Während Berlin Mitte Juni bei 36 Grad ordentlich schwitzt, ist mir heute ein angenehm milder Tag mit 27 Grand vergönnt. Mal gewährt die Sonne den Wolken den Vortritt, mal ist es umgekehrt. Ein perfekter Tag, um der Hauptstadt des Baskenlandes meine Aufwartung zu machen.

Falls ihr bisher noch nie etwas von Vitoria-Gasteiz gehört habt, so seid beruhigt: ich bis kurz vor Beginn meiner Reise auch nicht! Meine Freundin Liane hat mir, als sie von meinen baskischen Reiseplänen erfuhr, sofort ans Herz gelegt, diesem Städtchen einen Besuch abzustatten. Ansonsten wäre es mir wohl durch die Lappen gegangen. Was absolut schade gewesen wäre!

Vitoria-Gasteiz ist eine recht alte Stadt. Sie erblickte gegen Ende des 12. Jahrhunderts das Licht der Welt. Ihre Karriere als Hauptstadt des Baskenlandes indes währt im Vergleich dazu noch nicht allzu lange. Erst 1980 wurde sie Regierungs- und Parlamentssitz. Heute leben in dieser quirligen, lebensfrohen Universitätsstadt rund 250.000 Menschen.

Von Bilbao aus fahren regelmäßig Busse in die Hauptstadt. Am frühen Morgen verschwinde ich in dem gewaltigen Bauch des großen, unterirdischen Busbahnhofs nahe des Fußballstadions. Innerhalb einer Stunde flitzt der Bus auf direktem Weg über die Autobahn nach Vitoria. Dort angekommen, bringt mich die Tram bis an den Rand der Altstadt.

Jetzt ist es an der Zeit für ein Geständnis. Ich bin null vorbereitet auf diese Stadt, dafür aber fest entschlossen, mich planlos treiben zu lassen. All die schönen Plätze, Kirchen, Paläste, Häuser, Museen, die lauschigen Cafés und Restaurants sollen mir als Kulisse dienen und mich in Schönheit, Wohlgefühl und Leichtigkeit schwelgen lassen. Alle Sinne auf Empfang gestellt und los!

Neo-Gotisches
Schräg drauf

Gestreift
Jetzt aber flott!
Zugespitzt

Schon nach wenigen Minuten nehme ich die lebhafte und gleichzeitig gechillte Atmosphäre wahr. Was den unwiderstehlichen Charme der Altstadt noch steigert, ist seine attraktive Hanglage, die eine angenehme Abwechslung in die Szenerie bringt. Wird es einmal für den Durchschnittsgeschmack allzu steil, ist auch schon eine Outdoor-Rolltreppe zur Stelle, die die Fußlahmen und Konditionsgeminderten komfortabel auf die nächste Ebene hievt.

Lass rollen!
Zugeschnürt

Brunnensturz

Abgerundet
Mauerstreifen

Die Kunst darf natürlich ebenfalls nicht zu kurz kommen. Und hier und da blitzt inmitten der Altstadt auch die Moderne durch.

Gute Aussichten
Black Box
Flower Power
Zeitgenössisch
Unter Hochspannung

Gegen Nachmittag setzt sich endgültig die Sonne durch. Mehr und mehr Livemusik mischt sich an diesem Samstag unter die Klangkulisse. Die Cafés, Kneipen und Restaurants füllen sich, die ganze Stadt scheint auf den Beinen, von überall klingt fröhliches Stimmengewirr. Vitoria-Gasteiz zeigt sich heute von seiner wohl besten Seite.

Was für ein hübsches und lebensfrohes Städtchen! Erstaunlicherweise kommt es mir auch noch recht untouristisch vor. Ich wage mich jetzt mal vor und nenne es einen Geheimtipp. Aber psst! Nicht weitersagen! Sonst fallen hier bald die Massen ein 😎.

Gassenhauer
Aufgestiegen

Im Kreuzgang
Da geht die Post ab!

Am Schluss meines Rundgangs bekomme ich tatsächlich in keinem einzigen Café mehr ein Plätzchen im Schatten! Und so ziehe ich mich mit einer Empanada auf die Faust auf eine vom üppigen Blattwerk der umstehenden Bäume abgeschirmte Parkbank zurück.

Auf der Rückfahrt mit dem Bus führt die Tour über die Dörfer. Das dauert mit rund eineinhalb Stunden etwas länger als die Hinfahrt, ist aber für eine Touristin wie mich vollkommen in Ordnung. Komme ich somit doch zusätzlich noch in den Genuss, zumindest durchs Fenster einen Einblick ins dörfliche Leben zu gewinnen.

Doch die zahlreichen Einheimischen um mich herum stöhnen bisweilen genervt vor sich hin, wenn es mal wieder etwas langsamer voran geht. Vermutlich ist es unter der Woche einfacher, eine schnelle Rückfahrt nach Bilbao zu bekommen. Die direkt hinter mir sitzende Dame nutzt jedoch die Zeit, um ihr großes Kommunikationsbedürfnis zu befriedigen. Während der 90-minütigen Fahrt führt sie sage und schreibe fünf Telefonate 😂! Und jeder Gesprächspartner muss sich in aller Ausführlichkeit anhören, dass sie im Zeitlupentempo über die Dörfer kutschiert wird. Ich hingegen genieße das unverhoffte Sightseeing und den Ausblick auf die Landschaft.

Am frühen Abend lande ich wieder in Bilbao. Siedend heiß fällt mir ein, dass noch zwei Gebäude darauf warten, etwas Aufmerksamkeit von mir zu bekommen. Da sie mehr oder weniger auf meinem Rückweg zum Hotel liegen, nehme ich sie fotografisch doch gleich noch mit.

Rotgerändert
Mut zur Lücke

Und zum EM-Spiel Deutschland versus Portugal schaffe ich es auch noch – gerade so zum Anpfiff. Was für ein schöner Tag!

9 Gedanken zu “Bilbao: Tag 6 – Auf in die Hauptstadt!

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