Das letzte Jahrzehnt endete gerade erst vor wenigen Monaten. Vieles, was in dieser Dekade passiert ist, habt ihr sicherlich je nach Interessenlage noch mehr oder weniger im Kopf. Sollte ich die traditionelle Zusammenfassung deshalb einfach lässig ausfallen lassen? Nö! So einfach kommt ihr mir nicht davon 😎.

Ja, was war denn im eigenen Land so los? Die Gräueltaten der NSU werden bekannt. Deren Aufklärung zieht sich jahrelang hin. Der BER soll 2012 eröffnet werden. Wir fliegen heute noch auf Tegel. Die Wehrpflicht wird ausgesetzt. Der Fernbusverkehr wird liberalisiert. VW fährt mit Vollgas in den Dieselskandal. Die elektronische Gesundheitskarte und der gesetzliche Mindestlohn halten Einzug. Jan Böhmermann verursacht mit seinem „Schmähgedicht“ eine diplomatische Krise zwischen Deutschland und der Türkei. Der Deutsche Bundestag beschließt die Ehe für alle. Die AfD zieht in den Bundestag ein. Christian Lindner verhindert die erste Jamaika-Koalition. Walter Lübcke wird ermordet.

Und was zeigt der Blick über den deutschen Tellerrand hinaus? Der Arabische Frühling erwacht. Die Eurokrise setzt sich fort. Der Krieg in Syrien beginnt. Bin Laden wird getötet. Barak Obama tritt seine zweite Amtszeit an. Die Queen feiert ihr 70. Thronjubiläum. Die EU bekommt den Friedensnobelpreis. Papst Benedikt XVI dankt ab. Sowas hat es seit 1294 nicht mehr gegeben. Der IS baut seinen Einfluss aus. Edward Snowden deckt die Überwachung des Internets durch amerikanische Geheimdienste auf. Russland besetzt die Krim. Westafrika hat mit Ebola zu kämpfen. Europa wird mit einer Serie von Terroranschlägen überzogen.

Die Flüchtlingskrise hält Europa fest im Griff. Die „Panama Papers“ enthüllen den systematischen Betrug in der Finanzwelt. Es ist ein Lehrstück in Sachen Steuervermeidung und Geldwäsche. Herr Erdogan schlägt einen Putschversuch in seinem Land nieder. Nach 50 Jahren endet der Bürgerkrieg in Kolumbien. Donald Trump wird Präsident der USA. Macron wird Frankreichs neuer Präsident. In Katalonien starten heftige Proteste gegen die spanische Zentralregierung. Die Gelbwesten halten Frankreich in Atem. In Hongkong beginnen monatelange Proteste gegen Gesetze der chinesischen Zentralregierung. Boris Johnson manövriert die Briten aus der EU. Der Atomstreit mit dem Iran flammt auf.

Der Eyjafjallajökull bricht aus und löst das bisher größte Chaos in der europäischen Luftfahrtgeschichte aus. In Fukushima ereignet sich eine nukleare Katastrophe. Ein depressiver Pilot steuert eine Germanwings-Maschine in eine Felswand in den französischen Alpen. Wir erleben 2015 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Erdbeben, Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle beschäftigen uns weltweit während des ganzen Jahrzehnts. Die Notre-Dame steht in Flammen. Der Amazonas-Regenwald brennt. Greta Thunberg streikt für mehr Klimaschutz und findet weltweit viele Mitstreiter im Kampf gegen den Klimawandel.

Hm, habe nur ich den Eindruck, dass es die 10er Jahre ganz besonders in sich hatten? Oder kommt mir das nur so vor, weil es noch nicht so lange her ist? Nun, ob national oder international: vieles kommt und geht. Eine bleibt: Angela Merkel kanzlert sich durch das komplette Jahrzehnt.

In den letzten Wochen der 10er Jahre treten in China die ersten Fälle von COVID-19 auf, ohne große Beachtung zu finden. Das wird sich wenige Monate später ändern.

Jetzt aber hin zu den leichtgewichtigeren Themen! Die Fußballjungs scheitern in Südafrika erst im Halbfinale. Vier Jahre später werden sie in Brasilien Weltmeister. Sebastian Vettel gewinnt vier Mal hintereinander die Formel 1.

Smartphones und Tablets verbreiten sich quer durch alle sozialen Schichten und lösen mehr und mehr „stationäre“ Computer ab. Die Sozialen Medien verändern immer stärker die Art und Weise, wie wir unsere politische Meinung bilden und äußern. Streaming-Dienste verdrängen zunehmend das klassische Fernsehen. Elektromobilität fährt auf die Agenda.

Vollbart, Undercut, Sidecut, Hipster. Kein weiteres Wort zur Mode? Ich bitte euch! Die 2010er Jahre haben sich doch gerade erst verabschiedet. Da werdet ihr euch ja wohl erinnern, in welchen Outfits ihr euch in die Öffentlichkeit getraut habt!

Und bei mir so? Verzeichnete mein eigenes Leben ähnlich heftige Ausschläge wie im Rest der Welt? Durchaus! Auf mich wartete ein turbulentes Jahrzehnt mit enormen Höhen und Tiefen.

2010 orientierte ich mich nach meiner Auszeit im Vorjahr beruflich neu. Nein, Malerin wurde ich nicht! Auch wenn das folgende Foto Andeutungen in diese Richtung macht. Vielmehr hat sich Stefan hier künstlerisch betätigt.

Wespentaille
(Warnemünde 2010)

Ich blieb der Betriebswirtschaft weiter treu, fügte jedoch dem jetzt Teilzeit-Angestelltendasein ein neues, selbstständiges Standbein hinzu. Ihr ahnt es schon: das ewige Streben nach Freiheit und Flexibilität!

Das eigentliche Highlight in 2010 ereignete sich jedoch gegen Ende des Jahres: ich traute mich! Am 20.10.2010 waren Stefan und ich auf den Tag genau 20 Jahre ein Paar. 20 10 20 10 20. Merkt ihr was? Eine zahlentechnische Steilvorlage, die genutzt werden wollte 😎. Diesen Hochzeitstag vergisst man so schnell nicht, oder?

Als „Kirchenfremde“ beliessen wir es bei einer standesamtlichen Trauung. Auch Art und Umfang der anschließenden Feier fielen etwas aus dem üblichen Rahmen. Stefans Mutter und Schwester sowie meine Eltern waren unsere einzigen Gäste. Feiern im großen Stil sind unser beider Sache nicht. Und so erfuhren Freunde, Bekannte und der Rest der Familie erst im Nachhinein, dass wir den Bund der Ehe geschlossen hatten. Um das gemeinsame Mittagessen abzutrainieren, verbrachten wir den Nachmittag auf der gemieteten Bowlingbahn. Ja, ihr habt richtig gelesen 😎. Ich erinnere mich noch daran, als sei es gestern gewesen: Mein Vater nahm keine Rücksicht auf das frisch vermählte Paar und gewann gnadenlos!

Unter der Haube
(Berlin 2010)

2011 kam bei mir Bildungshunger auf. Als Kontrastprogramm zu meiner sitzenden Tätigkeit liess ich mich bei der Berliner IHK zur Stadtführerin ausbilden. Ein paar Jahre habe ich diese Tätigkeit sporadisch, nebenbei und freiberuflich mit großer Freude ausgeübt. Doch meine häufigen Reisetätigkeiten wollten zeitlich nicht so recht dazu passen, so dass ich heute nur noch meinen privaten Gästen meine Wahlheimat zeige.

Zu Beginn dieses Jahrzehnts waren Stefan und ich ausschließlich in Europa unterwegs, und zwar vorwiegend in Skandinavien. Landschaftlich besonders angetan waren wir von Norwegen, wo diese beiden Aufnahmen entstanden sind.

Wandersfrau
(Myrdal, Norwegen 2013)
In the Hood(ie)
(Sognefjord, Norwegen 2013)

Aber auch in Berlin wurde es nicht langweilig. Schöne Erinnerungen habe ich z.B. an den traditionellen Berlin-Marathon, bei dem meine Mutter und wir mit zwei von Stefan gestalteten Schildern dem Star des Tages (auch als mein Vater bekannt) huldigten.

Runner mit Groupies
(Berlin-Marathon 2013)

Das Jahr 2013 werde ich sicher auf immer und ewig als eines meiner besten Jahre überhaupt in Erinnerung behalten. Ich hatte das Thema eigentlich schon abgehakt. Doch dann hat es über verrückte Umwege Jahre später doch noch geklappt: Ich fand einen Verlag, der meine Geschichte über meine längere Australienreise in 2009 herausbringen wollte. Ein lange gehegter Traum wurde wahr: ich hatte einen Buchvertrag ♥️! Die meisten von euch, die hier mitlesen, wissen das bereits. Allen anderen sei diese oder auch jene Schleichwerbung gewidmet. In den Folgejahren hielt ich über diese Reise zudem auch einige Foto-Vorträge, was mir ebenfalls große Freude bereitete.

Im März 2014 hatte ich – als Sahnehäubchen obendrauf – sogar die große Ehre, eine Lesung auf der Leipziger Buchmesse halten zu dürfen. Ich schwebte wirklich auf Wolke Sieben, das könnt ihr mir glauben.

Die Vorleserin
(Leipzig 2014)

Der Sommer verging mit einer schönen Reise nach Dänemark, …

Große Meerjungfrau
(Grenen, Dänemark 2014)
Schwein oder Bär?
(Aalborg, Dänemark 2014)

… und endete traditionell Ende September mit dem Besuch des hiesigen Marathons.

Profiliert
(Berlin-Marathon 2014)

Doch im Oktober 2014 verpasste das Jahr uns dann einen Nackenschlag. Der geplante umfangreiche Umbau unserer Wohnung wäre für sich genommen ja schon aufregend genug gewesen. Doch zur gleichen Zeit erkrankte Stefan und musste für eine Weile ins Krankenhaus.

Während dieser Zeit waren mir meine Eltern eine wertvolle Stütze. Sie eilten nach Berlin, campierten im wahrsten Sinne des Wortes in der für den Umbau schon weitgehend frei- und umgeräumten Wohnung auf Matratzen auf dem Boden, bekochten und begleiteten mich im Alltag (arbeiten und Formales für Stefans Praxis regeln musste ich ja auch noch) und in die Klinik.

Nach dieser schwierigen Zeit organisierten wir unseren Alltag neu, fuhren gemeinsam zur Kur und überdachten die Prioritäten in unserem Leben neu. Der geplante Wohnungsumbau fand in 2014 dann mit etwas Verspätung doch noch statt – zum großen Teil, während wir zur Kur an der Ostsee weilten.

2015 waren wir weitgehend damit beschäftigt, wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen und neue Alltagsroutinen zu entwickeln. Gemeinsam wagten wir auch kleine, überschaubare, unangestrengte Reisen, z.B. an unsere geliebte Ostsee.

Verschleiert
(Kühlungsborn 2015
)

Im Sommer heirateten Freunde von uns. Bei der Gelegenheit entstand das nächste Foto. Es ist im übrigen mein Lieblingsfoto von uns beiden. Danke an den Fotografen!

Black and white
(Berlin 2015)

Ende 2015 flog ich dann alleine für eine Woche in eine meiner Lieblingsstädte: New York! Dort, am Strand von Coney Island, machte ich die Bekanntschaft mit Bella, einer vierjährigen Boa Constrictor, die lässig erst am Hals ihres stolzen Besitzers und dann an meinem Hals baumelte. Wer es noch nicht wusste, dem verrate ich es an dieser Stelle: Meine Tierliebe gehört Reptilien! Wer je die kühle, glatte Haut und das elegante Muskelspiel einer Schlange gefühlt hat, will nicht mehr zurück zum Fell von Hund und Katze, oder? Ich weiß, das provoziert Widerworte …

Geschlängelt
(New York, USA 2015)

2016 hat Stefan seine Praxis verkauft und arbeitet seitdem als angestellter Zahnarzt in Teilzeit. Und ich erreichte im März das halbe Jahrhundert! Die zünftige Feier dazu stieg ein paar Wochen später. Stattdessen verbrachten Stefan und ich meinen Geburtstag in Warnemünde, wo zu der Jahreszeit noch ein eisiger Wind pfiff.

Ein halbes Jahrhundert
(Warnemünde 2016)

2016 erblickte übrigens auch dieses Blog dank Stefan das Licht der virtuellen Welt. Tausend Dank dafür 😘!

In den folgenden Jahren brach ich wieder zu zwei längeren Soloreisen auf. Die erste führte mich vier Wochen lang mit dem Zug quer durch die USA. Das habt ihr verpasst? Dann bitte hier entlang.

Mein nächstes Ziel lag buchstäblich am anderen Ende der Welt. Fünfeinhalb Wochen lang reiste ich durch Neuseeland. Es wurde ein unvergessliches Erlebnis. So ein fantastisches Land! Nach meiner Rückkehr fragten alle, ob es darüber wieder ein Buch geben würde. Doch da passe ich, denn ich habe ja jetzt mein Blog! Wer meine Berichte über Neuseeland noch nicht kennt und das ändern möchte, wird hier fündig.

Selbstverständlich bin ich in den letzten Jahren auch oft gemeinsam mit Stefan unterwegs gewesen. Nachdem er seine Abneigung gegen das Fliegen überwunden hat, war auch ein Flug über den großen Teich nach Kanada möglich geworden.

2019 geht dieses Jahrzehnt nach all den emotionalen und tatsächlichen Achterbahnfahrten versöhnlich zu Ende. An Silvester 2019 stehen wir entspannt an der Promenade von Binz, erfreuen uns an dem spektakulären Feuerwerk und stoßen voller Optimismus auf das neue Jahrzehnt an. Da ahne ich noch nicht, dass gleich der Beginn der 20er Jahre das Potenzial zum weltweiten Drama hat. Wie es weitergeht? Warten wir auf die Fortsetzung. Mehr dazu in zehn Jahren unter der Rubrik „Was bisher geschah“! Geben wir auch diesem Jahrzehnt die Chance, ein gutes zu werden.

5 Gedanken zu “Meine Lebensreise – Teil 6

  1. Das hast du schön geschrieben, Elke, geben wir dem Jahrzehnt eine Chance, gut zu werden.
    Ich bin ja ein wenig traurig, dass die erste Staffel deiner Lebensreise beendet ist 😉 . Auf die nächste Staffel gilt es nun zu warten. Aber vielleicht gibt es ja Jahresrückblicke. 😉
    Komm gut durch den Tag, Susanne

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, Susanne! Die Formulierung „Erste Staffel“ gefällt mir übrigens ausnehmend gut 😃. Musste laut lachen, als ich das las! Einen Jahresrückblick zu schreiben, ist eine gute Idee. Bisher habe ich sowas ja nur mal in Bezug auf die Blogberichte eines Jahres gemacht. Kann ich aber für 2020 gerne auch mal in etwas persönlicherer Form mache. Danke für die Anregung!

      Gefällt 1 Person

    1. Danke, John. Freut mich, dass du wieder mitgelesen und mich durch meine mittlerweile doch recht zahlreichen Jahrzehnte begleitet hast. @ Schlange: erschütternd, wie gut du mich einschätzen kannst! Oder vielleicht bin ich auch einfach so berechenbar 😅. Who knows …

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