Mein heutiger Tag beginnt mit guten Aussichten. Ich deutete ja bereits an, dass meine hiesige Unterkunft mit einem echten Highlight punktet: eine Dachterrasse im achten Stock mit unschlagbarem Rundumblick über Palma! Ich nutze die Schlafmützigkeit der übrigen Hotelgäste und habe den genialen Aussichtspunkt am frühen Morgen ganz für mich alleine.

Gute Aussichten
Hochsitz

Wenig später sitze ich im Bus Nr. 4 und lasse mich gen Westen kutschieren. Eine Station weiter steigt ein älterer Herr ein, macht es sich auf einem der wenigen freien Sitze bequem, fingert an seinem antiquierten Radio herum, dreht die Lautstärke ordentlich hoch – und fragt dann die Umsitzenden höflich, ob ihnen sein Programm auch gefällt. Bei so viel Charme hat natürlich niemand was gegen die musikalische Untermalung mit Pop-Hits aus den 1980ern 😎.

Ansonsten verläuft die Fahrt stadtauswärts recht unspektakulär. Damit es nicht zu langweilig wird, serviere ich euch noch ein paar bisher verheimlichte Fakten zu Mallorca, die teils der Rubrik „Unnützes Wissen“ zuzuordnen sind. Wusstet ihr, dass etwas mehr als 200 Menschen auf Mallorca leben, die älter als 100 Jahre sind – und darunter nur 37 Männer sind? Dass die beliebteste Insel der Balearen so groß ist wie das Saarland, Hamburg und Bremen zusammengenommen? Dass ihr hier doppelt so viele Sonnenstunden im Jahr erwarten könnt wie in Hamburg? Dass ihr euch in 3.800 Restaurants die vorher schlanken Bäuche vollschlagen könnt? Dass jeder Strandbesucher pro Tag etwa 30 Gramm Sand in Badehose, Bikini, Handtuch und Badeschlappen wegschleppt? Da kommen Tonnen zusammen!

Upps, schon da. Schnell raus aus dem Bus. Der Himmel gibt sich heute bedeckt und wolkig. Moderate 20 Grad versprechen einen angenehmen Tag. Mein erstes Ziel sind die Marivent Gärten. Dort will ich mich warmlaufen für den zweiten Programmpunkt und kann mich dort gleichzeitig der Königlichen Familie näher fühlen.

Mutterseelenallein flaniere ich durch den Sommergarten der mallorquinischen Sommerresidenz der spanischen Königsfamilie, tauche ein ins üppige Grün und erfreue mich an insgesamt 12 Bronzeskulpturen von Joan Miró. Erst seit 2017 ist die überschaubare, jedoch schöne Gartenanlage für die Öffentlichkeit zugänglich. Plump ausgedrückt könnte man sagen: es passte den Untertanen nicht, dass ihre Steuergelder für eine Parkanlage draufgehen, die nur zwei Mal pro Jahr von den Bewohnern des Palastes genutzt wird. Also: macht gefälligst die Pforten für alle auf, und zwar kostenlos! Und so geschah es. Nur wenn die Königsfamilie hier weilt, muss das gemeine Volk draußen bleiben.

Gartenkunst
Im Farbrausch
Profiliert

Wie gesagt: die Anlage, ist klein, aber fein. In etwa einer halben Stunde bin ich durch und laufe den Hügel weiter hinauf zur Stiftung Miró. Joan Miró, der starke persönliche Bezüge zu Mallorca hatte, bedachte die Insel großzügig mit einem Vermächtnis. Nach seinem Tod Mitte der 1980er Jahre veranlasste seine Frau den Bau der heutigen Stiftung. Allen an seiner Kunst Interessierten kann ich den Besuch nur wärmstens ans Herz legen!

Da ich gerade in besonderen Zeiten reise, komme ich in den Genuss, die Heiligen Hallen mit fast niemandem teilen zu müssen. Kommen mir zu Beginn ganze zwei Personen „in die Quere“, habe ich wenig später dann die ganzen Werke exklusiv für mich alleine. Welch eine Ehre!

An dieser Stelle lasse ich mich nicht näher zu Werdegang und Werk des berühmten Surrealisten aus. Es würde zu weit führen. Wer sich zumindest einen groben Überblick verschaffen möchte, wird hier fündig. Stattdessen lasse ich meine Fotos von draußen und drinnen sprechen.

Überdacht
Aufgehalst
Kanisterkopf
Im Atelier

Gesättigt von so viel Kunst, begebe ich mich zu Fuß bergab zur nur wenige Hundert Meter entfernten Cala Mayor. Seit Beginn des hemmungslosen Massentourismus war diese gnadenlos zugebaute Bucht zu dieser Jahreszeit garantiert noch nie so leer!

Gähnende Leere

Im Surfcafé Kokomo nehme ich die Pole Position ganz außen ein und genieße dort mit viel Platz um mich herum die Musik des Meeres, das seine Wellen unaufhörlich gegen die Felsen platschen lässt. In meiner Umgebung höre ich nur Spanisch, was mir das Gefühl gibt, ich sei die einzige ausländische Besucherin weit und breit.

Es bleibt beschaulich, bis zwei Spanierinnen mit Dackel Bruno auftauchen und sich neben mir niederlassen. Bruno hasst offenbar Männer und Kinder. Er verbellt alle, die sich auch nur annähernd in die Nähe wagen. Ich frage die Besitzerin, doch die beteuert, sonst sei er eigentlich ganz friedlich. Wenigstens lässt er mich in Ruhe! Vermutlich ein Frauenversteher 😂. Genüsslich verzehre ich mein leckeres Avocado-Sandwich und meinen Orangensaft, …

Das leibliche Wohl

… bevor ich weiter meiner Wege ziehe. Der nächste Bus bringt mich zurück nach „downtown“ Palma, wo ich gleich in den nächsten Bus umsteige. Ich nehme hinter zwei sich angeregt unterhaltenden Damen Platz, die bald darauf Konkurrenz von zwei weiteren Damen gleich daneben bekommen und sich alsbald gegenseitig akustisch übertreffen. Was dabei herauskommt, kann man nur schwer beschreiben, aber umso besser aufnehmen! Taucht mit mir ein in diese beeindruckende Sprachgewalt und ignoriert den völlig irrelevanten optischen Teil des Ganzen (ich konnte ja schlecht die Kamera direkt auf die Protagonistinnen halten) 😎:

Mein nächstes Ziel ist der Strand der Ciudad Jardin, wo ich endgültig den gechillten Teil des Tages einläute. Ich registriere im Vorbeilaufen den durchaus gehobenen Wohnstandard der Gegend …,

Hinter Gittern

… gönne mir ein kühles Getränk im Strandcafé, flaniere ein wenig am einsamen Strand entlang und lasse mich dann im warmen Sand nieder. Dort betrachte ich eine ganze Weile entspannt und ganz in mich selbst versunken das Spiel des Wassers und der Wolken. Schön!

Dreigestreift
Abgeschirmt

Ach, wisst ihr was? Ich lade euch jetzt noch zu einer kurzen Entspannungs-Meditation ein. Lasst euch getrost einlullen! Es tut so gut, wenn mal nichts passiert und man nichts tut 🧘🏻.

Gemächlich laufe ich anschließend die Promenade entlang Richtung Palma. Es kommt ein ordentlicher Wind auf, der mich fast frösteln lässt trotz der immer noch 21 Grad. Dunkle Wolken drohen am Himmel. Doch es bleibt bei der Drohung.

Zugespitzt
Ausgemustert

Am späteren Nachmittag bringt mich der Bus zurück nach Palma. In der Deutschen Buchhandlung erstehe ich einen neuen Krimi und mache es mir im Hotel gemütlich. Was für ein schöner, relaxter Tag 👍!

33 Gedanken zu “Mallorca: Tag 4 – Kunst und Strand

        1. Ich vermute, das Geschnatter ist eine Art Automatismus, ähnlich dem Herzschlag oder dem Atmen. Das kann ich in Gesellschaft befreundeter, weiblicher Mitmenschen anhand von Selbststudien bestätigen. Das Denken ist ein separater, kognitiver Prozess… 😉

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          1. Und das wirklich faszinierende daran: ihr denkt dabei wirklich an… NICHTS. Das haben diverse von mir durchgeführten Befragungen („Schaatz… woran denkst du?“) ergeben… lach

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          2. Ach, wie schön! Jetzt habe ich hier auch einmal das, was ich mir schon lange wünsche: einen lebhaften, heiteren Austausch zwischen den Kommentatoren! Danke, Kasia und Marco.

            Ja, Kasia, zu dieser Erkenntnis bin ich mittlerweile auch gelangt. Sie antworten auf diese Frage nicht nur mit „Nichts“, da IST auch nichts 😂. Ich rede hier natürlich nur von dem Moment des meditativen Starrens 🙂!

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          3. Welches häufiger vorkommt als man meinen könnte… und manchmal sehen sie so tiefgründig dabei aus, die Jungs, dass man meinen könnte, sie sinnieren über den Sinn des Daseins nach. Fragst du dann allerdings nach, kommt oft sowas wie: „Ach, ich habe gerade darüber nachgedacht, dass ich mal was essen könnte…“ 🙂

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          4. Nö, nicht unbedingt… wenn mein Liebster mit so etwas antwortet wie: „Daran, dass ich dir gerne einen Kaffee machen/was schönes kochen würde, oder daran, wohin ich mit dir in den Urlaub fahren würde“, dann hat er alles richtig gemacht 😉 Flunkern, heißt das Zauberwort…

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          5. Sag ich doch: brandgefährliche Frage!
            Ihr erwartet von eurem Liebsten, dass er euch eine schöne Flunkerei serviert, aber wehe ihr ertappt ihn beim Lügen. Und die Wahrheit will frau auch nicht hören.
            Wie soll Mann da lebend wieder rauskommen?

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    1. Tja, das liegt vielleicht an dem fehlenden Beinchen des Y-Chromosoms bei euch Jungs 😂! Gemein, ich weiß 😜 …

      Freut mich, dass dir meine Bildunterschriften gefallen. Das ist der Part, der mir beim Verfassen der Berichte immer am schnellsten von der Hand geht.

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  1. Das spanische Temperament 🙂 Als wir damals irgendwo in Katalonien in einem schönen, kleinen Küstenort in einer Strandbar saßen, hatte ich auch die Gelegenheit, den Herren und ihrer Unterhaltung zu lauschen. Das hatte fast etwas musikalisches, wie sie sich scheinbar aufregten, ihre Stimmen anschwollen, bis das Geschnatter ihren lauten Höhepunkt erreichte und es ein paar Sekunden (niemals länger!) still war neben uns. Bis dann wieder einer mit einem neuen Thema anfing und man sich wieder fragte: streiten die? Diskutieren die? und dann merkte, dass am Nachbartisch alles in beste Ordnung ist, weil die Menschen ein Lächeln in den Gesichtern haben.

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    1. Schöne Geschichte 😎! Ich habe auch ein wenig gebraucht, bis ich kapiert habe, dass lautes, aufgeregtes, schnelles Reden nicht zwangsläufig was mit Streiten zu tun hat, nur weil es bei uns oft so ist. Und wenn man die Sprache nicht versteht, wird es umso schwieriger, die Situation zu beurteilen. In deinem Beispiel hat dich die Mimik vor einer falschen Interpretation bewahrt. Ich hatte sowas aber mal in einem Ferienappartment, wo ich naturgemäß nur die Akustik hatte. An manchen Abenden dachte ich: „Muss man da einschreiten, Hilfe oder Polizei holen? Wird die Situation eskalieren?“ Nein! Es war halt nur eine lebhafte Unterhaltung.

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  2. Die Aussticht von der Dachterrasse ist klasse! So etwas liebe ich ja auch, wie du weißt.😉 Die leeren Liegen am Strand sind schon sehr ungewöhnlich – immerhin ist das Mallorca! Crazy! Aber der Sommergarten hat auch was. Deine Leidenschaft für das schnelle aufgeregte Geschnatter teile ich allerdings nicht. Ich bin immer wahnsinnig genervt von sowas. Daher meide ich auch größere Gruppen Spanier und Italiener, wo es möglich ist.😅 Asiaten können das auch ziemlich gut.

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    1. Wir sollten mal einen gemeinsamen Dachterrassenbesuch in Berlin diesen Sommer einplanen 😎. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Neni? Dann kommst du endlich mal wieder in den Westteil der Stadt 😂. Ja, leere Liegen auf Malle – in der Tat schwer vorstellbar. Auch wenn es Mitte Mai und damit erst Vorsaison war, als ich dort war. Was das Geschnatter betrifft, so finde ich das auch nur für eine sehr begrenzte Zeit lustig! Zehn Minuten im Bus, wie auf Malle, war das amüsant. Aber gestern hatte ich das polnische Pendant sechs Stunden lang auf der Zugfahrt nach Warschau. Das hat mich fertiggemacht 😱!

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