Der Wecker haut uns heute morgen zur sehr frühen Stunde aus dem Schlaf. Doch wie sich wenig später herausstellen wird, ist es die Mühe absolut wert. Um 4:45 Uhr hüpfen wir ins Auto, fahren rund 18 Kilometer gen Westen und sind gegen 5:15 Uhr bereit für ein Naturschauspiel.

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands zu besuchen, empfiehlt sich nicht nur wegen des besonderen Lichts und wegen des fotogenen Morgennebels in den frühen Morgenstunden. Denn später bricht die Hölle los in Form von Menschenmassen, die das gesamte Areal um die Brücke und die Felsenburg herum fluten und die magische Stimmung mit Gewusel und Lärm versauen.

Und dann liegt sie uns zu Füßen, die berühmte Bastei. Auch wenn uns ein spektakulärer Sonnenaufgang verwehrt bleibt, so können wir uns dennoch glücklich schätzen, eine gute Sicht und dekorativen Hintergrundnebel „geliefert“ zu bekommen. Ganz zu schweigen von dem Luxus, das Gelände um die Basteibrücke und die Ruine der Felsenburg Neurathen mit nur maximal 15 anderen Leuten, zumeist Fotografen, teilen zu müssen. Die Stille, das ständig wechselnde Licht und die mystische Atmosphäre sind mit Worten kaum angemessen zu beschreiben. Deshalb her mit den Fotos! Das letzte wurde von Stefan, alle anderen von mir aufgenommen.

Die Steinformationen und das ganze Setting sind doch der Hammer, oder? Doch nach etwas mehr als zwei Stunden siegt der Hunger! Und so entern wir das nahegelegene Restaurant des Berghotels Bastei, um uns in die Schlacht am Frühstücksbüffet zu stürzen. Da wir nur zu zweit sind, können wir uns als Externe spontan dort niederlassen.

Ordentlich abgefüllt, machen wir uns auf den Rückweg Richtung Bad Schandau. Kurze Unterbrechung an dieser Farborgie in Gelb. Der Raps ist schon in Hochform!

Kurzer Boxenstopp im Supermarkt und in der Wohnung, und weiter geht’s. Nur keine Müdigkeit aufkommen lassen! Fußläufig zur Wohnung liegt die Starthaltestelle der nostalgischen Kirnitzschtalbahn. Und von dieser lassen wir uns in aller Gemächlichkeit durch die wunderschöne Landschaft des gleichnamigen Tales bis zur acht Kilometer entfernten Endhaltestelle kutschieren. Das olle Teil braucht für die kurze Strecke sagenhafte 25 Minuten. Doch es gibt viel zu sehen am Wegesrand.

Am Endbahnhof wartet als Hauptattraktion der Lichtenhainer Wasserfall. Dieser wird jede halbe Stunde „geflutet“, indem das Wehr geöffnet wird. Und so mutiert das überschaubare Wässerchen für etwa eine Minute urplötzlich zum reißenden und sehr fotogenen Wasserfall, den Stefan sehr gelungen abgelichtet hat.

Außer dem Wasserfall gibt es hier noch ein Restaurant und ein paar Büdchen mit Tourikram. Nichts weiter. Aber hier starten diverse Wanderstrecken. Und so machen wir uns auf den Weg in den Kuhstall , den wir nach rund 30 Minuten erreichen.

Der Legende nach haben die Bewohner hier ihr Vieh während des 30-jährigen Krieges vor den schwedischen Soldaten versteckt. Selbige werden auch auf unserem morgigen Ausflug wieder eine Rolle spielen. Alter Schwede!

Die nähere Umgebung inspizieren wir bei der Gelegenheit gleich auch noch. Wahrlich faszinierend, was die Natur hier so alles an Formen hervorgebracht hat!

Wieder zurück, runter ins Tal zum Wasserfall. Rein in die Bahn, zwei Stationen weiter am Nassen Grund wieder raus. Da wir für heute noch nicht ausgelastet sind, wollen wir noch eine Wanderung dranhängen. Die Schrammsteine warten! Gestern hatten wir sie ja schon von weitem erblickt, doch heute wollen wir sie von oben herab behandeln, äh, betrachten.

Der Weg vom Tal hoch zur Aussichtsplattform namens „Schrammsteinaussicht“ ist mit wenigen Kilometern zwar nicht sonderlich lang, hat es jedoch in sich, was die Steigungen betrifft. Gekraxel über dicke Felsbrocken inklusive. Insbesondere auf der Schlussetappe sind bis zu 20% Steigungen zu überwinden, was nur noch mit Leitern zu bewältigen ist.

Doch der Weg ist wunderschön, und die Mühe lohnt sich. Auf 417 Metern über NHN bietet die Aussichtsplattform eine grandiose Sicht auf die Schramm- und Affensteine, auf das Elbtal und den gesamten östlichen Teil der Sächsischen Schweiz. Beim Hin- und Herlaufen auf der Plattform vermeide ich es bisweilen, auf den Boden zu sehen, denn der Weg führt über so manchen Felsspalt 😅.

Zurück ins Tal, wo uns am Nassen Grund die nächste Bahn aufgabelt und nach Bad Schandau zurückbringt. Feierabend nach 14 Stunden on tour und 20 Kilometern zu Fuß mit etlichen erklommenen Höhenmetern. Abends fallen wir früh in seligen Schlummer 😎. Bis morgen!

11 Gedanken zu “Tag 2: Sächsische Schweiz – Der frühe Vogel …

  1. Also jetzt habe ich definitiv Lust bekommen auf diese tolle Gegend. Wenn es sich irgendwie mal ergibt steht das auch auf dem Programm.
    Mich kostet das frühe „aufstehen“ immer Überwindung aber es lohnt sich im nachhinein doch ! Tolles Licht und wenig Touris !!!! Sind schon sehr schöne Fotos dabei und auch der Wasserfall gefällt mir sehr gut !!!! VG Manni

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    1. Sehr schön! Es freut mich ja immer sehr, wenn ich andere „anfixen“ kann mit meinen Reisezielen. Vielleicht klappt es ja mal für ein paar Tage, damit sich die längere Anreise für dich auch lohnt. Danke fürs Kompliment zu den Fotos!

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      1. Genau das macht doch Spaß auch mal Ausflugsziele kennenzulernen die man noch nicht kenne und wenn man die Gelegenheit mal hat in diese Regionen zu kommen fällt es dann sicherlich einem wieder ein !!!! Danke nochmals !!“!

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  2. 😍Tolle Bilder, auch in schwarz-weiß wirken sie klasse. Da sind bestimmt ein paar Speicherkarten gefüllt worden? Konntet ihr euch mit den Einheimischen verständigen…..😊

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    1. Danke! Die Speicherkarten fassen ja eine Menge, und wir waren nur wenige Tage unterwegs. Von daher hat jedem von uns eine Karte gereicht 😎. Die Verständigung mit den Locals klappte bis auf eine Ausnahme gut. Gescheitert bin ich nur am Schaffner der historischen Tram. Aber Stefan hat mich „gerettet“ 😂.

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  3. Wow! In Sachen Aufstieg/Leitern setzt ihr hier ja nochmal einiges drauf! Wieso heißen die Dinger denn Schramm- und Affensteine? Sieht fast beeindruckender aus als die Bastei, ist aber wahrscheinlich nicht so berühmt, weil der Weg so beschwerlich ist. Der Nebel war allerdings ein Highlight. Tolle Stimmung!

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    1. Die Bastei ist schon auch sehr beeindruckend, vor allem bei der tollen Stimmung am Morgen. Die Schrammsteine sind auch recht bekannt und beliebt, aber eher bei Kletterern 😅. Zur Herkunft des Namens der Schrammsteine habe ich nichts Plausibles gefunden. Zu den Affensteinen hingegen gleich zwei Varianten. Such dir die Schönere aus!

      „Zur Namensgebung der Affensteine sind zwei Varianten verbreitet. Nach einer Variante ist der Name auf die spektakuläre Flucht eines jungen Adligen zurückzuführen, der im Vorderen Raubschloss eingekerkert war. Der Legende nach besaß er einen zahmen Affen. Der Diener des Adligen band dem Affen ein Seil um den Körper und ließ ihn nachts den steilen Felsen erklimmen. Der junge Mann seilte sich ab und flüchtete nach Böhmen. Von dort aus verbreitete sich die Geschichte in die Sächsische Schweiz.

      Die wahrscheinlichere Erklärung führt den Namen der Felsgruppe auf den Uhu zurück, der hier nistete. Das altdeutsche Wort für Uhu lautet Auf und die Bezeichnung Aufensteine verschliff sich im Laufe der Jahre zu Affensteine.“

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