Plötzlich Frühling! Wer weiß, wie lange dieses Intermezzo andauern wird? Eben. Also nichts wie raus mit mir an diesem sonnigen Mittwoch Ende Februar. Ich starte bei 12 Grad und werde gegen Mittag mit unglaublichen 20 Grad verwöhnt. So verrät es mir meine Wetter-App. Und sie sollte recht behalten.

Diese erfreulichen Aussichten schreien geradezu nach einem gemütlichen Chill-Out-Walk. Und so entscheide ich mich für einen Ausflug zum Schlosspark Babelsberg, der gut mit der S-Bahn zu erreichen ist. Ein knapper Kilometer trennt die S-Bahn-Station vom nächstgelegenen Parkeingang. Die ersten Meter führen mich entlang der Karl-Liebknecht-Straße. Dort empfängt mich mit dem Kulturhaus Babelsberg eine architektonische Augenweide, der meine Kamera nicht widerstehen kann.

Augenweide

A propos: was das Fotografieren bei meinen Wednesday Walks betrifft, so vollziehe ich ab heute eine Kehrtwende. Hatte ich bisher, um Platz und Gewicht zu sparen, nur die Kamera meines Mobiltelefons benutzt, so bin ich nun reumütig zu meiner „richtigen“ Kamera zurückgekehrt. Das Fotografieren macht mit ihr einfach mehr Spaß!

Damit es euch auf dem Weg zum Park nicht langweilig wird, serviere ich euch noch ein paar leicht verdauliche Fakten zu Babelsberg. Der größte Stadtteil Potsdams ist weit über die Grenzen der brandenburgischen Landeshauptstadt bekannt. Zum einen wegen des besagten Parks und des Schlosses, das sich in ihm befindet. Zum anderen steht Babelsberg als Synonym für die Medienstadt Babelsberg, in der das Studio Babelsberg, der Filmpark Babelsberg, die Studios des Rundfunks Berlin-Brandenburg, die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, die UFA und einige weitere Institutionen der Medienbranche angesiedelt sind. Das reicht euch nicht? Dann lest hier weiter.

Denn schon stehe ich vor dem Eingang des Parks. Um euch eine konkretere Vorstellung der Parkanlage zu vermitteln, zeige ich euch gleich zu Beginn einen Übersichtsplan. Ich starte meinen Rundgang am Eingang Mühlentor (mittig am linken Bildrand zu sehen).

Der Überblick

Auf den ersten Metern beschleicht mich ein bizarres Gefühl. Die Bäume, überhaupt die gesamte Pflanzenwelt, wirken noch winterkahl und blass. Die Luft aber riecht schon gewaltig nach Frühling! An diesem Vormittag sind schon ein paar Leute hier unterwegs, doch die überschaubare Menge verteilt sich angenehm über das ausladende Gelände.

Der Schlosspark Babelsberg wurde als Landschaftspark gestaltet und trägt unübersehbar die Handschriften von Peter Joseph Lenné und Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Seine malerische Lage am Havelufer, seine hügelige Beschaffenheit, die beeindruckenden Bauten innerhalb der Anlage und nicht zuletzt die spektakulären Aussichten machen diese Grünanlage zu etwas ganz Besonderem.

Die ansehnlichen Gebäude, mit denen der Schlosspark geradezu gespickt ist, erleichtern mir, die ich nicht ständig auf eine Karte schauen will, sowohl die Orientierung als auch den Ablauf (im wahrsten Sinne des Wortes 😎). Ich beginne mit einem kleinen Aufstieg hoch zum Hügel, auf dem es sich der Flatowturm gemütlich gemacht hat.

Getürmt

Ich mäandere weiter durch die Landschaft, schlage einen Haken nach rechts, überwinde noch ein paar Höhenmeter und stehe sodann vor der Siegessäule, die an den Sieg der Preußen über Österreich erinnert. Im Vergleich zu ihrer großen Berliner Schwester wirkt sie recht winzig, ist aber nichtsdestotrotz hübsch anzusehen. Deutlich interessanter jedoch erscheint mir die Aussicht von dort oben auf Potsdam.

Die kleine Schwester
Fernblick

Weiter geht’s, vorbei an wuchtigen Baumfüßen, deren Formen meine eh schon blühende Fantasie anregen.

Saurierkralle?

Wenig später lege ich am Schwarzen Meer, das hier auf dem Berg liegt, eine kleine Genusspause ein. Wer will mir das an diesem idyllischen Fleckchen schon verdenken?

Schwarzmeerküste

Und dann stehe ich kurz darauf vor dem wohl bekanntesten Bau des Parks: Schloss Babelsberg. Es hat euch bereits auf dem heutigen Titelfoto begrüßt. Einst diente es Kaiser Wilhelm I. und seiner holden Gattin als Sommersitz.

Märchenhaft
Hübsche Hütte

Um das Schloss herum tummelt sich allerlei Flora und Fauna, wenn auch noch etwas karg nach dem langen Winter.

Evergreen
Der Wächter

Von hier aus habe ich einen unschlagbaren Panoramablick auf die Glienicker Brücke, die ich euch hier bereits kurz vorgestellt hatte.

Brückenschlag

Etwas unterhalb der Schlossanlage entdecke ich das Dampfmaschinenhaus, das seinerzeit für die Bewässerungsanlagen gebaut wurde. Immer wieder beeindruckend, wie schmuckvoll früher auch solche „banalen“ Zweckbauten ausgestaltet wurden!

Unter Dampf

Mein weiterer Weg führt mich nun direkt am Ufer der Havel entlang. Welch ein Genuss, das entwöhnte Großstadtauge über diese Weite gleiten zu lassen! Schon bald gerät das Kleine Schloss in mein Blickfeld. Dieser vergleichsweise bescheidene Bau, früher ein Wohnhaus der Kategorie „Einfaches Gartenhaus“, wird seit einigen Jahren gastronomisch genutzt. Wie ihr an der Fassade erkennen könnt, hat es schon bessere Zeiten gesehen. Seit Januar 2021 wird es grundsaniert, was etwa drei Jahre in Anspruch nehmen wird.

Abgeblättert

Direkt gegenüber thront eine ausladende Trauerweide dekorativ am Ufer. Der spärlichen Bekleidung der beiden Radler, die sich in ihrer Nähe niedergelassen haben, könnt ihr ansehen, dass es mittlerweile schon recht ordentlich warm geworden ist.

Schattenspender

Den unverstellten Blick auf die Gerichtslaube muss ich mir mit einem neuerlichen kleinen Aufstieg erarbeiten. Das aparte Backsteingebäude entstand aus Teilen des im 19. Jahrhundert abgebauten alten Berliner Rathauses. Es wird heutzutage als Veranstaltungsort genutzt.

Erlaubt!

Hier auf der Lennéhöhe lässt es sich nicht nur trefflich Aussicht auf die Umgebung halten, sondern auch ein gepflegtes Mittagspäuschen einlegen. Puh, ist das warm geworden! Der dünne Strickpulli und die moderate Winterjacke waren heute morgen eine denkbar schlechte Wahl – mir fehlt wohl noch das Händchen für die ungewohnten Temperaturen. Schnell die Jacke zur Decke umfunktioniert und den Rucksack zum Kopfkissen umgewidmet!

Entspannt strecke meine Glieder auf dem Boden aus, bette mein Köpfchen auf den Rucksack, präsentiere mein Gesicht der Sonne – und nicke für ein halbes Stündchen selig ein 😀. Man muss die Sonne nehmen wie sie scheint! Vor allem, wenn man weiß, dass das kurze Frühlingsgastspiel schon übermorgen wieder vorbei sein wird.

Ah, das hat gut getan! Beschwingt laufe ich den Hügel hinab, vorbei am Matrosenhaus, …

Schiff ahoi!

… und weiter am Ufer der Havel entlang. Nach offenbar strengen Prinzipien gestutzte Bäume lassen mich kurz innehalten, denn sie sehen, so winternackt wie sie sind, schon fast wie Kunstwerke aus.

Gestutzt

Kurz verweile ich auch am Ufer des überschaubaren Kindermannsees, von dessen einstigem Wasserstand nur noch wenig übrig geblieben ist.

Trockenphase

Und schon stehe ich wieder am Eingang Mühlentor, wo heute morgen meine Tour begann. Schön war’s!

Zurück geht’s wieder mit der S-Bahn. Ich bin trotz der überschaubaren zehn Kilometer, die ich heute von Haustür zu Haustür zurückgelegt habe, hundemüde! Denn die ungewohnte Sonne hat nicht nur mein Gesicht mit einer leichten Röte überzogen, sondern auch für eine angenehme Mattigkeit gesorgt. Heute werde ich nicht alt 😅.

18 Gedanken zu “Wednesday Walks: 10 – Schlosspark Babelsberg

  1. Liebe Elke,
    ein toller Spaziergang.
    Micha und ich erforschten den Schlosspark Babelsberg 2015 nachdem er nach der Wiederherrstellung geöffnet wurde. Ich habe gerade wie eine Verrückte nach meinem Blogbeitrag dazu geforscht, ihn aber nicht gefunden. Nur in unserem Fotoarchiv sind die Fotos leicht zu finden. Da sieht man mal wieder, wie wichtig es ist, die richtigen Schlagworte zu vergeben.
    Wir werden heute unseren „Sunday-Walk“ vom S-Bahnhof Henningsdorf beginnen, warten aber noch, dass das Wetter besser wird.
    Einen schönen Sonntag von Susanne

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, der Schlosspark ist wirklich klasse. Du kennst ihn ja bestens. @Schlagworte: da bist du ja grundsätzlich schon sehr gut sortiert, auch wenn es in diesem Fall offenbar eine Lücke gibt. Ich selbst habe meine Fotos bisher überhaupt nicht verschlagwortet 🙈. Dabei wäre es, wie du richtig feststellst, absolut sinnvoll und wichtig …

      Wie war euer Sunday Walk in Hennigsdorf? Das Wetter hat sich ja ab mittags noch richtig zum Guten entwickelt.

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      1. Wir haben den Walk verschoben, denn es fing hier in Heiligensee an zu regnen, wir sind dann eine uns bekannte Strecke auf dem Mauerweg gegangen, dann in Richtung Hermsdorf abgebogen und neue Wege durch den Wald entdeckt. Ich muss mir mal angewöhnen, einen Tracker mitlaufen zu lassen, damit man die Tour dananch auf der Karte anschauen kann. Das würde mir gefallen. Hast du einen Tracker?
        Liebe Grüße von Susanne

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  2. Gleich auf dem Titelfoto dachte ich, das ist doch die Glienicker Brücke ! Und recht behalten ! Da haben wir uns glaub es vor kurzem ausgetauscht wie die Agenten damals !
    Sehr schöne Parkanlage und die kleinen Seen und Schlösschen seit ihr ja in der Gegend bestens versorgt ! Ja das fotografieren mit der Kamera hat sich gelohnt !!!
    ps: den Wächter finde ich super !!!

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    1. Ja, das dachte ich mir, dass du die Glienicker Brücke gleich erkennst. Eben weil wir, wie du so treffend festgestellt hast, uns erst kürzlich darüber ausgetauscht haben wie seinerzeit die Agenten 😀. Stimmt, die Parkanlage ist wirklich total schön und war es wert, dass ich ihretwegen die Kamera mitgeschleppt habe. Schön, dass dir der Wächter gefällt! Er hat was, gell?

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  3. So viele Backsteinbauten! Hin und wieder gibt es auch welche in unserer Gegend zu sehen, aber sie sind vergleichsweise rar gesät.
    Und bei euch blüht ja noch gar nichts 🙂 Vermutlich dauert es noch ein bisschen…

    Liebe Grüße
    Kasia

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      1. Ach ist schon recht 🙂 Das ist auch so, wenn ich mit meiner Mutter telefoniere (du weißt ja, Polen ist näher…). Ich so: „Mama, bei uns sind zwanzig Grad, wie ist es drüben?“ Meine Mutter so: „Ja, auch wärmer, zwölf Grad und bewölkt…“ Das Rhein-Neckar-Gebiet ist, glaube ich, am frühesten dran…

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  4. Danke für die Vorstellung von Babelsberg. Das liegt irgendwie bei Berlin, oder? Irgendwie lasen wir ‚mal von Filmstudios dort. Wir leben nicht in Deutschland, aber Fürst Pückler ist uns ein Begriff. Einen großen Landschaftsgarten von ihm in Muskau haben wir vor Jahren besucht. Der Schlosspark Babelsberg scheint uns auch sehenswert zu sein. Danke fürs Teilen.
    Herzliche Frühlingsgrüße vom kleinen Dorf am großen Meer
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    1. Ja, genau, Babelsberg, ein Stadtteil von Potsdam, liegt südwestlich von Berlin. Man fährt quasi mehr oder weniger nahtlos von einer Stadt in die nächste. Schön, dass dir der Schlosspark gefallen hat! Er ist auch wirklich ein außerordentliches Kleinod. Herzliche Grüße nach England!

      Gefällt 1 Person

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