4. – 5. Februar 2022

An einem Freitag Anfang Februar 2022 trete ich die Flucht an. Gefühlt unendlich lange Wochen und Monate feuchtkaltes Dauernieselgrau haben mich fertiggemacht, mental in die Knie gezwungen. Mit niedrigen Temperaturen kann ich umgehen. Aber ein gewisses Quantum Tageslicht und Sonne brauche ich schon. Nichts wie weg aus der Berliner Tristesse!

Es geht sehr früh los. Abflug ist um 7:20 Uhr an Gate A1 auf dem Sitz 1A. Einfach ist immer gut zu einer solchen Uhrzeit 😁. Der Flug nach Teneriffa dauert fünf Stunden und 20 Minuten. Deshalb habe ich mir einen Platz mit mehr Beinfreiheit gegönnt. Dazu gesellt sich dann der glückliche Umstand, dass der Mittelplatz in meiner Dreierreihe frei bleibt.

Platz da!

Pünktlich los, pünktlich da. Meine Uhr vollzieht eine Stunde Zeitverschiebung. Der Anflug auf Teneriffa ist großartig! Ziemlich genau in der Mitte der Insel erhebt sich majestätisch ein perfekt geformter Kegel. Spaniens höchster Berg, der rund 3.700 Meter hohe Teide, dient den Piloten als Wegmarke und den Besuchern als Sehnsuchtsziel.

Hinaus aus dem Flieger. Das Gepäckband spuckt meinen Koffer aus. Auf in den nächsten Bus nach Puerto de la Cruz. Die ersten Kilometer an Land ernüchtern. Vom im Süden der Insel gelegenen Flughafen aus geht es durch eine weitgehend versteppte Landschaft, vorbei an gesichtslosen Urbanisationen und Gewerbegebieten.

Im südlichen Teil der Insel liegen auch die meisten Feriensiedlungen der Insel. Gewachsene Orte gibt es hier kaum. Die Infrastruktur ist fast ausschließlich auf den Tourismus ausgelegt. Die Gegend ist flach, die Strände endlos, die Sonnengarantie hoch. Wer unter Urlaub versteht, am Hotelpool oder am Strand zu liegen und mit All-Inclusive rundum versorgt zu sein, ist hier richtig. Jedem das Seine! Meins ist es nicht.

Und genau deshalb habe ich mich für den nördlichen Teil der Insel entschieden. Das Wetter ist dort nicht ganz so stabil sonnig wie im Süden. Etwas kühler ist es auch. Doch dafür wartet dort eine grandiose Landschaft auf mich.

Ein paar Worte zu Teneriffa. So viel Zeit muss sein. 1.300 Kilometer trennen die mit rund 2.000 Quadratkilometern größte Insel der Kanaren vom spanischen Festland. Afrikas Küste hingegen ist nur 300 Kilometer entfernt. Teneriffa beeindruckt durch seine Kontraste. Tolle Strände, schroffe Küsten, tiefe Schluchten, dichte Wälder, karges, ödes Land – und mittendrin eine beeindruckende Vulkanlandschaft. 350 Kilometer Küste hat die Insel zu bieten.

Etwas weniger als eine Million Menschen leben hier – weniger als beispielsweise in Köln. Wie die anderen sechs Kanarischen Inseln ist Teneriffa ein Ganzjahresziel, berühmt für den ewigen Frühling. Im Sommer wagt sich das Thermometer nur selten über 30 Grad, im Winter fällt es kaum unter 20 Grad. Meine Zukunft als Rentnerin sehe ich durchaus hier! Zumindest im europäischen Winter.

Ankunft in Puerto de la Cruz. Meine Unterkunft liegt etwas außerhalb der Innenstadt, genauer gesagt im höher gelegenen Stadtteil La Paz. Ich brauche etwa 15 Minuten, um zu Fuß ins Zentrum zu gelangen. Hinunter lasse ich mich einfach rollen. Hinauf wird es etwas sportlicher und dauert ein paar Minütchen länger 😅.

Mein Hotel gefällt mir sehr! Ich inspiziere mein Zimmer, den Balkon, die tolle Aussicht und die Dachterrasse mit angeschlossenem Restaurant. Hier lässt es sich für ein paar Tage aushalten.

Meine Bude
Lieblingsplatz
Mein Vorgarten
Dem Himmel so nah

Nun treibt mich die Neugier hinaus. Draußen erwarten mich schwül-warme 23 Grad und eine florale Farbenpracht, die in der Wahrnehmung meiner vom trüben, fahlen Winter entwöhnten Augen fast zu explodieren scheint. Selten hat mich ein Haufen Blüten so glücklich gemacht 😎.

Farbe!

Ich laufe hinunter in den Ort und drehe eine kleine Runde. Mein erster Eindruck: Puerto de la Cruz ist nur in Teilen schön. Die kleine Altstadt ist schnuckelig, doch insgesamt dominieren schmucklose 70er-Jahre-Bauten.

Schmucklos

Aber die Lage an der Nordwestküste der Insel ist klasse! Und als Startpunkt für Ausflüge eignet sich der Ort auch sehr gut für Reisende, die ohne Auto unterwegs sein möchten. Natürlich werde ich mir das Städtchen an einem der nächsten Tage aber noch einmal in Ruhe ansehen.

Auf dem Weg zurück zum Hotel bemerke ich nicht nur schöne Schattenspiele an Häuserfassaden, …

Gewedelt

… sondern auch zahlreiche Spuren Agatha Christies, die mir den Aufstieg hoch nach La Paz versüßen. Treppen und Sitzmöbel sind mit mörderischen Spuren übersät. Was es damit genau auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen.

Gesammelte Werke
Am Tatort
Abgestuft

Zuhause angelangt, verbringe ich den Rest des Tages auf meinem Balkon, lese, genieße die Aussicht und schaue zu, wie die Sonne den Rückzug antritt, um der Dunkelheit Platz zu machen. Dann falle ich in seligen Schlummer.

Trotz oder gerade wegen des Meeresgetöses direkt vor meinen Gemächern habe ich den komatösen Schlaf der mehr oder minder Gerechten geschlafen. Gut erholt mache ich mich gleich nach dem Frühstück auf zu einem kleinen Erkundungsgang in der direkten Umgebung. La Paz wirkt am frühen Morgen wie ausgestorben. So kann ich in aller Ruhe meine Runde drehen. Die Sonne lässt sich blicken bei 18 Grad. Später erwarten mich 23 Grad. Perfekt !

Ich laufe anschließend hinunter ins Zentrum und kümmere mich um ein Busticket. Das funktioniert hier so: Man ersteht ein elektronisches Ticket und lädt es im nächsten Shop mit einem beliebigen Betrag auf. Beim Einsteigen in den Bus checkt man an einem der Lesegeräte neben den Türen ein und beim Aussteigen wieder aus. Erst dann wird der Fahrpreis berechnet und von der Karte abgebucht.

Vergisst man das Auschecken, wird der Fahrpreis für die gesamte Busstrecke bis zur Endstation berechnet. Doch auch das ist kein Drama, da die Preise überschaubar sind. Am Ende meines etwas über eine Woche dauernden Aufenthalts auf Teneriffa werde ich insgesamt nur rund 30 Euro für Busfahrten ausgegeben haben.

Am Zentralen Busbahnhof steige ich in die Linie 363, die mich über alle erdenklichen Dörfer bis nach Garachico kutschiert. Der Bus braucht 75 Minuten für eine Strecke, die, nähme man den kürzesten Weg, nur 28 Kilometer lang wäre. Aber so sieht man wenigstens was vom Land, inklusive Lokalkolorit im Bus. Schließlich bin ich genau deswegen hier 😎.

Ankunft in Garachico. Es soll eine der schönsten Ortschaften der Insel sein. Nach dem Besuch hier glaube ich das gerne! Tolle Natur, schöne Architektur, Kopfsteinpflaster, lauschige Plätze, Klöster, Kirchen, Lorbeerbäume und eine sehr entspannte Atmosphäre überzeugen mich im Handumdrehen von diesem kleinen Örtchen. Fast mutet es wie eine Zeitreise an, wenn man durch die Gassen schlendert.

Die einmalige Lage auf einer fast runden Landzunge zwischen der Lavaküste auf der einen und fast 1.000 Meter hohen Steilwänden auf der anderen Seite tut ihr übriges dazu. Der fehlende Sandstrand bewahrte Garachico zudem vor einer Karriere als Zentrum des Massentourismus.

Mein Weg führt mich als erstes zu den Naturpools inmitten der erkalteten Lavamassen. Wieso habe ich eigentlich kein Badezeug dabei? Andere waren da schlauer!

Pack die Badehose ein!
Umrandet
Gemischtes Doppel

Nach dem Mittagessen in diesem schönen Lokal mit Aussicht …

Abgeschirmt

… schlendere ich noch ein wenig weiter am Wasser entlang, bis ich das Ende des kleinen Ortes erreiche. Der kurze Weg lohnt sich und bietet einiges fürs Auge.

Lampenfieber
Bäuerlich

Eingerahmt
Ruinös
Von der Stange
Himmelwärts

Nun ist das Örtchen selbst dran. Im Zeitlupentempo lasse ich mich treiben, schaue hier, trinke da, schlecke dort ein Eis. Und so vergeht ein angenehm gemächlicher Nachmittag.

Wo ist Werner?
Sonnengelb
Geklammert
Auf Wanderschaft

Am späteren Nachmittag geht es wieder mit dem Bus zurück nach Puerto de la Cruz. Im Hotel angekommen, lockt mich gleich der großzügige Pool in seine geheizten Fluten. Als ich mich hinein stürze, setzt bereits die Dämmerung ein. Draußen fällt das Thermometer unter die 20-Grad-Marke. Ich habe den Pool ganz für mich alleine. Was für ein Luxus! Der Rest der Welt sitzt vermutlich bereits beim Abendessen. Mir soll es recht sein.

Nach einer ausgiebigen Schwimmrunde läute ich auf meinem Balkon den Feierabend ein. Schön gemütlich war es heute! Morgen ist mehr Action angesagt 😎.

Bahnen ziehen

16 Gedanken zu “Teneriffa – Auf Wolke Sieben

  1. Woah, grandiose Bilder und toll geschrieben ! Ich bekomme auch gleich wieder Lust auf Teneriffa! In der Nähe von Garachico war ich vor ein paar Jahren auch schon mal. Da hatte ich für abends ein kleines Stammlokal mit reichlich Zitronenlikör als Absacker. Herrlich! Hach …

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  2. schön wieder das südliche Spanische…obwohl Afrika mit Marokko so nah. Kenne es nicht, nur Nordspanien, Malle und Ibiza, Formentera natürlich. Das ist ja eher ungewohnt alles so ohne Sandstrand zu sehen…fast wie Kroatien, aber super Farben, die Du da wieder eingefangen hast! LG…

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  3. Sehr schöner Post mit tollen Fotos. In Puerto de la Cruz waren wir vor ein paar Jahren im März. War allerdings ziemlich kalt und bewölkt und den Teide haben wir nur aus dem Flugzeug gesehen, schneebedeckt ! Wir sind viel gewandert, was sehr schön war. Freue mich auf deine weiteren Berichte.

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    1. Danke! Da habt ihr wettertechnisch ja nicht ganz so viel Glück gehabt. Im nördlichen Teil der Insel kann das halt passieren. Aber ihr scheint euren Aufenthalt ja dennoch genossen zu haben. Zum Wandern ist Teneriffa ein Paradies!

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    1. Ja, das Hotel,war wirklich klasse. Würde ich jederzeit wieder buchen. Den Namen hatte ich dir ja schon zukommen lassen. Für alle anderen bei Interesse jetzt auch hier: Hotel Atlantic Mirage Suites & SPA

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