Warnung an alle Lese-Phobiker! Dieser Beitrag besteht fast nur aus Text! Spätestens jetzt sollten alle Betroffenen auf einen anderen Kanal schalten 😎.

Um 4:30 Uhr ist die Nacht für mich vorbei. Hahn versus Muezzin 2:0. Letzterer sollte sich so langsam was einfallen lassen! Entsprechend zeitig sitze ich nach der Dusche auf der phänomenalen Dachterrasse, schaue dem Tag beim Erwachen zu und sehne das Frühstück herbei.

Am Nachbartisch lassen sich vier interessante Menschen nieder, die mir gestern schon aufgefallen sind, als ich hier an gleicher Stelle an meinem Blogbeitrag gebastelt habe. Jetzt ergreife ich die Gelegenheit und spreche sie an. Sie laden mich herzlich an ihren Tisch ein. Und dies ist der Beginn eines sehr unterhaltsamen und inspirierenden Vormittags mit vier mir fremden Menschen sehr unterschiedlichen Alters, die in punkto Reisen und Lebensphilosophie zu hundert Prozent auf meiner Wellenlänge liegen! Bitte gerne mehr davon 😎.

Da sind zum einen Burak und Daniel aus Freiburg, beide Mitte 30. Sie sind seit Januar auf einer Weltreise, die insgesamt neun Monate dauern wird und von der sie nicht mehr nach Deutschland zurückkehren werden. Sie haben ihren Haushalt aufgelöst und nur wenige ihnen wichtige Dinge bei Daniels Eltern untergebracht. Ihr restliches Hab und Gut passt in ihre Rucksäcke.

Burak ist selbstständiger Reiseleiter und eh ständig in der Welt auf Achse. So wird er auch während ihrer Weltreise Gruppen führen, so wie aktuell in Myanmar. Daniel wiederum hat seinen Bürojob an den Nagel gehängt. Denn nach dem Ende ihrer Weltreise werden die beiden ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen. Sie übernehmen eine Lodge von einer Bekannten in Costa Rica, dem Herzensland der beiden. Um mit Burak zu sprechen: Pura Vida! Wer sich für seine Touren interessiert, die er auch weiterhin für Kleingruppen anbieten wird, schaue bitte hier. Lasst euch nicht von dem „Backpacker“ im Namen irritieren. Er bietet durchaus komfortable Touren an.

Zum anderen sind da Marlies und ihre Freundin, beide aus der Schweiz, genauer gesagt aus dem Raum Basel. Sie sind beide um die 70 Jahre alt und sehr reisefreudig. Seit sie in Rente sind, genießen sie die damit verbundene zeitliche Freiheit und sind häufig auf Achse, gerne auch in exotischeren Ländern und immer auf eigene Faust. Marlies ist eine wahre Weltenbummlerin mit einer ordentlichen Portion Abenteuergeist. Ihre Begleiterin passt so gut zu ihr, weil sie „nicht gleich die Nerven verliert, wenn mal was nicht so klappt wie geplant“, so ihr O-Ton.

Zwischenzeitlich wächst die muntere Truppe um zwei weitere Leute an. Zwei sportliche Typen aus Bayern, geschätzt Ende 50, erzählen von ihrer Tour. Sie sind in Dubai gestartet – auf ihren Fahrrädern. Sie reißen täglich 70 bis 100 Kilometer runter und wollen jetzt von Nizwa aus die nahe Bergwelt erklimmen. Ebenfalls mit den Bikes, versteht sich.

Und so verfliegt der Morgen viel zu schnell, der eigentlich geplante kleine Abschieds-Rundgang durchs Städtchen fällt aus, und der Abschied steht an. Wir sehen uns wieder! Wann und wo auch immer.

Uiuiui, jetzt muss ich mich aber sputen und meine Sachen packen! Um Punkt 11 Uhr steht auch schon Amurs Freund in der Tür, um mich zurück nach Muscat zu fahren. Auch diese Fahrt wird dank der spannenden Unterhaltung sehr kurzweilig. Mein netter Fahrer lebt hauptsächlich in der Nähe von Nizwa, arbeitet wie Amur im Tourismus und teilweise auch mit ihm zusammen. Mit seinen zwei Brüdern und einem Cousin teilt er sich eine Wohnung in Muscat, weil alle vier dort viel beruflich zu tun haben.

Ich höre eine Menge spannende Dinge über Land, Leute und Gepflogenheiten, die sich für meine europäischen Ohren teilweise unglaublich anhören. So erfahre ich, dass jede(r) Omani im Alter von 23 Jahren auf Antrag in der jeweiligen Heimatgemeinde ein Grundstück für den Bau eines Hauses bekommen kann. Kostenlos, wohlgemerkt.

Die Beiträge zur Sozialversicherung liegen bei 11%, Steuern werden so gut wie keine gezahlt. Alles (noch) finanziert aus den Ölgeschäften, von denen der Oman (ich erwähnte es bereits an anderer Stelle) noch immer stark abhängig ist. Allerdings wird jetzt wohl eine sukzessiv ansteigende Steuer auf Öl erhoben.

Wir unterhalten uns über Gott und die Welt und auch über Konkretes, das sich vor unseren Augen abspielt. So bekommt jeder, der dabei erwischt wird, das Tempolimit zu überschreiten, zwei Gratis-Nächte im örtlichen Knast spendiert. Zur Nachahmung nicht empfohlen.

Kurzer, spontaner Stopp am Straßenrand, als ich dieses reizende junge Kamel (siehe Titelbild) entdecke 😍. Und weiter geht’s bis Muscat, wo wir nach insgesamt eineinhalb Stunden Fahrt ankommen.

Die Suche nach meinem Hotel gestaltet sich schwieriger als gedacht. Zwar sind wir auf Anhieb in der richtigen Straße gelandet, finden aber die Hütte nicht. Des Rätsels Lösung: das Hotel ist ein Guest House, das in einem normalen Wohnhaus untergebracht ist. Wir hatten beide nach einem Hotel mit entsprechend gut sichtbarem Namensschild gesucht. Doch es gibt nur ein unauffälliges kleines Messingschild am Eingang.

Für die letzten beiden Nächte habe ich mir eine Unterkunft etwas außerhalb gesucht und mich für Behlys Boutique entschieden. Es liegt fast unmittelbar am Strand und ist nicht weit vom Flughafen und der einen Sehenswürdigkeit, die mir noch in der Sammlung fehlt, entfernt. Mein Zimmer ist recht einfach (es gibt aber auch schickere Zimmer), aber die gesamte Anlage und auch die Gemeinschaftsräume sind sehr schön. Zudem gibt es einen großen Pool. Sehr wichtig für mich an den letzten beiden Tagen! Und dies ist die Aussicht von meinem kleinen Pool-Zimmer aus:

Den Nachmittag verbringe ich am und im Pool. Als die Hitze nachlässt, raffe ich mich zu einem kurzen Strandspaziergang auf. Zum ersten Mal auf dieser Reise bin ich ohne Kamera unterwegs. Doch der Ausgleich lässt nicht lange auf sich warten 😎. Am Strand kaspern sich vier junge einheimische Frauen dermaßen einen ab, ein Selfie hinzukriegen, dass ich meine Hilfe anbiete. Sie nehmen gerne an.

Genau wie wenig später ein junges Paar aus Ägypten, das sehr erstaunt ist, dass ich englisch spreche. Er habe gehört, teilt mir der junge Mann mit, dass Deutsche nur deutsch sprechen und andere Sprachen grundsätzlich verweigern. Ob er uns da wohl mit den Franzosen verwechselt hat? Ach, lassen wir das … Jedenfalls gut, dass wir darüber geredet und vor allem viel darüber gelacht haben 😅!

Zurück im Behlys, lerne ich Rahim, den lässig-gechillten Besitzer des Hauses kennen, der den mittleren Teil der Hausanlage selbst bewohnt. Wir unterhalten uns ein Weilchen, bevor ich mich nach diesem wortreichen, tollen Tag in meine Gemächer begebe und dem morgigen letzten Tag entgegen träume. Schlaft gut!

4 Gedanken zu “Tag 18: Nizwa – Muscat – Zieleinlauf

  1. Ich bin auch ganz beeindruckt, was manche Menschen so aus ihrem Leben machen! Insbesondere die beiden Damen um die 70! So habe ich meinen Ruhestand auch geplant.;)

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