Ab dem letzten Montag im August – sprich ab heute – muss im gesamten Kernbereich der Innenstadt auch draußen flächendeckend Maske getragen werden. Wer dagegen verstößt, verschlechtert sich finanziell um 135 EUR. Radfahrer und Jogger dürfen draußen weiterhin oben ohne unterwegs sein.

Ich habe prinzipiell keinerlei Widerstand dagegen, Maske zu tragen. Im Gegenteil. Ich finde es richtig und wichtig. Aber wenn ich mich draußen bewege, finde ich ungefilterte frische Luft doch wesentlich angenehmer. Insofern passt es, dass heute meine Abreise ansteht.

Da mein Rückflug erst am Nachmittag startet, kann ich noch den ganzen Vormittag in diesem schönen Städtchen verbringen. Bereits gestern hatte ich an der Hotelrezeption einen späteren Check Out vereinbart. Und so steht einem kleinen Rundgang ohne Zeitdruck nichts mehr im Wege. Wie es der Zufall so will (ehrlich!), liegen meine drei für heute angedachten Ziele allesamt außerhalb der Maskenzone und sind trotzdem schnell und bequem von meinem Hotel aus zu erreichen. Seht ihr den großen, grünen Bereich, der in der oberen Hälfte des Plans links an die blau umrandete Fläche grenzt? Genau dort und in den umliegenden Straßen im nicht markierten Teil des Stadtplans treibe ich mich heute herum.

Abgedeckt

Mein erster Anlaufpunkt hat sakralen Hintergrund. Der Basilique St.-Seurin, erbaut im 11. Jahrhundert als Bischofssitz, sagt man nach, dass hier die Hälfte der Gebeine des früheren Bischofs Severinus ihre letzte Ruhe fanden. Die andere Hälfte befände sich in Köln. Seriös konnte das bisher keine Forschung bestätigen. Doch lassen wir diese Überlieferung einfach mal so im Raum stehen. Jedenfalls ist das Gotteshaus sehr schön anzusehen!

Gott zu Diensten
Liebe zum Detail

Ich flaniere weiter durch die an diesem Montagvormittag noch recht stillen Gassen, vorbei an dieser eher ungewöhnlichen Variante einer Markthalle, …

Angeeckt

… zu meinem nächsten Programmpunkt. Jetzt wird es ruinös! Zum Brot gehören bekanntlich Spiele. Zumindest haben es die Römer so gehandhabt. Im antiken Burdigala – dem heutigen Bordeaux – gehörte es deshalb zum guten Ton, dass am Rande der Stadt, die auch Regierungssitz der Provinz Aquitania war, ein standesgemäßes Amphitheater für alle erbaut wurde. 15.000 Zuschauer fanden hier Platz. Reste dieser Arena stehen bis heute als Palais Gallien inmitten einer Häuserzeile, die teilweise aus Steinen des Römertheaters errichtet wurden. Das, was ich euch jetzt zeige, stammt aus dem späten 1. Jahrhundert n. Chr.! Da wird mir schon recht ehrfürchtig zumute. Euch auch?

Panem et circenses

Nur wenige Gehminuten trennen mich vom Zieleinlauf. Meine dritte und letzte Station für heute ist der Jardin Public. Ich passiere das Naturkundemuseum …

Spalier stehen
Hort der Bildung

… und betrete die zehn Hektar große Parkanlage, die sich als eine grüne Oase der Ruhe inmitten der Stadt entpuppt. Der ursprüngliche Zweck des Parks bestand darin, dem Adel und Geldadel exotische Pflanzen zu präsentieren, die die Seefahrer aus den Kolonien mitgebracht hatten. Doch die Revolution ging mit einer Änderung der Geisteshaltung einher. „A la française“ galt plötzlich als nicht mehr zeitgemäße Laune des Absolutismus. Her mit der Freiheit! Nutzung für alle! Der Park verwandelte sich in eine von alten Bäumen und weiten Flächen geprägte Landschaft nach englischem Vorbild. Blumen und Sträucher wurden teilweise durch eine riesige Rasenfläche im Zentrum des Parks ersetzt. Der Bürgerpark – so könnte man Jardin Public übersetzen – war „geboren“. Und so finden die heutigen Besucher eine typisch englische Gartenanlage vor, die nach geometrischen Gesichtspunkten geformt und mit Skulpturen gespickt ist. Ein dekorativer Wasserlauf fehlt auch nicht. Er versteckt sich unter der kleinen Brücke, die das heutige Titelbild ziert.

Lauffreudig
Vielen Dank für die Blumen!
Randsteine
Damenhaft

„Und wo ist die versprochene endlose Weite?“, werden sich jetzt manche von euch verwundert fragen. Nun, so schön der Anblick ist, wenn man vor Ort weilt: auf Fotos gibt es kaum Langweiligeres als eine endlose Rasenfläche! Auch wenn sie von alten Bäumen umzingelt ist. Glaubt mir einfach, dass es sie gibt, dass sie sehr einladend wirkt und dass ich den Aufenthalt im Park sehr genossen habe 😎.

Gegen Mittag schlendere ich zurück zum Hotel, packe meine Siebensachen und checke aus. Der Bus 1, der mich vor einer Woche in die Stadt kutschiert hat, bringt mich nun auch wieder zurück zum Flughafen. Dort geht alles flott und unspektakulär über die Bühne. Wie schon auf dem Hinflug ist vor und neben mir ausreichend „Sicherheitsabstand“ zu den Mitreisenden. Letzte Reihe Fensterplatz war eine gute Entscheidung!

Alleine …
… auf weiter Flur

Der Flieger landet nach einem ruhigen Flug ohne nennenswerte Ereignisse 20 Minuten früher als geplant in Schönefeld. Die gute, alte BVG bringt mich von dort aus nach Hause. Schön war’s in Bordeaux! Ich komme wieder. Versprochen!

2 Gedanken zu “Tag 8: Bordeaux – Alles im grünen Bereich

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