10. – 11. Februar 2022

Heute frühstücke ich auswärts im französischen Bistro um die Ecke und laufe dann zur Haltestelle, an der mich der Bus 910 aufgabeln und zu Teneriffas wohl schönstem Strand, der Playa de las Teresitas bringen wird. Das erscheint mir als ein guter Plan bei dem Wetterchen heute!

Meist sonnig

Ihr wundert euch vielleicht über die ungesunde Luftqualität, die meine Wetter-App anzeigt. Und das am Meer und in Gebirgsnähe! Nun, daran ist Calima schuld. So heißt hier der bisweilen auftretende Sturm, der die Kanaren mit Sahara-Sand bepudert. Offenbar wird das in der Wettervorhersage mit Feinstaub gleichgesetzt 😅. Ich bzw. meine Atemwege haben aber keinerlei Belastungen in der Richtung wahrgenommen.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle schaue ich mich einmal etwas genauer im Hafen um.

Rapunzel?
Am Haken
Roter Kasten

Der Bus kommt und bringt mich binnen kurzer Zeit ans Ziel. Der Strand liegt im Fischerdörfchen San Andrés, neun Kilometer nördlich von Santa Cruz. Der mit einigen Schiffsladungen Saharasand künstlich aufgeschüttete Strand zieht sich auf fast zwei Kilometern Länge unterhalb der Berge entlang. Damit das Meer nicht gleich wieder alles an sich reißt, wird die idyllisch gelegene Bucht durch einem Damm geschützt.

An diesem Donnerstagmorgen bin ich zwar nicht ganz alleine am Strand, aber wirklich viel los ist auch nicht. Am Wochenende mag das deutlich anders aussehen. Ich laufe den Strand hinauf bis zu seinem nördlichen Ende, lasse mich dann im großzügigen Schatten einer Palme nieder und tue einfach mal nichts. So schön!

On the beach
Blaumachen
Unter Palmen

Gegen Mittag erhebe ich mich, um es mir wenig später in der nächsten Strandbar gemütlich zu machen. Ich futtere eine Kleinigkeit und benetze meine ausgetrocknete Kehle mit einem – um diese Uhrzeit natürlich alkoholfreien – Virgin Mojito.

Nun aber genug gechillt! Mit dem nächsten Bus geht’s zurück zum Zentralen Busbahnhof in Santa Cruz und von dort aus gleich weiter nach La Laguna, immer schön den Berg hinauf.

Das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende La Laguna ist ein sehr apartes, quicklebendiges Städtchen mit rund 150.000 Einwohnern. Es thront in 500 Metern Höhe inmitten der Einflugschneise der Passatwolken. Doch heute habe ich Glück, denn auch hier strahlt die Sonne, was das Zeug hält.

In der einstigen Inselhauptstadt wurde im 18. Jahrhundert die erste Universität der Kanaren gegründet. Bis heute gilt La Laguna als das kulturelle Herz Teneriffas. Sehr angetan schlendere ich durch historische Gassen, vorbei an Kirchen, Klosterhöfen und vielen ansehnlichen Häusern.

Angestachelt

Holde Maid

Was für ein schönes Städtchen! Trotz der vielen schicken Gebäude und der aufgeräumten Atmosphäre wirkt es kein bisschen künstlich. Die Touristenschar hält sich angenehm die Waage mit den Einheimischen. So soll es sein.

Gassi
Stadtoase
Handlanger
Balkonien

Um das spärliche Mittagessen zu kompensieren, genehmige ich mir am Nachmittag einen fetten Maracuja-Eisbecher …

Energie!

… und nehme anschließend zur Abwechslung die einzige Tram Teneriffas für den Rückweg nach Santa Cruz. Sollte es euch eines Tages auch einmal hierher verschlagen, empfehle ich euch, auch den umgekehrten Weg mit der Tram von Santa Cruz hinauf nach La Laguna zu nehmen. Dort steigt ihr einfach an der Endstation ‚Trinidad‘ aus und lauft wenige Hundert Meter weiter bis zur historischen Altstadt mit ihrer weitläufigen Fußgängerzone. Da könnt ihr fast nichts falsch machen 😎.

Der Rest ist schnell erzählt. Den Abend verbringe ich, – drei Mal dürft ihr raten – auf meiner heiß geliebten Dachterrasse. Wir passen wirklich wunderbar zusammen!

Mit Tram geht es für mich am nächsten Morgen wieder zum Busbahnhof von La Laguna. Heute will ich ein wenig im Anaga-Gebirge wandern gehen. Der Zug vertrödelt sich irgendwie auf der Strecke, sodass mir der Anschlussbus dort vor der Nase wegfährt. Den nächsten Bus nach Cruz del Carmen gibt‘s erst in einer Stunde.

Aber alles halb so wild! Erstens bin ich früh dran. Zweitens habe ich keine Eile. Und drittens freue ich mich über die Möglichkeit, mir dann doch noch einen Café con leche genehmigen zu können. Auf in die nächste Bar!

Rechtzeitig bin ich wieder am Busbahnhof. Nummer 77 steht bereit. Eine riesige Wandergruppe samt Guide macht sich auf, den kompletten Bus einzunehmen. Doch das Bahnhofspersonal greift ein. Wenig später fährt noch eine andere Linie nach Cruz del Carmen. Der aus mindestens 40 Teilnehmern bestehende Monstertrupp muss sich in zwei Lager splitten, damit auch noch Platz für andere Fahrgäste bleibt.

Meine durch und durch subjektive Meinung: Große Gruppen sind echt die Pest 😅! Statt so zu tun, als gehöre nur den in Massen Auftretenden die Welt, könnten sich solche Gruppen doch auch einen gesonderten Bus mieten. Doch die öffentlichen Verkehrsmittel zu entern und damit alle anderen zu verdrängen ist natürlich billiger. Geiz ist und bleibt geil.

Ankunft im Besucherzentrum Cruz del Carmen. Der Parkplatz ist bereits proppenvoll. Zahlreiche PKW parken schon die engen Serpentinen rauf und runter. Der 7. Sinn treibt mich direkt im Schweinsgalopp zum Info-Büro. Das war schlau! Nur eine Person ist noch vor mir dran. Wenig später wird die Schlange hinter mir lang und länger.

Drinnen gibt es einen einzigen Schalter. Dahinter sitzt eine freundliche Dame, die allerdings nur spanisch spricht. Auf Englisch radebrecht sie sich mit Mühe und Not durch die Kommunikation. Aber wir kommen letztendlich halbwegs miteinander klar. Zum Glück verstehe und spreche ich ja ein wenig Spanisch.

Warum ist hier so viel los? Nun, Teneriffas Nordostzipfel ist landschaftlich schroff und zugleich spektakulär! Immergrüne Lorbeerwälder treffen auf steile Hänge, die sich wiederum in tiefen Schluchten verlieren. Dazwischen viel Grün und hier und da hinein gesprenkelte Bergdörfchen. Ein Wanderparadies!

Ich greife eine Wanderkarte ab, werfe einen kurzen Blick vom Aussichtspunkt Mirador Cruz del Carmen auf die Umgebung zu meinen Füßen, …

Fernblick

… bestaune das außergewöhnliche Kunstwerk auf dem Gelände des Besucherzentrums …

Buntkäfer

… und mache mich dann auf den Weg mit der Nummer 10, der mich nach Carboneras mit optionalem Abstecher nach Chinamada führt. Von hier aus starten noch etliche andere Wege, sodass sich die Meute um mich herum erfreulich schnell in alle Richtungen zerstreut.

Auf der Wanderkarte wird der Weg als mittelschwer eingestuft. Unterwegs auf der Strecke bin ich froh mit meinen Wanderstöcken! Es geht für meine Verhältnisse schon ordentlich auf und ab, die Wegbeschaffenheit ist teilweise steinig bis geröllig. Aber die Strecke ist wirklich toll. Und die Aussichten erst recht! Die angenehmen Temperaturen hier oben spielen auch mit.

Perfekt
Wohin des Weges?
Faltig
Blumig
Stachelohr
Ausladend
Wandern mit Aussicht

Am Nachmittag erreiche ich Carboneras, hier aus der Ferne vor der beeindruckenden Bergkulisse zu sehen. Am Ortseingang erwartet mich ein stacheliges Empfangskomitee 😎.

Der Gipfel
Empfangskomitee

Ich schaue mich ein wenig in dem reizenden Dörfchen mit den tollen Aussichten um und widme mich dann meinem späten, aber leckeren Mittagessen im Dorfgasthof. Nun wird es Zeit für die Rückfahrt. An der Bushaltestelle nutze ich die Wartezeit auf den Bus für ein kurzweiliges Gespräch mit einem Paar aus London. Letztendlich kommt der Bus eine halbe Stunde zu spät. Doch der Glücklichen schlägt ja bekanntlich keine Stunde!

Die Busstrecke zurück nach La Laguna führt nicht über den kürzesten Weg, sondern fährt einen planmäßigen Abstecher über Taborno. Dort bereue ich, heute nicht mehr genügend Zeit im Gepäck zu haben. Denn von dort aus bietet sich eine geniale Aussicht auf Nordküste 😍! So bleibt mir nur ein Handy-Foto durchs Busfenster. Fürs nächste Mal steht Taborno aber definitiv auf der Liste!

Glänzende Aussichten

Weiter geht’s. In La Laguna steige ich in die Tram, die mich zurück nach Santa Cruz bringt. Den Abend verbringe ich auf … na, ihr wisst schon 😎. Jedenfalls habe ich mir den Feierabend heute mehr als redlich verdient.

4 Gedanken zu “Teneriffa – Teresitas, La Laguna und Anaga

  1. Was mir an deinen Beiträgen gefällt ist die „Durchforstung“ deines Urlaubszieles ! Immer auf Achse und soviel wie möglich Eindrücke ect. mit zunehmen. Denke du bereitest dich immer sehr gut vor und das ist auch gut so. Nur am Strand liegen kann man mal machen, aber was erkunden ist genauso wichtig !!

    Gefällt 1 Person

    1. Danke Manni! So ein Kommentar erfreut mich ganz besonders. Es ist tatsächlich so, dass ich mich ziemlich intensiv mit den Orten, an denen ich jeweils bin, auseinandersetze. Ich hocke auch mal ganz gerne am Strand. Aber lange halte ich das selten aus 😎.

      Gefällt 1 Person

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