13. – 14. November 2021

Theoretisch wollte ich den heutigen Vormittag noch für einen abschließenden Bummel durch Granadas zauberhafte Altstadt nutzen. Praktisch bin ich aber nicht so richtig fit.

Seit gestern Morgen zickt mein Magen. Mal mehr, mal weniger. Und so verkrümele ich mich nach einem freiwillig kargen Frühstück (ein Brötchen ohne Belag und ein Glas Tee) wieder ins Bettchen. Der Kamillentee, den ich mir im Zimmer bereiten kann, bewirkt in bestem Einvernehmen mit der Bettruhe und dem pflanzlichen Mittel, das Anita mir gestern Abend mitgegeben hat, eine deutliche Besserung. Und so checke ich gegen Mittag in passablem Zustand aus dem Hotel aus und laufe die mickrigen zwei Kilometer zu Fuß zum Bahnhof. Hoch lebe der Erfinder des Rollkoffers!

Wie gut, dass ich rechtzeitig losmarschiert und bereits 25 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof bin. Denn dort erwartet mich eine riesige Schlange vor dem Sicherheits-Check. Ja, hier geht es auf den Bahnhöfen zu wie bei uns nur am Flughafen. Jedes Gepäckstück wird durchleuchtet. Da dies meine erste Zugfahrt überhaupt in Spanien sein wird, wusste ich das gar nicht. Solltet ihr also jemals in die Verlegenheit kommen, in Spanien einen Zug zu besteigen, verkneift es euch tunlichst, lässig auf den letzten Drücker angeschlurft zu kommen. Das könnte in die Hose gehen.

Die nächste Kontrollinstanz lauert am Anfang des Bahnsteigs von Granadas Kopfbahnhof in Form eines Kontrollhäuschens. Die beiden darin sitzenden Mitarbeiter von Renfe, der spanischen Antwort auf die Deutsche Bahn, kontrollieren bei jedem Fahrgast, der den Bahnsteig betritt, sowohl die Fahrkarte als auch den Personalausweis. Dessen Nummer musste ich auch schon heute morgen beim Kauf des Online-Tickets angeben.

Nach einer eineinhalbstündigen, sehr angenehmen Zugfahrt lande ich in Córdoba. Die mit knapp 325.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Andalusiens ist nicht nur wegen der Mezquita – einem kuriosen Mix aus Moschee und Kathedrale – berühmt und beliebt, sondern auch wegen ihrer zahlreichen, blumengeschmückten Patios innerhalb der traumhaft schönen Altstadt.

Üppige orientalische Gärten mit saftigen Orangen und Granatäpfeln, weißgetünchte Gassen und maurische Prachtbauten sorgen dafür, dass die Besucher zu keinem Moment vergessen, dass in dieser Stadt wie in kaum einer anderen morgenländische und abendländische Kultur aufeinandertreffen. Römer, arabische Kalifen und nicht zuletzt das katholische Königreich haben ihre Spuren in den Mauern und der Lebensart Córdobas hinterlassen. 

Zu Fuß bewältige ich die eineinhalb Kilometer zu meinem Hotel, das mitten in der Altstadt liegt. Da ich um ein ruhiges Zimmer gebeten habe und das Hotel nur mäßig belegt ist, bekomme ich ein wunderschön im Erdgeschoss gelegenes kleines Zimmer mit einem kleinen Innenhof. An der Rezeption hieß es, ich hätte ihn für mich alleine. Doch wie sich herausstellt, habe ich einen Mitbewohner, der mich wie einen Eindringling behandelt 😅. Pechschwarz hockt er auf dem Fenstersims und starrt mich an. Tja, mein Lieber, an mich wirste dich wohl für zwei Tage gewöhnen müssen!

Was willst DU denn hier?

Dann mache ich mich auf zu einem ersten Rundgang durch die Altstadt. Mit 22 Grad ist es an diesem fortgeschrittenen Nachmittag deutlich wärmer als in Granada. Und mindestens genauso gut besucht an diesem Tag Mitte November. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es hier während der Hauptsaison zugehen mag 😅. Der Wochenendeffekt – heute ist Samstag – schlägt aber vermutlich auch noch mal zahlenmäßig zu Buche.

Dennoch genieße ich das sommerliche Flair. Denn trotz der zahlreichen Flaneure ist die Atmosphäre entspannt und heiter ohne jeglichen Anflug von Hektik. Anschließend lege ich einen kurzen Stopp beim nächsten Supermarkt ein, bevor ich im Hotel den mit was auch immer verdienten Feierabend einläute. Trotz latenter Schwundigkeit habe ich mich heute wacker gehalten und bin wieder weitgehend fit.

Am nächsten Morgen wache ich gut ausgeschlafen auf. Mein obligatorischer erster Blick auf die Wetter-App zeigt mir, dass mich auch hier große Temperaturunterschiede im Laufe des Tages erwarten.

Kalt und warm

Nach dem Frühstück mache ich mich sofort auf den Weg zur Mezquita. Mit dem heutigen Sonntag habe ich diesbezüglich einen Glücksgriff getan. Ist es doch der einzige Tag der Woche, an dem sie schon am frühen Morgen geöffnet ist. Und da schläft die Masse der Besucher offenbar noch. Das will ich ausnutzen! Bereits gestern Abend habe ich mir ein Online-Ticket für 8:30 Uhr unter den Nagel gerissen.

Schon auf meinem kurzen Weg dorthin verwöhnt Córdoba mich mit satt strahlenden Morgenlicht und gähnender Leere in den Gassen.

Goldig

Und dann bin ich drin und muss dieses Juwel mit nur einer Handvoll weiterer Besucher teilen. Mehr als 1.200 Jahre hat die Mesquita auf dem sehenswerten Buckel. Herzstück der Stadt, Weltkulturerbe, größte Moschee der Welt, und mittendrin beherbergt sie gleich noch eine komplette Kathedrale. Schon nach den ersten Schritten durch den fast märchenhaften Säulenwald der kühlen, dunklen Moschee bin ich total überwältigt. Die Architektur! Die Atmosphäre! Die Stille! Die Leere!

Auf Säulen
Katholenpracht
In voller Schönheit
Ornamental
Augenweide

Ich bekomme noch jetzt, beim Schreiben dieses Berichts mehr als vier Monate nach meiner Reise, eine Gänsehaut. Und sehe einmal großzügig darüber hinweg, dass es natürlich grundsätzlich ein unfassbarer Frevel war, Teile dieser fantastischen Moschee abzureißen und einfach eine Katholikenbude (verzeiht mir meine saloppe Ausdrucksweise) mitten hinein zu bauen!

Gerne wäre ich dem Turm im Gelände der Mesquita aufs Dach gestiegen, um den wohl phänomenalen Blick über die Altstadt zu genießen. Doch seit einer Weile schon ist er geschlossen. Nun, dann eben beim nächsten Besuch.

Aussichtslos

Noch immer auf Wolke Sieben, lasse ich mich später durch die Gassen treiben. Was für ein Traum von einer Stadt! Das weiß der Rest der Welt aber auch – und treibt sich gefühlt vollständig hier herum 😎. Doch das trübt mein Vergnügen in keinster Weise. Und jetzt wollt ihr sicher sehen, was Córdoba alles drauf hat, oder? Na dann los!

Lichtgestalt
Angeeckt
Brücke mit Mezquita
Das blaue Band
Im Blumengässchen
Kugelhagel
Haus und Häuschen
Lastenfrei
Wo ist Paulchen?
Stoßgebet
Im Galopp
Sonntagsstaat

Ein kurzer Blick auf die Uhr. Ui, nun wird es aber Zeit, dass ich spontan mein Glück am Alcácer de los Reyes Cristianos versuche! Denn gestern Abend bin ich online gescheitert, heute ist nur bis 14:45 Uhr geöffnet und am morgigen Montag komplett geschlossen. Doch auch vor Ort ist nichts zu machen. Ausverkauft! Kein Ticket für mich. Córdoba will wohl unbedingt, dass ich noch einmal herkomme 😎. Begnüge ich mich eben mit einem wohlwollenden Blick von außen auf die Burg der christlichen Könige, die auf den Überresten des Kalifenpalastes errichtet wurde.

Kein Einlass
Mit Zitronen gehandelt
Abgeschottet

In dem Viertel dahinter gibt es besonders viele der berühmten Patios. Sie sind mehr als nur Räume ohne Dach. Sie fungieren als offenes Wohnzimmer und Treffpunkt der Familie. In einem jedes Jahr im Mai durchgeführten Wettbewerb überbieten sich die Anwohner damit, wer den Schönsten hat. Und in der Tat sind da etliche Schmuckstücke dabei.

Blaumachen

Der Tag schreitet voran, mein Hunger meldet sich. Ich begebe mich auf die letztendlich vergebliche Suche nach einem freien Plätzchen in einem der unzähligen Restaurants. Da geht nichts ohne Reservierung an diesem Sonntagnachmittag!

Immer höflich bleiben!

Mit letzter Kraft umrunde ich auf den letzten Metern die Stadtmauer …

Von Zinnen
Ins Wasser gefallen

… und komme zum Glück dann letztendlich im Patio des Bistro-Restaurants meines Hotels unter. So bin ich dem Hungertod doch noch knapp entronnen.

Nach einer kurzen Siesta auf der sonnenbeschienenen Dachterrasse des Hotels schaue ich kurz in meinem Patio vorbei, um ein paar Orangen zu ernten. Mein Mitbewohner hat sich Verstärkung geholt! Jetzt starren sie mich zu zweit an 😅.

Erntezeit

Am späten Nachmittag laufe ich wieder hinunter zur Brücke ‚Puente Romano‘ und gebe mich einer ausgedehnten Fotosession und der tollen Abendstimmung hin. Hier bleibe ich bis zum Einbruch der Dunkelheit. Weil es mir hier so gut geht. Weil es so schön ist. Was! Für! Ein! Licht! Was! Für! Eine! Stadt!

Brückenschlag
Verhangen
Katzenjammer

19 Gedanken zu “Córdoba – Du Schöne!

  1. Ich war wohl nur viel zu kurz in Cordoba. Die Mezquita fand ich toll, die fließenden Übergänge vom maurischen ins christliche und umgekehrt! Aber die ganzen anderen Schönheiten blieben unentdeckt. Ich erinnere mich nur an jede Menge Tourirummel rund um die Mezquita…

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    1. Ja, da warst du vielleicht wirklich nicht lange genug da, um dem sehenswerten Rest der Stadt eine Chance zu geben. Die unmittelbare Umgebung der Mezquita ist in der Tat sehr rummelig. Aber schon zwei, drei Gässchen weiter geht es entspannter zu. Die meisten Besucher machen halt – wie du vermutlich auch – nur einen Stopp für ein paar Stunden, um die Mezquita und ggf. den Alcázar zu besuchen. Zu mehr reicht dann die Zeit oft nicht mehr. Ich kann dir nur raten, der Stadt noch mal eine Chance zu geben, falls es dich eines Tages wieder in die Gegend verschlagen sollte.

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    1. Ja, ich hätte ehrlich gesagt auch mit weniger Andrang gerechnet. Auffallend war, dass fast nur spanische Touristen unterwegs waren. Und natürlich schlug in meinem Fall auch zu Buche, dass ich das Wochenende erwischt hatte. Als ich am Montagmorgen vor meiner Weiterfahrt nach Sevilla noch eine Runde durch die Stadt drehte, war es deutlich leerer. Ja, mein einsamer Besuch am frühen Sonntagmorgen war in der Tat etwas ganz Besonderes. Mir ging es wie euch: es verschlug mir die Sprache! Ich muss gestehen, dass ich (sonst vom Typ her eher so gar nicht rührselig 😅) Tränen in den Augen hatte, so überwältigt war ich von der Schönheit und der Atmosphäre in der Moschee.

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  2. Kamillentee wirkt manchmal doch !!!!
    Das Koffer am Bahnhof kontrolliert werden ist für mich völlig neu, das hätte ich auch nicht gewusst !
    Tolle Reise die du hier in Andalusien gemacht hast. Super gut erklärt und untermalt mit sehr schönen Fotos. Da könnte man richtig Lust bekommen !! Katzenjammer und Blumengässchen meine Favoriten !

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    1. Vielen lieben Dank, Manni! Meine Reise durch Andalusien hat mir wahnsinnig viel Freude bereitet. Vielleicht kriege ich dich ja tatsächlich noch dazu, dass du eines Tages mal in der Ecke dort vorbeischaust 😎. Es würde dir bestimmt gut gefallen.

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  3. Seufz…Seufz… so ein schönes Städtchen und die sehr beeindruckende Mezquita. dieses Gebäude hat mich auf unserer Andalusienreise am meisten beeindruckt! Ich werde sicher noch oft dort hinreisen!

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