Stefan und ich leben beide schon seit mehr als drei Jahrzehnten in Berlin. Doch zu unserer Schande müssen wir gestehen, dass wir es bisher noch nie in das recht nahegelegene Mekka des Bauhauses geschafft haben. Und so nutzen wir recht spontan einen sonnigen Tag im April für einen Tagesausflug nach Dessau.

Kurz und knackig eine Handvoll Fakten über das Städtchen, das bereits 1213 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Seit 12 Jahren hört es auf den Namen Dessau-Roßlau, da es mit dem touristisch weniger bedeutsamen Nachbarstädtchen verschmolzen wurde. Heute leben hier rund 90.000 Einwohner. Bevor Dessau zum Mekka des Bauhauses avancierte, wurde es zum einen bekannt durch die Gründung des Philanthropinums als „Schule der Menschenfreunde“ Ende des 18. Jahrhunderts. Zum anderen entstanden rund 100 Jahre später hier die Junkers-Werke. Hier wurden zunächst Gasmotoren und Gasthermen hergestellt, später dann auch Flugzeuge. Die weltberühmte „Ju 52„, auch als „Tante Ju“ bekannt, ist euch doch sicher ein Begriff, oder?

Der RegionalExpress R7 bringt uns ohne Umstieg in rund eineinhalb Stunden bequem an unser Ziel. Und obwohl dieses in Sachsen-Anhalt liegt, gilt für unsere Tour das Brandenburg-Ticket, mit dem maximal fünf Personen für überschaubare 29 Euro den ganzen Tag beliebig durch die Bahn-Botanik gondeln können.

Doch bevor wir euch auf unsere Tour durchs Städtchen mitnehmen, möchte ich ein Novum hier im Blog ankündigen: Alle Fotos dieses Beitrages stammen von Stefan. Er, der der modernen Architektur noch mehr verfallen ist als ich, hat mich darum gebeten. Und diesem Wunsch komme ich gerne nach. Lässig habe ich deshalb auch meine Kamera gleich zuhause gelassen. Kann sie sich derweil weiter von der letzten Reise erholen. Und ich fröne dem „Damenprogramm“ 😅. Herzlichen Dank, lieber Stefan, für die gelungenen Werke, mit denen du diesen Beitrag bereichert hast!

Am späteren Vormittag verlassen wir den Bahnhof durch den West-Ausgang. Weit kommen wir nicht! Denn erst lockt uns das schicke Gebäude der Agentur für Arbeit, …

… und dann wenige Meter weiter der Campus der Hochschule Anhalt. Der Fachbereich Architektur ist hier selbstredend auch vertreten.

Entlang der Bauhausstraße erfreuen uns weitere ansehnliche Gebäude.

Und schon sind wir an DEM Bauhaus angekommen. Dieses Schätzchen aus Stahl, Glas und Beton von „Mister Bauhaus“ Walter Gropius repräsentiert genau die Idee des Architekten: Die Form gehorcht der Funktion. Als die Hochschule für Gestaltung aus Weimar vertrieben wurde, fand sie hier ihr neues Zuhause. Detaillierte Ausführungen zum Thema „Bauhaus“ würden an dieser Stelle zu weit führen. Wer Genaueres wissen möchte: bitte hier entlang!

Entlang der Gropiusallee …

… gelangen wir auf kurzem Weg zu den beeindruckenden Meisterhäusern, die bis heute als Inbegriff einer Künstlerkolonie gelten. Wie das Bauhaus selbst gehören sie zum UNESCO Weltkulturerbe. Wie sich herausstellt, sind wir jedoch unserer Zeit mal wieder voraus und zu früh nach Dessau gereist. Die Meisterhäuser befinden sich in den letzten Zügen der Sanierung, die pünktlich zu Ostern 2019 abgeschlossen sein soll. Insbesondere das Doppelhaus von Klee und Kandinsky bleibt uns deshalb dieses Mal vorenthalten. Ein Grund mehr, später noch einmal hierher zurückzukehren 😎. Andere jedoch sind zu besichtigen – was wir auch tun -, wenn auch hier und da im Inneren und Äußeren noch etwas gebastelt wird.

Weiter stadtauswärts Richtung Elbe. Dort wartet das wunderbare Kornhaus. Das 1930 fertiggestellte und 1996 denkmalgerecht renovierte Bauhausgebäude kommt uns nicht nur optisch sondern auch gastronomisch gerade recht. Wir stillen unseren nagenden Hunger auf der sonnigen Terrasse des Restaurants und genießen dabei auch den Blick auf die Elbe.

Beim Flanieren entlang des Elbufers schmieden wir schon fleißig Pläne für den nächsten Trip hierher. Denn die wunderbare Landschaft des Gartenreichs Dessau-Wörlitz werden wir heute im Rahmen eines Tagesausfluges nicht würdigen können. Der nächste schöne Sommerausflug kommt bestimmt!

Vorbei am kleinen Leopoldshafen gelangen wir zu einer idyllischen Parkanlage, dem Georgium, die wir der Länge nach durchqueren. An deren Ende (von der Elbe aus gesehen) werfen wir von außen noch einen kurzen Blick auf das Hauptgebäude des Tierparks, …

… und schon befinden wir uns wieder im Umfeld des Hauptbahnhofs. Einmal quer durch und auf der anderen Seite wieder raus. Schließlich haben wir ja noch nichts von der Innenstadt gesehen. Doch weit kommen wir nicht. Zieht uns doch gleich jenseits des Bahnhofs das Gelände des Umweltbundesamtes mit diversen spektakulären ökologischen Bauten in seinen Bann! Der historische Wörlitzer Bahnhof, der sich ebenfalls hier auf dem Gelände befindet, wurde gekonnt mit einbezogen und dient heute als Informationszentrum. Das heutige Titelbild zeigt im übrigen die Kantine des UBA.

Dass wir uns anschließend mit Blick auf die Uhr etwas sputen, stellt sich im Nachhinein als unnötig heraus. Doch noch ahnen wir nicht, was uns erwartet. Entlang der wenig attraktiven breiten Antoinettenstraße nähern wir uns der Innenstadt. Kurzes Verweilen an diesem Wohngebäude mit seiner Hingucker-Fassade …

… bevor wir am Ende der Straße den Stadtpark erreichen, der einen Teil seiner Fläche an das sich noch im Bau befindliche Bauhaus Museum abgeben musste. Wir wussten im Vorfeld, dass das Museum erst im September 2019 fertiggestellt und eröffnet wird, waren aber neugierig auf den Bau. Nun, was soll ich sagen? Da hätten wir dem Thema angemessen doch etwas mehr erwartet als diesen 08/15 Bau. Oder was meint ihr?

Trotzdem sind wir natürlich gespannt auf das, was ab Herbst diesen Jahres in seinem Inneren geboten wird! Wie wir heute von einem Mitarbeiter in einem der Meisterhäuser erfahren haben, wurde der Standort des Museums bewusst nicht im Umfeld der anderen Bauhaus-Bauten am westlichen Ende der Stadt, sondern direkt am Rand der Innenstadt gewählt, um die Besucherströme auch in diesen Teil der Stadt zu lenken. Als wir wenig später durch ebendiese laufen, begreifen wir auch, warum.

Das was wir dort zu bester Flanierzeit in der Fußgängerzone am späten Nachmittag vorfinden, ist mit dem Begriff Tristesse sicher nicht übertrieben negativ umschrieben. Viel Leerstand und Verfall, null ansprechende Gastronomie und entsprechend wenig los. Was für ein Kontrast zu dem der Elbe zugewandten charmanten Teil der Stadt westlich des Bahnhofs!

Um die geplante Neugestaltung des Schlossplatzes gibt es noch viel Diskussion, wie uns eine ältere Dame wissen lässt, als wir dort staunend stehen bleiben. Zur Zeit besteht die komplette Mitte aus einem Autoparkplatz. Die flachen Neubauten in der rechten Bildhälfte sollen einem Hotelneubau weichen, der, so die aufgebrachte Bürgerin der Stadt, wohl recht unnötig ist, da schon genügend Hotels in der Innenstadt mit ungenügender Auslastung zu kämpfen haben. Nun, möge die Eröffnung des Bauhaus Museums für einen ordentlichen Aufschwung des innerstädtischen Areals sorgen! Das jedenfalls wünschen wir dieser Stadt von Herzen.

Am durchaus sehenswerten Rathaus vorbei, …

… enteilen wir schleunigst dem Zentrum, das trotz des schönen Wetters jegliche Aufenthaltsqualität vermissen lässt. Schade! Aber – und ich wiederhole mich hier gerne – das wird bestimmt mit dem neuen Zugpferd bald besser. Die Innenstadt bekommt von uns auf alle Fälle eine zweite Chance!

Am frühen Abend dann zurück nach Berlin mit dem bewährten RegionalExpress. Schön war’s! Der Tagesausflug war eine wahrlich gute Idee, lieber Stefan!

4 Gedanken zu “Dessau – 100 Jahre Bauhaus

  1. Liebe Elke, lieber Stefan,
    Text und Fotos gefallen uns sehr gut.
    Es hat sich tatsächlich sehr viel getan, seit wir 2014 in Dessau waren. Es lohnt sich, nochmals hinzufahren. Wir haben tatsächlich auch sehr viel Gebäude weniger besucht als ihr, ich denke, wir saßen zulange an der Elbe!
    Stefan, nach welchen Kriterien entscheidest du, ob du ein Foto s/w oder farbig beläßt?
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende
    Susanne und Micha

    Gefällt 1 Person

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