Heute steht mir der Sinn nach etwas Natur und Landleben. Raus aus der Stadt! Bis in den Nachmittag hinein serviert mir das Wetter heute einen Sonne-Wolken-Mix bei eigentlich angenehmen, aber dennoch etwas drückenden 25 Grad. Da kann eine frische Meeresbrise nicht schaden.

Nur wenige Kilometer trennen Bilbao von der Atlantikküste, genauer gesagt von der Bucht der Biskaya. Sie ist sogar mit der U-Bahn erreichbar! Vom U-Bahnhof Moyúa aus geht es in rund 40 Minuten zum Strand. Unten auf dem Bahnsteig bekomme ich erst gar nicht die Chance, mich selbst mit dem Ticketsystem auseinanderzusetzen. Denn kaum steuere ich den Automaten an, heftet sich ein galanter, älterer Herr an meine ahnungslosen Fersen und regelt alles für mich 😅. Nein, das war kein Mitarbeiter der örtlichen Verkehrsbetriebe, sondern einfach ein netter Fahrgast. Am Schluss lüpft er elegant seinen Hut zum Abschied und entschwindet in die entgegengesetzte Richtung. Was für ein Service!

Lust auf eine Landpartie mit mir? Na dann auf nach Getxo! An der Station Bidezabal steige ich aus und lasse mich etwa fünf Minuten lang bergab rollen. Und schon gerät der Strand von Arrigunaga in mein Blickfeld.

Eingebuchtet

Da es für eine Rast noch viel zu früh ist, laufe ich von dort aus gleich wieder weiter hoch in Richtung Steilküste. Schwupps, ist die Sonne schon wieder weg! Um kurz darauf wieder voll aufzudrehen.

Haltung bewahren

Vorbei an einer heute als Restaurant genutzten Mühle und einer ansehnlichen Festungsruine …

Wo ist Don Q.?
Ruiniert

… gehe ich weiter meiner Wege. Hier beginnt ein – leider weitgehend asphaltierter – stadtauswärts führender Weg oberhalb der Steilküste entlang. Hin und wieder aber finde ich naturbelassene „Auswege“ parallel zum Hauptweg. Dass sie vom gestrigen Dauerregen völlig aufgeweicht und matschig sind, macht mir nichts aus.

Hinter der nächsten Biegung wird es dann richtig schön! Ich liebe spektakuläre Steilküsten und kann mich kaum daran satt sehen. Und so komme ich auch nur schleppend voran, weil ich mehr stehe und staune, als einen Fuß vor den anderen zu setzen. Vielleicht könnt ihr es nachvollziehen.

Steile These

Ich könnte noch ewig weiterlaufen. Doch irgendwann drehe ich um und laufe den gleichen Weg wieder zurück in den Ort. Jetzt darf gerne eine Pause her!

Eimerweise

Anschließend folge ich weiter dem Küstenweg, nur dieses Mal in die andere Richtung, sprich stadteinwärts. Der ziemlich in die Länge gezogene Ort Getxo beginnt auf der rechten Uferseite des Nervión, unmittelbar vor dessen Mündung ins Meer. Stadtauswärts bietet er zwei ausgedehnte Strandzonen. Ich habe meine heutige Tour an dem am weitesten draußen gelegenen Strandabschnitt begonnen, das Feld quasi von hinten aufgerollt, und nähere mich nun Stück für Stück der Flussmündung.

Auf dem Weg dorthin begegnen mir unerwartete Situationskomik, …

An der Angel

… und ein ordentlicher Höhenunterschied zwischen dem oberen und dem unteren Küstenweg, den ich per Fahrstuhl überwinde.

Abwärts

Mein weiterer Weg führt mich am Strandabschnitt Ereaga vorbei. Und dann, am Abzweig zum Sporthafen, wird es nobel! Hier beginnt ‚The Big Villas Promenade‘, an der sich ein imposantes Herrenhaus an das nächste reiht. Zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte Bilbaos Oberschicht, was sie hatte. Und das war offenbar nicht wenig. Irgendwann höre ich auf, jedes sehenswerte Haus zu fotografieren. Es sind einfach zu viele! Hier meine Auswahl für euch, die mir wahrlich nicht leichtgefallen ist 😅.

Abgebogen

Trutzburg

Noch schöner wohnen

Der eigentliche Star der Gegend ist jedoch die Biskaya-Brücke (Puente Vizkaya), die am anderen Ende der Promenade den Nervión kurz vor seiner Mündung ins Meer überspannt. Das spektakuläre Industriedenkmal verbindet Getxo mit dem am linken Flussufer gelegenen Portugalete. Es handelt sich um die weltweit erste Schwebebrücke. Seit 1893 thront die fast zierliche anmutende Eisenbrücke auf zwei 61 Meter hohen Pfeilern. In 45 Metern Höhe sind die beiden Pfeiler durch einen Eisensteg verbunden, über den auch Fußgänger laufen können.

Metallverbindung

Untendrunter hängt eine Kabine, die zwischen beiden Ufern hin und her schwebt. Sie kann bis zu 200 Personen und bis zu sechs Autos transportieren. Konkret sieht das dann so aus:

Für überschaubare 45 Cent darf ich an Bord. Für einen PKW sind 1,65 Euro zu berappen. Nach 90 Sekunden ist der Spaß allerdings schon vorbei. Denn zwischen den beiden am Ufer stehenden Pfeilern liegen lediglich 160 Meter.

Für einen klitzekleinen Moment überlege ich tatsächlich, heute auch noch Portugalete mitzunehmen, wo ich doch gerade schon da bin. Denn hier gibt es auch noch ein, zwei schöne Strecken abzulaufen. Doch am Ende des Tages werde ich auch ohne dieses Zusatzprogramm schon eine Strecke von 16 Kilometern absolviert haben. Das reicht! Aber übermorgen – soviel sei verraten – ist ja auch noch ein Tag 😎.

Und so begnüge ich mich mit einem kurzen Blick an der Uferpromenade entlang, …

Jakob lässt grüßen

… nehme die bequeme Variante, um die ordentliche Steigung hoch zur nächsten U-Bahnstation zu erklimmen, …

Lass rollen!

… erfreue mich am Anblick der schicken Station, …

Im Tunnel

… und fahre zurück ins Hotel.

Zum frühen Abend hin zieht es sich draußen vor meinem Fenster von einer Minute auf die andere zu. Starkregen setzt ein, flankiert von einem ordentlichen Gewitter. Ja, beim Wetterwechsel ist es flott, das Baskenland!

12 Gedanken zu “Bilbao: Tag 5 – Landpartie nach Getxo

  1. das ist wieder mein Geschmack ! Grandiose Steilküsten, Strände und dann noch das neue und interessante. Hängebrücken-Fähren, Rolltreppen usw. . Das Bild mit der S-Bahn ( im Tunnel )
    super scharf und sehr gut gelungen. Na klar die Häuser dürfen nicht fehlen ! Noch schöner wohnen , wer würde sein Zuhausen gegen dieses nicht eintauschen ?
    Alles gut und von mir bekommst du 100 Punkte !!

    Gefällt 2 Personen

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