Um 5:30 Uhr sind wir bereit, dem frühmorgendlichen Spiel des Lichts mit den steinernen Giganten zu huldigen. Auf nach Sarangkot! Das kleine Bergdorf liegt auf rund 1.600 Metern Höhe und ist an sich nichts Außergewöhnliches. Die Aussichtsplattformen oben auf den Dächern der Anwohner jedoch verheißen den ultimativen Blick auf den Himalaya und das Tal, das wir soeben verlassen haben. Man kann von Pokhara aus alles Mögliche als Kür absolvieren oder auch lassen. Doch ein Besuch von Sarangkot zum Sonnenauf- oder -untergang ist absolute Pflicht!

Gegen einen kleinen Obolus oder den Kauf eines angebotenen Kaffees kann man den Anwohnern aufs Dach steigen und sich überraschen lassen. Dass man hier nicht alleine ist und eine gewisse Unruhe hinnehmen muss: geschenkt. Das Schauspiel, das sich vor mir abspielt, lässt alles andere vergessen. Licht aus – Spot an!

Umwerfend

Auftritt!
Goldig
Morgenstund
Benebelt

Dieses Naturschauspiel, bei dem der Nebel minütlich kommt und geht, plötzlich aus dem Nichts ein einzelner Gipfel angeleuchtet wird, während die anderen im Dunkeln bleiben, die Sonne langsam höher steigt, das Licht sich ändert – hach! Ich gehöre ja eher zu den nüchtern-sachlichen Zeitgenossen. Doch hier und jetzt bleibt mir wirklich fast die Luft weg.

Die Fotos geben leider nicht annähernd das Liveerlebnis wieder, aber ich hoffe, euch wenigstens einen kleinen Eindruck verschafft zu haben. Noch ein Kurzvideo gefällig? Nehmt das!

Sonnenaufgang Sarangkot

Der Tag bricht an, der Nebel verzieht sich, die Sonne übernimmt. Ich reiße mich los und laufe weiter den Berg hinauf. Die Aussicht wird nicht unbedingt schlechter 😎.

Das ist der Gipfel!

Anschließend genehmige ich mir ein langes Frühstück in einem der kleinen Lokale oben im Ort. Hier haben sie Zeit. Und ich auch. Denn der Bus wird uns erst in einigen Stunden in Naudanda wieder einsammeln.

Die Wanderung dorthin unternehme ich bis auf das letzte kleine Stückchen alleine, was ich sehr genieße. Schnürt eure Wanderschuhe und kommt mit!

Zipfelmütze

Cool in Uniform
Gut behütet

Lady in red

Der Wanderweg führt immer wieder zurück in die Dörfer und auf die – zum Glück nicht stark befahrene – Landstraße. Zu gerne möchte ich ein längeres Stückchen des Wanderweges ohne Zivilisationsspuren zurücklegen und dafür gerne auch querfeldein laufen. Doch ich bin ohne Karte und ohne Wlan unterwegs. Und gekennzeichnete Einstiege gibt es nicht.

Und so spreche ich einen freundlichen Einheimischen an. Er erweist sich als Glücksgriff. Denn er begnügt sich nicht damit, mir irgendwie den Weg zu erklären. Nein! Er schnappt sich den Schulblock seiner Tochter und zeichnet für mich aus dem Kopf eine Karte, die alle relevanten Details enthält und mich problemlos den Weg mitten durch private Gärten und den anschließenden dichten Busch finden lässt.

Ausgezeichnet!

Was so einfach als immer geradeaus aussieht, wird erschwert durch alles, was er nicht aufgemalt hat. Aber alle wichtigen Eckpunkte sind enthalten, die Karte auf das Wesentliche reduziert.

Und so schlage ich mich tapfer durch den Busch, reiße ein paar Löcher ins T-Shirt, werde – wie ich erst später am Nachmittag feststellen werde – von einem Blutegel angenagt und ausgesaugt, und stehe dann, etwas außer Puste nach einem ordentlichen Aufstieg, ganz alleine auf stiller, weiter Trek-Flur vor diesem Anblick. Den Himalaya scheinbar zu Füßen zu haben – natürlich haben die Berge 6.000 Höhenmeter Vorsprung -, ist wahrlich erhebend.

Der Mühe Lohn

Irgendwann auf dem Rückweg in die Zivilisation frage ich zur Sicherheit eine ältere Frau, ob ich noch in die richtige Richtung unterwegs bin. Ich treffe sie in ihrem Garten bei ihrem kleinen Häuschen irgendwo im Nirgendwo, vor dem ein paar Ziegen und Hühner umherlaufen. Sie versteht kein Wort Englisch, aber „Naudanda“ (ihr erinnert euch: dort werde ich wieder eingesammelt) spreche ich offenbar so aus, dass sie es versteht und kapiert, dass ich dorthin will. Und was macht die nette Dame? Bietet mir ohne Umschweife an, mich auf ihrem Büffel dorthin zu bringen 😅!

Doch ich lehne dankend ab und mache mich wieder an den Abstieg ins nächste Dörfchen. Zurück auf der Straße, treffe ich auf zwei Leute aus meiner Reisegruppe. Zu dritt legen wir die letzte Strecke bis zum Ziel zurück. Es gibt auch hier wieder was zu sehen.

Gehörnt

Design oder nicht sein

Als uns die Asphaltstrecke schließlich zu öde wird, greifen wir zu einem Mittel, das Wanderer mit etwas mehr Ehrgefühl womöglich als verwerflich empfinden würden. Doch wir haben Mut zur Lässigkeit! Die letzen drei Kilometer fahren wir per Anhalter 😅. Diva Elke logiert in der Fahrerkabine neben den beiden netten Nepalis, während die beiden anderen es sich hinten auf der offenen Ladefläche auf Zementsäcken gemütlich machen. Unbezahlbar die entglittenen Gesichtszüge zweier weiterer Mitreisenden, die wir kurz vor dem Ortseingang überholen!

In Naudanda angekommen, gönne ich mir ein kühles Getränk in dem Café am Ende der Straße, werfe noch einen letzten gezoomten Blick auf den kecken Zipfel des Machhapuchhare …

Der Berg ruft!

… und besteige dann den Kleinbus, der mich zusammen mit den anderen Wanderern aus der Gruppe zurück nach Pokhara bringt.

Jetzt bloß keine Müdigkeit vortäuschen! Im Hotel mache ich es mir gar nicht erst gemütlich, sondern erleichtere nur meinen Rucksack und ziehe gleich wieder von dannen. Ihr habt auch noch Energiereserven? Dann los!

Runter in den Ort, rüber zum See, rein ins Boot. Am anderen Ufer angelangt, gestehe ich euch, dass weitere 300 Höhenmeter auf uns warten. Doch die Belohnung für die Mühen des Aufstiegs lässt nicht lange auf sich warten. Hoch oben über dem Phewa See und Pokhara …

Berg und Tal

… thront erhaben der Friedensstupa, der unbedingt einen Besuch lohnt. Buddhistische Mönche aus Japan haben ihn zur Förderung des Weltfriedens erbauen lassen. Weltweit haben sie noch einige andere Friedensstupas gestiftet.

Umrundung
Fingerzeig
Auf stille Weise

Himmelwärts
Flatterhaft

Kurz vor der Dämmerung lasse ich mich zusammen mit zwei anderen aus der Gruppe zurück in den Ort rudern. Ein etwas größeres Boot mit einer Horde Jungs an Bord fragt neugierig, woher wir kommen. Als sie „Germany“ hören, rufen alle wie aus einem Munde „Thomas Müller“ 😂!

Zurück zum Hotel, kurz unter die dringend benötigte Dusche, den nachblutenden Blutegelbiss versorgt, im Alleingang zum Abendessen in den Ort und dann gleich ins Bett. Reicht für heute!

8 Gedanken zu “Tag 19: Pokhara – Der Berg ruft!

  1. Hallo Elke, die Blutegel kenne ich. Hatte davon Massen im Schub, auf meinen Weg zur Pagode. Leider hatten wir keinen Blick in die Berge, bei uns war es total diesig. Schöne Grüße aus Kampala, unsere Zeit geht leider dem Ende entgegen.

    Gefällt 1 Person

    1. Mich hat zum Glück nur ein einziger Blutegel belästigt. Deshalb war sein Blutverdünner, den er mir ins Bein gekippt hat, besonders langanhaltend. Hat ewig gedauert, bis es aufhörte, zu laufen … Schade, dass euch der Blick auf die Bergkulisse verwehrt blieb. Das Wetter ist halt wie überall Glückssache. Euch eine gute Rückreise! Ich mache mich heute mal über deine letzten Berichte aus Uganda her.

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