Der blogtechnische Sommerschlaf ist beendet! Sanft und zögerlich krieche ich aus meiner selbstgewählten Versenkung, recke und strecke ich mich, sichte, sortiere und bearbeite meine Fotoausbeute der letzten Monate, greife auf meine vor Ort gefertigten Notizen zurück und begebe mich in die Startblöcke. Auf die Plätze, fertig, los!

Am letzten Donnerstag im Juli diesen in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Jahres 2020 schnappe ich meine dieses Mal recht üppigen Siebensachen und fahre freudig zum Bahnhof. Ich bin, was das Reisen anbetrifft, derart ausgehungert, dass ich es kaum erwarten kann, in den Zug gen Süden zu steigen. Am frühen Nachmittag lande ich pünktlich in Regensburg, wo mich kuschelige 32 Grad erwarten. Es ist Sommer!

Ich ziehe mein Köfferchen durch die Straßen und Gassen und bekomme auf dem Weg zum Hotel einen ersten Eindruck von der Stadt, die ich zum ersten Mal besuche. Warum gerade Regensburg? Nun, wenn ich ehrlich bin, hatte ich diese Stadt bis vor einer Weile absolut nicht auf dem Schirm. Doch das änderte sich im Februar 2019, als mich meine netten Mitwanderinnen auf meiner Wüstentour im Oman auf die Stadt aufmerksam machten, in der sie seit geraumer Zeit leben. Und da ich auf dem recht langen Weg zu meinem eigentlichen Ziel gerne noch einen passend gelegenen Zwischenstopp einlegen wollte, war die Zeit reif für die Stadt an der Donau.

Ich halte mich nur kurz im Hotel auf und stürze mich gleich ins pralle Leben. Natürlich nicht, ohne mir um die Ecke erst einmal ein leckeres Eis auf die Hand zu gönnen. Ich, die ich in einer Großstadt mit gigantischen Ausmaßen lebe, freue mich immer, kleinere, kompakte Städte zu besuchen, in denen man schnell und gefühlt fast alles zu Fuß erreichen kann. Und so genieße ich den Umstand, dass ich schon nach wenigen Schritten am Ufer der Donau stehe. Dort schlendere ich immer am Wasser entlang Richtung Altstadt.

Unweigerlich lande ich nach kurzer Zeit an einem der Wahrzeichen Regensburgs, der mittelalterlichen Steinernen Brücke.

Brückenschlag

Auf 300 Metern Länge bietet sie ausschließlich Fußgängern den Komfort, das jeweils andere Flussufer trockenen Fußes zu erreichen. Dieses architektonische Meisterwerk blickt auf beeindruckende und erlebnisreiche 874 Lebensjahre zurück und ist damit die älteste noch erhaltene Brücke Deutschlands. Mehr als 800 Jahre lang war sie die einzige Brücke zwischen Ulm und Wien, die beide Arme der Donau überspannte. Noch eine Anekdote zur Brücke gefällig? Dann bitte hier entlang!

Unmittelbar unterhalb der Brücke werfe ich kurz einen Blick nach hinten und nach vorne …

Farbenrausch
Sauber!

… und starte einen ersten Rundgang durch die Gassen der Altstadt. Mögt ihr mich begleiten? Na dann los!

Begrünt
Spitze!

Abgeschirmt
Geschlossen

Getürmt
Rausgeputzt

Was ich sehe und wahrnehme, gefällt mir sehr. Das liegt nicht nur an dem geschlossenen mittelalterlichen Stadtbild und der in großen Teilen als Fußgängerzone bzw. verkehrsberuhigte Zone angelegten Altstadt. Die ganze Atmosphäre wirkt liebenswert und lebensfroh. Auch spüre ich an allen Ecken und Enden, dass ich hier in einer Universitätsstadt gelandet bin. Viele junge Leute sind unterwegs, die Café- und Restaurantszene ist vielfältig und einladend. A propos: höchste Zeit für ein kühlendes Getränk!

Frisch gestärkt richte ich meine Aufmerksamkeit auf die vielen, teils versteckten Details an den Häuserfassaden, in unscheinbaren Eckchen und kleinen (Sack-)Gassen. Ihr ahnt, was kommt 😎.

Rosarot
In Tracht
Farbtupfer

Aber ich habe auch noch ein „klassisches“ Kleinod für euch:

Vergebens

Egal welche Wege man beim Schlendern durch die Altstadt einschlägt: irgendwann steht man unweigerlich vor der Wahrzeichen-Konkurrenz der Steinernen Brücke, dem Dom. Ich gestehe, dass ich etwas enttäuscht bin, weil Teile der Hauptfassade und auch der komplette rechte Turm eingerüstet sind. So ein Pech! Wie ich jedoch morgen von langjährigen Bewohnerinnen dieser schönen Stadt erfahren werde, ist dieser Umstand eher die Regel als die Ausnahme! Irgendwo wird praktisch immer gewerkelt und ausgebessert. Und schon bin ich versöhnt.

Direkt hinter dem Dom biege ich in eine ruhige Privatstraße ein, die mir als Fußgängerin zumindest tagsüber als Abkürzung offen steht. Was ich dadurch an Zeit „einspare“ (wer hat sich wohl diese Formulierung in dem Zusammenhang ausgedacht 😅), geht dann doppelt und dreifach für ein sehr nettes und unterhaltsames Gespräch mit zwei Anwohnern der besagten Straße drauf. Nachdem wir uns ausgiebig über Touristen, Demos, Immobilienpreise, illegale Durchfahrer durch dieses private Refugium, nächtliche Klingler, Unterschiede zwischen Regensburg und Berlin und noch einige andere Themen ausgetauscht haben, setze ich beschwingt meinen Weg fort.

Kurz kehre ich ins Hotel zurück, erleichtere ein wenig mein Handgepäck und werfe bei der Gelegenheit noch einen Blick auf Fotogenes in unmittelbarer Nähe meiner Unterkunft.

Karmageddon

Und siehe da: dieses Mittelalterstädtchen kann punktuell auch modern. Vorhang auf für das Haus der bayerischen Geschichte!

Silberblick

Im schönsten, goldenen Abendlicht zieht es mich anschließend wieder dorthin, wo heute Nachmittag alles begann. Auf dem Weg zur Donau besorge ich mir ein Radler auf die Hand und lasse mich, umringt von allerlei Studentenvolk, gemütlich am Ufer nieder.

Prost!

Als die Flasche leer und mein Laufakku wieder voll ist, flaniere ich über die Brücke hinüber zur Jahninsel, genieße die heitere, entspannte Atmosphäre, drücke hier und da auf den Auslöser und bin glücklich über diesen Sommerabend wie aus dem Bilderbuch. Mit diesen letzten Eindrücken des heutigen Tages entlasse ich euch in den wohlverdienten Lese-Feierabend. Bis morgen!

Insellösung

Panorama einer Stadt
Verschachtelt
Spiegelbogen
Goldene Zeiten

27 Gedanken zu “Tag 1: Regensburg – Boxenstopp im Mittelalter

  1. Liebe Elke,
    schön wieder von dir zu lesen und deine Fotos zu betrachten. Das sieht nach einem schönen Tag in Regensburg aus. Die Atmosphäre ist so schön ungezwungen. Jetzt wo der Winter naht, scheint die Geselligkeit wieder runtergefahren werden.
    Wir waren auch mal dort, ich glaube, es regnete. Ich muss glatt mal die Fotos durchsuchen, offensichtlich habe ich dazu nichts geblogt.
    Liebe Grüße von Susanne

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    1. Dann solltet ihr Regensburg (Nomen ist nicht immer Omen 😅) doch noch einmal eine Chance geben – am besten in der wärmeren Jahreszeit. Ist wirklich eine schöne Stadt! Hast du noch ein paar Fotos gefunden?

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      1. Ja, habe ich tatsächlich. Micha hat den ganzen Tag ca. 10 Bilder gemacht und meine sind fotografisch so schlecht, das sie nicht zu zeigen sind. Wir kamen aus der Toskana und ich glaube, das schlechte Wetter hat einen Kulturschock bewirkt…..

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  2. klar kennt man Regensburg aber selber war ich leider noch nie dort ! Super Stadtrundgang mit viel Information aber das kennt man ja bei dir !
    Angerüsteter Dom das kenne ich auch zu genüge. Habe glaub das Ulmer Münster auch noch nie ohne“ angerüstet “ gesehen. Bei einem Kurzbesuche das gleiche am Kölner Dom !
    Super schön die Spiegelungen am Donauufer und das man Jet-Ski fahren darf wusste ich auch nicht ! Toller Beitrag

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    1. Danke Manni! Freut mich, dass dir der Beitrag und die Fotos gefallen haben. Vielleicht schaffst Deines ja eines Tages mal nach Regensburg. Ist wirklich schön da. Ja, das Dauergerüst um Kirchengebäude scheint einen wirklich überall zu verfolgen. Und die Jetskifahrer haben mich ehrlich gesagt auch etwas überrascht.

      PS: was macht der Fuß?

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      1. ja vielleicht komme ich ja mal nach Regensburg !
        Ja die OP habe ich hinter mir und war lt. Arzt nicht ganz einfach. Dieses Geschwulst oder wie man das nennen mag ging bis zur Strecksehne . Also durch das es von oben gemacht wurde bis hinunter zum Ballen also relativ tief ! Der Schnitt selber hat ca. 3 cm Länge aber auftreten geht natürlich noch gar nicht ! Ist schon übel und muss jetzt einen Spezialschuh tragen ( ähnlich wie wenn man einen Bruch ) hat wo der Fussballen entlastet wird und Krücken eben.
        Bin gespannt aber zuversichtlich ! Wird aber noch einige Wochen dauern !

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    1. Danke! Geht mir selber genauso 😅. Ich habe mir das Bloggen über meine Reisen im Sommer bewusst für die trübe Jahreszeit aufgehoben. Und nun beschert mir der Teil-Shutdown ab Montag noch mal etwas Extrazeit …

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