Hier nun die versprochene Fortsetzung! Gleich unterhalb der Cathédrale de la Major wollen mich diverse Restaurants auf ihre gemütlichen Terrassen locken und mich abfüttern. Doch noch bin ich nicht bereit. Viel zu groß ist die Neugier auf das neu entstehende Stadtviertel, das hier beginnt.

Im Vorbeilaufen amüsiere ich mich über diese opulenten Sitzmöbel, …

… bevor ich mich Richtung Place de la Joliette bewege. Dieser Platz ist das Zentrum des städtebaulichen Großprojektes „Euroméditerranée„. Bereits 1996 beschlossen und nicht zuletzt im Zuge der Vorbereitungen der Stadt zur Kulturhauptstadt Europas 2013 noch einmal beschleunigt, wird hier ein städtebaulicher Masterplan umgesetzt, mit dem sich Marseille definitiv in die erste Reihe europäischer Großstädte gehievt hat.

Das Projekt ist noch lange nicht fertig. Erstreckt sich das Sanierungsgebiet doch vom Hafengelände bis „hinauf“ zum Hauptbahnhof. Doch was bisher schon vollbracht wurde, verdient größte Hochachtung. Insgesamt reden wir hier von sagenhaften 480 Hektar ausrangierter Docks und sanierungsbedürftiger Altbauviertel. Viel zu tun!

Marseille blickt auf eine lange Tradition als Hafenstadt zurück. An der Place de la Joliette entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts die Docks de Le Joliette. Auf 365 Metern Länge erstrecken sich die ehemaligen Lagerhallen, die ein Fassungsvermögen von 150.000 Tonnen an Waren aus den damaligen Kolonien hatten. Nachdem sich die Sache mit den Kolonien erledigt hatte und der Containerhafen nach Fos verlegt worden war, gingen hier im wahrsten Sinne des Wortes die Lichter aus.

Hier an den ehemaligen Docks entsteht seit einigen Jahren nun ein Dienstleistungs- und Freizeitzentrum. Büros, Galerien, Restaurants und Cafés füllen das Areal mehr und mehr mit Leben. Die Innenhöfe der behutsam sanierten Lagerhallen haben jeweils ein eigenes Leitmotiv bekommen, das sich an den vier Elementen Feuer, Erde, Luft und Wasser orientiert. Genug geschwärmt! Darf ich vorstellen?

Auch die unmittelbare Umgebung mit ihren Büros, Wohnungen, Hotels und einem Kino kann sich sehen lassen.

Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite steht ein fast 100 Jahre altes Ensemble aus ehemaligen Getreidesilos im Art-Déco-Stil. Was tun mit diesen zum Teil fensterlosen, runden Dingern, wenn der Denkmalschutz ein strenges Auge auf die Umgestaltung wirft? Nun, für Wohnungen und Büros kam der geschlossene Teil des Gebäudes jedenfalls nicht in Frage. Hat man eben einen Konzertsaal mit 2.200 Sitzplätzen daraus gemacht! Der andere Teil (siehe Fotos) wurde in Büroräume umgewandelt und der Zugang über eine originelle Rampe gewährleistet.

Ich schlendere weiter am Hafengelände entlang, nun wieder Richtung Innenstadt. Next Stopp Terrasses du Port (Hafenterrassen). Dieses neue Einkaufszentrum ist ebenfalls hübsch anzusehen. Doch das mit Abstand Beste daran ist die 250 Meter lange Terrasse im oberen Stockwerk, die grandiose Ausblicke auf den Hafen und die Umgebung bietet.

Ich gönne mir ein Eis, lasse mich auf einer der Bänke nieder, recke mein Gesicht der Sonne entgegen und betrachte die Kunstwerke aus Kondensstreifen, die diverse Flugzeuge hinterlassen haben und den eh schon mit Wölkchen angereicherten Himmel weiter marmorieren.

Wieder vorbei an der schönen Kathedrale. Von unten betrachtet fallen jetzt auch die restaurierten Arkaden darunter auf, in die diverse Läden eingezogen sind.

Direkt gegenüber ist ein Reisender mit Köfferchen unterwegs. Doch irgendwas ist seltsam an dem Kerl. Er hat seine Mitte verloren!

Weit komme ich nicht, denn die nächsten Attraktionen warten schon in schönster Hafenlage. Da wäre zum einen die Villa Méditerranée, die Ausstellungen, eine Bibliothek und Konferenzräumen ein dekoratives Zuhause gibt. Ein Teil der Säle befindet sich unter dem Meeresspiegel. Kultur und Wissen rund ums Meer ist hier die Devise. Wie ein Sprungbrett (zur Bildung) ragt es in die Landschaft! Fast fühle ich mich in alte Freibadzeiten zurückversetzt 😅.

Direkt daneben hat sich DER Hingucker der neuen Façade Maritime an der vordersten Front platziert: das MuCEM (siehe heutiges Titelbild). Sein in Gänze ausgesprochener Name schüchtert alleine schon durch seine Länge ein. Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée heißt das gute Stück. Und sein Name ist Programm. Hier erfahrt ihr einiges über die Kulturgeschichte Europas und des Mittelmeerraumes.

Nach Museumsbesuch ist mir heute nach der Vielzahl an neuen Eindrücken nicht mehr. Doch zum Glück steht ein Teil des Hauses auch der Nicht-Besucherin offen, nämlich das Treppenhaus und die Gänge, die das Gebäude umwickeln und zur sogenannten Passerelle, dem Übergangssteg zum gegenüberliegenden Fort St.-Jean führen.

Sowohl für die Umrundung als auch für die kurze Strecke durch das Gebäude brauche ich eine ganze Weile. Zu schön sind die Perspektiven, mit denen das Auge spielen kann.

Das dem Gebäude vorgesetzte Betonnetz sorgt für spektakuläre Licht- und Schattenspiele.

Und der Glaskubus, aus dem das Gebäude selbst besteht, spiegelt, was das Zeug hält.

Seitenwechsel. Auftritt Fort St.-Jean. Dieses bietet nach der nun vollendeten Sanierung dem MuCEM weitere Ausstellungsräume und dem Outdoor-Besucher einen spannenden Rundgang durch das abwechslungsreiche Gelände mit genialen An- und Aussichten.

Den alten Hafen (Vieux Port), das Herz der Stadt, hatte ich ja schon kurz erwähnt. Aber gezeigt hatte ich ihn euch bisher noch nicht. Vom Fort aus präsentiert er sich besonders schön. Voilà!

Wieder unten auf dem Boden der Tatsachen, chille ich am frühen Abend noch eine Weile am Hafen mit Blick aufs Wasser und die vielen Bötchen, genieße die Atmosphäre und freue mich auf morgen 😎.

10 Gedanken zu “Tag 2b: Marseille – Metamorphose einer Stadt

  1. Der Hafenbereich hat ja sehr interessante Gebäude zu bieten. Mir gefällt auch der mitte(l)lose Reisende sehr!😅 Was hat es damit auf sich? Stand das irgendwo? Die Kathedrale erinnert mehr an eine Basilika – würde ich gar nicht in Frankreich vermuten. Aber sehr hübsch!

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    1. @ Mitteloser: das war ein Projekt anlässlich des „Auftritts“ von Marseille als Kulturhauptstadt 2013. Da gab es wohl ganz viele Skulpturen davon. Jetzt leider nicht mehr. Zumindest nicht im öffentlichen Raum. Infos, auch zum Hintergrund des Projektes hier: https://www.detail.de/blog-artikel/surreale-skulpturen-von-bruno-catalano-22483/ Ja, die Kathedrale hat was „Unfranzösisches“ und ist dennoch sehr schön anzusehen.

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    1. Ja, Susanne, unbedingt auf die Liste mit Marseille! Es lohnt sich. Wien ist natürlich auch toll. War ich jetzt auch schon ein paar Jahre nicht mehr. Vielleicht nächstes Jahr mal wieder!?!

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