß „California Zephyr“ und bot eine große Abwechslung an sehr unterschiedlichen Landschaften und Städten. Von daher habe ich u.a. die Rockies einfach „mitgenommen“.

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          3. Das klingt witzig 🙂 das „mitgenommen“. Die Vielfalt der Landschaften und Städten in der USA ist überwältigend. 🙂 Durch deinen Beitrag denken wir tatsächlich über N.Y. nächstes Jahr nach. 🙂
            Liebe Grüße und eine schöne Adventzeit von Susanne

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          1. da warst zur falschen Jahreszeit dort ! Das Promi Treffen ist immer erst im Winter zum Skifahren. Unglaublich tolle Pisten ! Aspen ist die reichste Stadt Amerikas und eine der Welt. Der Durchschnittspreis eines Hauses in Aspen liegt bei 1,5 Millionen Dollar.
            Jährlich findet dort auch der Ski-Weltcup der Damen statt

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  1. Aspen scheint so etwas wie unser Sylt zu sein 😉 ich schätze, meines wäre es nicht, wobei das Örtchen selbst schmuck und hübsch sein mag.
    Erstaunlich, dass du hier deiner ersten Deutschen auf der gesamten Reise begegnest. Normalerweise sind unsereins überall auf der Welt anzutreffen 😉

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    1. Ja, der Vergleich mit Sylt passt. Von der Landschaft mal abgesehen 😁. Stimmt, normalerweise begegnet man seinen Landsleuten immer und überall, ob es einem passt oder nicht 😅. Doch die ersten und einzigen wirklich nennenswerten Massen an deutschen Touristen habe ich tatsächlich nur am Schluss in San Francisco angetroffen. Streng genommen zählt Susann da ja auch gar nicht dazu, denn sie lebt und arbeitet ja in den USA.

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  2. Aspen – der Name ist in USA wohl so was, wie bei uns St. Moritz..
    Klein, fein, teuer..
    Aber die Natur dort ist wirklich megaschön! Und das im Sommer! Wie geil muss es dann erst im Winter sein..
    Irgendwann knacke ich ja den Lotto Jackpot – letztens hat ja ein Dortmunder gewonnen – jetzt muss nur noch die Strasse stimmen (und natürlich der Name des Spielers) – dann bin ich nur noch unterwegs. Ressourcen schonen ist so was von vorgestern – soll Greta doch heulen.. 😉
    Bis die tage!
    CU
    P.

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    1. Ach, Peter, ich mag ja deinen Sarkasmus 😁. Ich drücke dir alle Daumen, dass das mit dem Jackpot eines Tages klappt und du Greta dann ordentlich in die Klimasuppe spucken kannst. Musst du jetzt nur noch anfangen, tatsächlich Lotto zu spielen 😇👍.

      Und nun zum ernsthaften Teil: ja, Aspen ist im Winter bestimmt noch toller. Ich gehöre zwar nicht zur Fraktion der Skifahrer, aber Schnee finde ich trotzdem schön.

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      1. Ach Mensch, da dachte ich, ich bin mal ganz originell und dann hattest das Wortspiel schon und ich hab’s sogar noch überlesen. Is ja peinlich. Aber sag mal diese Dinger da zur Bildunterschrift „sperrig“, was machen die??

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        1. An dem Wochenende war ja dieses Fressfest in Aspen. Und diese Dinger waren als Zufahrtssperren aufgestellt. Einige Stände waren im Freien auf Flächen und Plätzen, die normalerweise für den Straßenverkehr freigegeben sind.

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  3. Beeindruckende Bilder. Die Landschaft natürlich, nicht die Snobs. Einzig mit dem Namen „Food & Wine Classics“ war das örtliche City Marketing sehr einfallslos. Das kann man woanders auf der Welt besser 😉 Guckst Du hier: Emmes (Saarlouis). Schmackes. Schluck- und Schleckertage…. Immer diese Saarländer. Na, zu viel versprochen? 🤣🤣🤣

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