Ich fokussiere mich gerne auf die positiven Aspekte des Lebens und seiner Umstände. Die Situation lässt eher das Gegenteil vermuten? Dann erst recht!

Ein Virus stellt seit einer Weile unsere Welt auf den Kopf. Meine Reisepläne liegen auf Eis, in der Hoffnung auf Tauwetter spätestens im nächsten Jahr. Und so schlägt nun die Stunde der Beiträge, die schon länger auf der Ersatzbank sitzen und bisher vergebens auf ihren Einsatz warteten. Sie als B-Elf herabzuwürdigen, käme mir jedoch nicht in den Sinn. Ihre Zeit war einfach noch nicht reif. Und immer gab es Akuteres zu berichten.

Wer hier schon eine Weile mitliest, wird bemerkt haben, dass meine Reiseberichte sehr wenige bis gar keine Fotos enthalten, auf denen ich selbst zu sehen bin.

Dabei bin ich alles andere als kamerascheu 😅. Der Grund liegt vielmehr darin, dass sich mir der Sinn des „I was here“-Fotos nicht recht erschließt. Ich muss weder mir noch anderen beweisen, dass ich tatsächlich selbst vor Ort war. Ich weiß ja schließlich, dass es so ist. Ich erinnere mich auch ohne „Beweisfoto“ an Reisen, Orte, Situationen und Begegnungen. Und wie ich aussehe, ist mir und den meisten von euch auch bekannt 😎.

Jetzt das Kontrastprogramm! Zu jedem Jahrzehnt, das ich bisher die Ehre hatte, auf dieser Welt zu sein, habe ich Fotos und subjektiv wichtige Ereignisse zusammengestellt. Und so ist eine Art privater Lebenslauf entstanden, auch wenn ich mich beim Leben ganz sicher nicht bewerben muss. Die Zusage liegt ja schon seit 54 Jahren vor.

Dann mal los!

Wir schreiben das Jahr 1966. Leonid Breschnew wird Generalsekretär der Sowjetunion. Mit dem Lied „Merci, Chérie“ gewinnt Udo Jürgens den Eurovision Song Contest 1966 für Österreich. Mao Zedong löst in China die Kulturrevolution aus. Australien verabschiedet sich mit der Einführung des Australischen Dollars und des metrischen Systems von alten britischen Traditionen. Im ZDF-Sportstudio wird erstmals auf die Torwand geschossen. Im Finale der Fußballweltmeisterschaft 1966 fällt das berühmte Wembley-Tor – oder auch nicht. In den USA gehen Captain Kirk und Mr. Spock erstmals mit „Star Trek“ auf Sendung. Das erste Gezeitenkraftwerk der Welt wird in Frankreich eröffnet. Kurt Georg Kiesinger wird deutscher Bundeskanzler. Brigitte Bardot heiratet Gunter Sachs. Und ich erblickte in den Iden des März im schönen Saarland das grelle Licht der Welt. Hatte ich das alles – mal abgesehen von meiner Geburt – noch so genau parat? Nein! Aber hier steht’s.

Über meinen künftigen Vornamen herrschte zuerst Uneinigkeit. Zur Auswahl standen drei Kandidaten. Einer davon – Angelika – schaffte es nicht ins Finale. Eine glückliche Fügung des Schicksals! Übrig blieben Elke und Sabine. Und bei der Reihenfolge blieb es dann. A propos: weitere Geschwister gibt es nicht. Ich blieb ein Einzelkind – und vermisste bis heute: nichts!

Man kann mir vieles nachsagen. Aber dass ich dazu neigen würde, eine Kostverächterin zu sein, gehörte definitiv nie dazu. Und so füllte ich in voller Üppigkeit schon frühzeitig das heimische Sofa, auf dem ich der Besucherschar in lässig-gechillter Prinzessinnen-Attitüde meine Aufwartung machte. Stilecht in rosa, ganz wie es sich gehört.

Germany’s Next Topmoppel

Schon bald reichte mir nicht mehr, was Mutter Natur für die ersten Monate bereitstellte. Nachschub musste her! Doch es bedurfte der einen oder anderen Übungseinheit, bis die Nahrung schlussendlich dort landete, wo sie hingehörte. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass es mir bis heute nur selten gelingt, zu essen, ohne Spuren auf der Kleidung, dem Tisch oder dem Fußboden zu hinterlassen. Manchmal beglücke ich auch mein Gegenüber damit. Die Angewohnheit, meine Nahrung in größerem Radius zu verteilen, hat sich fest verankert.

Wir üben noch

Dennoch ging es voran mit meiner Entwicklung. Wer will denn immer nur herumliegen? Ich jedenfalls nicht! Kaum beherrschte ich die Kunst des aufrechten Sitzens, musste der erste Schreibtisch her. Womöglich wurde bereits in dieser frühen Phase meines Lebens der Grundstein für meine spätere Berufswahl gelegt.

Im Chefsessel

Kaum trugen mich die wackeligen Beinchen, ging ich auf Tour. Damals zwar noch ohne Koffer, aber immerhin mit einem ambitionierten Einkaufskorb. Die Ende der 1960er übliche Mini-Mode machte ich selbstverständlich mit, wenn auch in etwas rustikaler Ausführung.

Frohnatur

Kaum konnte ich laufen, musste ich mich auch schon wieder ausruhen. Nur wenig eignet sich dafür besser als eine Schaukel, oder?

Auf die Mütze!

Als ich älter und reifer wurde, kam die Skepsis. Immer nur lächeln? Nicht mit mir! Was das Foto euch nicht verrät: schon in diesem zarten Alter wurde ich abhängig von einer Substanz namens Nutella. Sie sollte mich über mehrere Jahrzehnte begleiten.

Verstrickt

Ansonsten jedoch soll ich ein recht pflegeleichtes Kind gewesen sein, sagt man. Im Kindergarten fiel ich nicht weiter unangenehm auf, nahm klaglos die üblichen Kinderkrankheiten mit und konnte mich schon früh gut mit mir alleine beschäftigen. Dass ich auch mal die Gesellschaft von anderen Kindern suchte oder zumindest akzeptierte, brauchte indes den einen oder anderen Motivationsschub durch meine Mutter. Wer mich heute kennt, mag es kaum glauben 😎.

Mode-Avantgarde

Ich war noch keine vier Jahre alt, da ging den 1960er Jahren auch schon die Puste aus. Noch einmal ein fettes Festival in Woodstock, und schon standen die 1970er in den Startlöchern. Fortsetzung folgt!

14 Gedanken zu “Meine Lebensreise – Teil 1

  1. ganz tolle Fotos und eine tolle Geschichte über die ersten Lebensjahre ! Ich liebe ja die alten Fotos, leider habe ich von mir nur eine sehr begrenzte Anzahl davon. Meine Eltern hatten es nicht so mit dem fotografieren ! Eines werde ich aber auch mal zeigen !!!
    Alle deine aufgeführten Stationen zur damaligen Zeit sind auch mir bekannt ! Ich bin auf jedenfall gespannt auf mehr !!!

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    1. Danke! Freut mich, dass dir auch dieser Bericht gefällt, der so ganz andere Fotos zeigt, als die, die sonst bei mir zu sehen sind. Sehr viele Fotos von mir als Kind gibt es allerdings auch nicht. War halt früher eine ganz andere Sache als heute mit der Digitalfotografie, die ganz automatisch zu ganz anderen Massen führt. Immerhin hielt sich früher die ganze Arbeit mit dem Aussortieren in Grenzen 😅! Bin schon gespannt, was für ein Foto du uns von früher präsentieren wirst.

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  2. Sehr schön geschrieben! Für die Qualität der Fotos kannste ja nix. @wir üben noch: na trotz mehr als 50 Jahre essen üben, sind die Fortschritte doch eher überschaubar geblieben. 😗😁

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  3. 😍Was für klasse Fotos…. tja, durch diese Mode mußten wir alle irgendwie durch.So als 60iger Kind. Ich wäre auch gerne Einzelkind…….nee, Spaß😘t-man

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    1. Danke! Ja, die Mode war schon speziell. Aber sagen wir das „posthum“ nicht von jeder Mode? Warte erst mal, bis du meine Frisuren aus den 1980ern siehst 😅! @ Einzelkind: jetzt ist der Tman in Schockstarre!

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  4. Kam erst jetzt zum Lesen deiner „Lebensreise“. Eine sehr schöne Idee, und auch sehr gut geschrieben. Die Fotos erinnern mich an die eigene Kindheit. Ich trug damals auch solche Röcke und Kleider. Bin froh, dass es nicht viele Fotos davon gibt. 😀

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    1. Schön, dass du wieder an Bord bist, Silvia! Und danke für das Kompliment 😎. Ist doch eigentlich schade, dass es aus dieser Zeit nicht so viele Fotos von dir gibt! Das ist doch immer ein heiterer Moment, sie sich so im Nachhinein anzusehen und über die Mode zu schmunzeln.

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  5. Sieht aus als sei das Bild mit deinen Eltern bei einem Sonntagsausflug nach Bernkastel–Kues entstanden. Wenn ich mich nicht irre, sind im Hintergrund Weinreben. 😀

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