Am Samstagmorgen bleibt mir genügend Zeit für ein gemütliches Frühstück draußen auf der Terrasse des Cafés Barbarossa unten im Hotel, bevor ich mein Köfferchen gemütlich zum Bahnhof rolle. Dann heißt es Abschied nehmen von dieser schönen Stadt, in der ich mich sehr wohlgefühlt habe. Ich komme wieder. Ganz bestimmt!

Von meinem heutigen Ziel trennen mich nur rund 200 Kilometer. Mit dem Auto ein Klacks. Doch die Zugverbindung zwischen Regensburg und Berchtesgaden ist etwas aufwendiger. Ich muss zweimal umsteigen, und die letzte Verbindung besteht aus einem Busersatzverkehr, da die Bahnstrecke zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden zur Zeit saniert wird. Und wie sich später zeigen wird, ist keines meiner drei heutigen Verkehrsmittel klimatisiert. Dabei hätte das bei den 34 Grad, die mich heute erwarten, schon ganz gut gepasst 😎.

Mein erster Zug bringt mich bis Landshut. Es gibt nur Abteilwagen, die ich nicht sonderlich mag – bis zwei Minuten später „Traveller Roli“ einsteigt. Dieser ungewöhnliche Mitreisende ist ein interessanter Typ, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Der Dauerbahnfahrer aus Regensburg ist im „bürgerlichen“ Leben Krankenpfleger in Teilzeit. Seiner Reiselust frönt er unter anderem als Vorort-Organisator für einen Filmproduzenten, was ihn auch zum Vielflieger machte. Auf seinem YouTube-Kanal findet ihr Rezensionen über Hotels und Flüge. Ausführlichere Hotelrezensionen schreibt er für diverse Bewertungsplattformen. Kurz: ein gefundenes kommunikatives Fressen für mich. Wir reden über Gott und die Welt (vor allem über letztere), bevor diese viel zu kurze Fahrt endet.

Nun wird es hektisch. Mein Zug rollt verspätet in Landshut ein. Sechs Minuten Umsteigezeit verkürzen sich auf eine bis zwei Minuten. Im Zug wird durchgesagt, dass mein Anschluss auf Gleis 1 um 10:37 (RB Richtung Salzburg) wartet. Man möge aber dennoch zügig umsteigen. Ich hechte flott zu Gleis 1 und stürze in den dort stehenden Zug, der dann auch direkt abfährt. Puh, geschafft!

Nachdem der Zug eine Weile später den Bahnhof in Mühldorf, einer Umsteigestation verschiedener bayrischer Regionalzüge, verlassen hat, dringt eine scheppernde Lautsprecherdurchsage in mein Ohr. „Wir heißen die neu zugestiegenen Fahrgäste im Zug nach Rosenheim herzlich willkommen an Bord.“ Rosenheim? Moment mal! Liegt das nicht irgendwie in einer völlig anderen Richtung? Ein hektischer Blick auf die Übersichtskarte der bayrischen Regionalzüge bestätigt meine Befürchtung: Ich bin im falschen Zug! Ungelogen: das ist mir in meinem ganzen Leben noch nie passiert 😅.

Wie es dazu kommen konnte, bleibt letztendlich ungeklärt. Da ist wohl in Landshut auf Gleis 1 zu der Zeit, als ich dort übereilt in den Zug sprang, wohl noch ein anderer Zug unterwegs gewesen oder so. Vielleicht war mein Anschluss dort entgegen der Ansage im Zug davor auch bereits weg. Wer weiß! Aber egal. Es ist ja nicht zu ändern. Ein netter junger Mann im Abteil weiß schnellen Rat. Flott raus an der nächsten Station, in spätestens einer halben Stunde rein in die nächste Verbindung und zwei Stationen zurück nach Mühldorf, wo ich wieder Anschluss in Richtung Salzburg habe.

Und so lande ich im bizarr anmutenden Ambiente des irgendwo im Nirgendwo gelegenen Bahnhofs von Gars am Inn.

Da wollt‘ ich nie hin!

Ein Bauarbeiter lehnt, auf dem Boden sitzend, an der Hauswand und hört abgefahrene Jodlermusik, gleich daneben ein abgeranzter China-Imbiss, ein einziges Gleis, 33 Grad, kein Schatten, kein WLAN, kein LTE, nicht mal 3G. Doch auch diese halbe Stunde vergeht 😎. Und so sitze ich schon bald im nächsten Zug zurück nach Mühldorf, dank meines Regionaltickets, das keine Zugbindung hat und den ganzen Tag gilt, ohne Zusatzkosten. Dort nehme ich den nächsten Zug Richtung Salzburg und steige in Freilassing aus. Der Bus als Schienenersatzverkehr, den ich ursprünglich nehmen wollte, ist natürlich weg. Nehme ich eben die nächste Verbindung.

Trotz der Widrigkeiten und der diversen verspäteten, verpassten und falschen Züge und Busse lande ich schlussendlich nur eine Stunde später als geplant in Berchtesgaden. Google Maps zeigt als Entfernung zwischen dem Bahnhof und meinem Hotel überschaubare 1.200 Meter an. Dafür nehme ich mir doch kein Taxi! Und so marschiere ich munter los.

Hätte ich doch bloß auch auf die angezeigten Höhenmeter geschaut! Dann wären mir 100 Höhenmeter bei kuscheligen 34 Grad mit prall gefülltem Rollkoffer und schwerem Handgepäckrucksack über die großteils steinig-sandige Piste und einige Treppenstufen auf dem Abkürzungsschleichweg erspart geblieben. Dass ich mich dann wegen der etwas sehr späten Anzeige meines Navis zu allem Überfluss auch noch verlaufen habe und deshalb den einen Anstieg hinunter und einen anderen wieder hinauf keulen musste – geschenkt! Jedenfalls war ich ordentlich geschafft, als ich endlich im Hotel eintraf 😅.

Doch ich war schnell „genesen“, und alle Strapazen des heutigen Tages waren vergessen, als ich einen ersten Blick vom Balkon meines Hotelzimmers warf. So lässt es sich aushalten! Streng genommen könnte ich den Urlaub auch gleich hier auf dem Balkon verbringen bei der Show vor meinem Zimmer.

Rechts der Watzmann …
… und links Jenner und Schneibstein

Schnell ab unter die Dusche und raus zur Futtersuche. Nur wenige Hundert Meter vom Hotel entfernt entdecke ich ein indisches Restaurant. Das nehme ich. Im „Mount Everest“ unterläuft mir dann – nicht zum ersten Mal – ein klassischer Fehler: in Bayern ein KLEINES Radler zu bestellen erntet auch hier nur verständnislose Blicke! Am Nachbartisch sitzt ein Bergsteiger aus der Nähe von Salzburg, mit dem ich gleich ins Gespräch komme. Er hat heute den Watzmann überquert, schläft auf seinen Wochenendtouren immer in seinem ausgebauten VW-Bus, fuhr acht Monate mit dem Fahrrad durch Indien und hat auch ansonsten viel von der Welt gesehen. Um es kurz zu machen: auch dieser Gesprächspartner war ein willkommenes Geschenk.

Anschließend ein kleiner Verdauungsspazierung durchs Örtchen. Ich bin sehr angetan! Als Nachtisch noch ein Eis auf die Hand und zurück ins Hotel. Nach einem grandiosen abendlichen Gewitterschauspiel über der Watzmanngruppe entschwinde ich schnell ins Reich der Träume. Bis morgen! Dann gibt es auch wieder mehr Fotos. Versprochen.

10 Gedanken zu “Tag 3: Von Regensburg nach Berchtesgaden

  1. schöne Fotos einer grandiosen Landschaft ! Berchtesgaden bringt man immer in Verbindung mit dem Königsee, dem Watzmann ( auf dem Watzmannhaus war ich mal ) und natürlich dem Obersalzberg bzw. dem Kehlsteinhaus . Den Kehlstein sollte man unbedingt mal gesehen haben und ich war schon glaub 5 x dort und habe ich intensiv mit der Geschichte dort beschäftigt. Hier gab es ja das Göring-Haus, Bormann – Haus und natürlich das Haus Wachenfeld bzw. den Berghof von Adolf Hitler. Grandios natürlich das Kehlsteinhaus und auch die Auffahrt mit dem Bus ! Ich war am Obersalzberg vor ca. 30 Jahren das erste mal und dort sah man noch einiges an zerbomte Häuser . Auch die Bunkeranlagen habe ich dort besichtigt. Damals standen auch noch die Überreste der dazugehörigen SS-Kaserne. Als ich das letzte Mal dort war erinnert fast nichts mehr an die damalige Geschicht. Die Ruinen sind abgetragen auf dem Göring-Hügel steht heute ein Luxus Hotel. Vom Berghof sieht man nur noch ein paar Umrisse und Mauerreste. Ich bin auf deinen weiteren Beitrag sehr gespannt !

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    1. Hut ab, dass du den Watzmann in Angriff genommen hast! Das habe ich mir nicht zugetraut. Aber um ihn herumgeschlichen bin ich teilweise schon 😎. Das Kehlsteinhaus und auch die Zufahrt dorthin sind leider bis mindestens Ende 2020 geschlossen bzw. gesperrt, sodass ich dort nicht hin konnte. Ursprünglich war geplant, dass Stück für Stück saniert wird und währenddessen weite Teile zugänglich gelassen werden. Aber wegen Corona und der bereits absehbaren temporären Schließungen, Lockdown, Einschränkungen für Touristen etc. hat man sich dort entschlossen, 2020 komplett alles dicht zu machen und in einem Rutsch zu sanieren. Mal schauen, ob es bei meinem nächsten Besuch in Berchtesgaden klappt!

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      1. Nein auf dem Watzmann war ich noch nie aber eben auf dem Watzmannhaus. Ist aber nicht ohne dort hochzulaufen !
        Das mit dem Kehlstein ist natürlich blöd gelaufen aber evtl. hast mal die Gelegenheit. Ich kann das sehr empfehlen !

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          1. Mag sein, dass der Weg technisch gut machbar ist. Ich habe ihn mir aber konditionell nicht zugetraut. Ich lebe halt im Flachland und bin die Höhenmeter und die steilen Anstiege nicht gewöhnt.

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  2. Haha, unweigerlich fiel mir die pfeifende Melodie, das Summen der Fliege und das Quietschen des Windrades von „Spiel mir das Lied vom Tod“ ein, als ich deine Beschreibung von Gars am Inn las.😂
    Das Bergpanorama von deinem Zimmerbalkon konnte sich definitiv sehen lassen!👍

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