Morgens packe ich meine Siebensachen, stärke mich am Frühstücksbüffet und mache es mir anschließend auf der Dachterrasse des Hotels bequem. Denn bis zur Abfahrt bleibt mir noch genügend Zeit, den nächsten Blogbeitrag in Angriff zu nehmen.

Amur, ihr kennt ihn schon von der legendären Wüstentour, hat mir einen Transfer nach Nizwa organisiert. Am späten Vormittag nimmt mich der Bruder eines Freundes von ihm in der Lobby in Empfang. Skeptisch versucht er, die Person vor sich mit dem Foto der Gestalt mit dem Massar auf dem Kopf in Einklang zu bringen. Denn der gute Amur hat ihm statt meines Namens einfach dieses Foto geschickt, das ich auch als Profilbild bei WhatsApp verwende 😅.

Rein in die Karre und auf ins Landesinnere. Ein Platz auf dem Rücksitz erübrigt sich für mich, da dort die Gurte nicht einsteckbar sind (eine omanische Spezialität!). Also nach vorne. Ist auch viel kommunikativer, wenn man nebeneinander sitzt. Und so unterhalten der Fahrer (verdammt, ich habe seinen Namen vergessen 🤦‍♀️) und ich uns über Allah und die Welt. Als ich irgendwann anmerke, dass ich sein Land wunderbar finde, gibt er mir eine unschlagbare Antwort: „Du bist wunderbar, weil du in mein Land gekommen bist.“

Nach eineinhalb Stunden erreichen wir Nizwa. Keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Glücksfall. Denn heute ist Donnerstag, der letzte Arbeitstag vor dem Wochenende, das hier aus dem Freitag und dem Samstag besteht. Am Sonntag startet dann wieder die nächste Arbeitswoche. Der übliche Nachmittagsstau im Großraum Muscat setzte heute offenbar erst später ein.

Quer durch die überschaubaren Suburbs, dann durch die Stadtmauer hinein in die historische Altstadt, wo ich die nächsten zwei Nächte verbringen werde. Als ich mein Hotel betrete, …

… traue ich meinen Augen nicht. Was für ein Schmuckstück! Ich wähne mich eher in einem Museum. Die vor zwei Monaten abgeschlossene Komplett-Renovierung dieser drei zusammenhängenden alten Stadthäuser ist wirklich gelungen! Mein Zimmer mit eigenem Bad (hinter der Tür auf dem ersten Foto rechts oben) ist klein, aber sehr schnuckelig. Seht selbst:

Vor meinem Zimmer liegt der Flur des Erdgeschosses, …

… durch den man in den Aufenthaltsraum kommt, …

… wo mir und einem zeitgleich mit mir angekommenen Paar aus Frankreich von dem netten Herrn von der Rezeption ein heimeliger Empfang mit Kaffee (lecker: mit Kardamom), Datteln, Tahini (süße Sesampaste) und Sesamkörnern bereitet wird. In dieser trauten Runde bekommen wir dann auch gleich viele Infos (Frühstückszeiten, WLAN-Passwort, sonstige Hotelformalitäten, Öffnungszeiten in der Stadt etc.). Auf diese Weise ist das doch gleich viel netter als die übliche Info-Mappe im Zimmer. Oder?

Anschließend gibt es noch eine kleine Führung durch das Haus, in dem auch kleine „Museumsecken“ mit alten Gegenständen integriert sind.

Das Genialste am ganzen Haus jedoch ist die Dachterrasse, auf der morgens auch das Frühstück serviert wird, und von wo aus man einen grandiosen Blick auf die Silhouette der Altstadt hat (siehe heutiges Titelfoto).

Zu faul zum Hochscrollen? Dann hier noch mal eine ähnliche Aufnahme von besagtem Blick auf die Stadt:

Und wenn wir schon dabei sind: die Terrasse hat noch zwei weitere Seiten, von denen aus man die Umgebung betrachten kann.

Na? Gefällt es euch auch so gut wie mir? Dann empfehle ich euch voller Überzeugung das Antique Inn. Es hat noch keine eigene Webseite, ist aber über die üblichen Buchungsportale zu finden.

Jetzt aber raus ins Städtchen! Weit komme ich nicht, denn um die Ecke lockt mich dieses Restaurant zu sich. Der Hunger lässt grüßen!

Gut gesättigt lasse ich mich durch die kleinen Gässchen der Altstadt treiben und verschaffe mir einen ersten Eindruck von dem Städtchen, das an diesem Donnerstagnachmittag recht still und beschaulich wirkt. Wollt ihr mit? Na dann los!

Raus aus dem Altstadtkern. Mal sehen, was „draußen“ so geht.

Doch bevor es dunkel wird, will ich mir noch einen groben Überblick über den Souk verschaffen, der einen nicht unbeträchtlichen Teil der Altstadt einnimmt.

Nach dieser ersten Runde steht fest: Nizwa und ich werden sicher gute Freunde! Zurück ins Hotel, wo mich dezenter Weihrauchduft empfängt. Doch die Dachterrasse ruft! Und alle Muezzine dieser Stadt gleichzeitig auch 😎. An diesem wunderbaren Ort mache ich es mir bequem, lasse den Tag gedanklich Revue passieren, schaue zu, wie das Tageslicht verschwindet und werde mir bewusst, wie gut das Leben es mit mir meint. Da bleibe ich doch liebend gerne auf dem Teppich. Auch wenn der Ausblick auf die Stadt und die Berge eher zu Höhenflügen animiert.

20 Gedanken zu “Tag 16: Muscat – Nizwa: Auf dem Teppich geblieben

  1. Sehr schön, wie das soziale Leben so beneidenswert im Freien stattfinden kann, bei den Temperaturen. So als Naturbursche bin ich da schwer beeindruckt. Natürlich auch von den vielen Informationen und Fotos. 😜

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  2. Danke für’s mitnehmen, liebe Elke.
    Ja, die Gastfreundschaft im Norden Afrikas ist enorm. Wir waren in Marokko und haben dort eine Rundreise gemacht und waren auch immer wieder angetan vom Essen und der Freundlichkeit und der bunten Welt, die der unseren so fremd ist.
    Die Verbotsschilder haben mir gefallen. Ich hatte in den Moschees, die wir besichtigt haben, auch immer einen Schal um den Kopf, sowie ich in Florenz meine Schultern und Knie bedecke, wenn ich in den Dom gehe.
    Im Januar war ich in Köln in St. Gereon und musste tatsächlich 2 schon ältere Ehepaare, die sich lautstark in der Kirche über Tischdecken unterhielten, darauf hinweisen, dass ihnen der nötige Respekt in einem Gotteshaus fehlt. Sie sind zwar herausgegangen, um sich weiter zu unterhalten, aber ich habe kein Verständnis in ihrem Blick gesehen.
    Ich finde, auch wenn man nicht gläubig ist, kann man respektvoll die Orte besuchen.
    Bist du schon wieder in Berlin angekommen oder treibst du dich immer noch in der Weltgeschichte herum?
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

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    1. Susanne: @ Marokko: mich würde ja mal interessieren, wie es dort ist, wenn man als Frau alleine reist. Im Oman war das überhaupt kein Problem. Ich habe aber vereinzelt schon davon gehört, dass Marokko diesbezüglich ein etwas anderes Pflaster ist. Auch was allgemein Aufdringlichkeit (u.a. beim Verkaufen) betrifft. Im Oman waren ja nur die Taxifahrer etwas anstrengend. Kannst du da etwas dazu sagen, auch wenn ihr zu zweit ( männliche Begleitung?) unterwegs wart?

      Ja, Respekt ist ganz wichtig, wenn man in anderen Kulturen unterwegs ist. Dazu gehört auch angemessene Kleidung. In Moscheen kommt man, wenn überhaupt als Nicht-Muslim, als Frau nur mit Kopfbedeckung rein, zumindest in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Oman. Aber auch sonst ist es ratsam und auch respektvoller, wenn man in arabischen Ländern Schultern und Knie bedeckt, keine tiefen Ausschnitte und keine enge Kleidung trägt. Und ja, was du von deiner Erfahrung in Köln berichtest, habe ich auch schon in Kirchen erlebt. Manche machen sich leider so gar keinen Kopf! Ich finde es gut und richtig, dass du was gesagt hast. Im übrigen bin ich mittlerweile wieder in Berlin.

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      1. Liebe Elke,
        ja, die Verkäufer sind in Marokko schon aufdringlich beim Verkaufen. Ich habe die gleichen Erfahrungen vor 30 Jahren (;-) ) in Ägypten gemacht. Ich persönlich würde mich als Frau nicht unbedingt alleine in Marokko sicher fühlen. Ich weiss aber, dass auch Marokko viele Frauen alleine bereisen. Ich hatte in Südafrika und Namibia zum Beispiel ein viel sicheres Gefühl und würde beide Länder auch als Frau alleine bereisen. In Marokko fühlte ich mich als Frau schutzloser.
        Schön, wenn du wieder in Berlin bist, dann können wir unser Kaffee Projekt in Angriff nehmen. Wollen wir einen Termin über E-Mail verabreden?
        Liebe Grüße von Susanne

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        1. Ich denke, man kann Länder wie Ägypten oder Marokko als Frau durchaus alleine bereisen, ohne wirklich gefährdet zu sein. Die Frage ist für mich eher, wieviel Nerverei ich gewillt bin während einer Reise hinzunehmen. Und da sind meine Grenzen eher eng gesteckt 😅. @ Treffen: Sehr gerne! Ich melde mich per Email.

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          1. So!
            Nun habe ich deine letzten drei Reisetage in Ruhe gelesen. Bei deinem Bericht über die größte Moschee des Landes musste ich an die Hassan II Moschee in Casablanca denken. Sie ist eine der größten Moscheen der Welt und war seHr beeindruckend. Obwohl ich mitunter kleiner feiner empfinde.
            Ich freue mich auf unser Treffen, viele Grüße von Susanne

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  3. Liebe Elke, das ist aber wunderschön gemütlich und einladend wie auch gepflegt dieses Hotel!! Ich hoffe Du hast himmlisch gut geschlafen. Der Ort erinnert mich auch an Marokko ….guter Minztee, trockene Früchte, Hotels im orientalischen Stil und die gute Küche! Die marokkanischen Männer sind aber mit Vorsicht zu geniessen….! Andere Frage: Hatten die Männer, besonders Deine Begleiter in der Wüste, auch Interesse am europäischen Leben ? Oftmals fragen sie doch auch ob man verheiratet ist und Kinder hat. Wie war Deine Erfahrung damit als alleinreisende Frau? Grüssis von Sabine

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    1. Ja, liebe Sabine, das Hotel war wirklich klasse. Ich habe auch gut geschlafen dort – zumindest bis mich der Nachbars-Hahn und kurz danach der Muezzin so gegen 4: 30 Uhr aus dem Schlummer gerissen haben 😅. @ Marokkanische Männer: habe ich auch gehört, war aber selber noch nicht da. Nützt da nicht unser mittlerweile fortgeschrittenes Alter, frage ich mich?

      Zu deiner Frage: Einer unserer Begleiter, Amur, war ja, wie ich auch in einem der Berichte erwähnt habe, schon oft in Europa. Von daher ist er mit unserer Kultur schon recht vertraut, darüber hinaus auch aus seinen Erfahrungen mit europäischen Touristen im Oman. Alis Englischkenntnisse hingegen reichten nicht aus, um sich mit uns über solche Themen zu unterhalten. Die Frage explizit nach Ehemann und Kindern habe ich persönlich hier nicht gehört. Ist mir auch in den Emiraten letztes Jahr nur ein einziges Mal gestellt worden.

      Meine Erfahrungen als allein reisende Frau im Oman waren durchweg positiv. Die einzig nervende Zunft waren die Taxifahrer, aber die haben Männer genauso penetrant belabert. Von daher: alles total easy!

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  4. Hallo Elke,
    da könnte ich nicht auf´m Teppich bleiben. Würde vor lauter Freude hüpfen. Was für ein Hotel, da fällt mir keine Superlative zu ein. Wahnsinn. Danke dir für die herrliche Reise und die tollen Aufnahmen.
    Macht mir immer unglaublich viel Spaß dabei zu sein.
    Liebe Grüße, Peter

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  5. Da hast du dir wirklich eine hübsche Hotel-Perle ausgesucht. Nizwa scheint eine schöne grüne Oasenstadt inmitten karger Umgebung zu sein. Das erinnert tatsächlich ein wenig an das marokkanische Atlasgebirge und die dortigen Städte mit den Kasbas und alten Stadtmauern. Allerdings befürchte ich, können die Omanis mit der Aufdringlichkeit der Nordafrikaner nicht mithalten.😅 Der Sonnenuntergang ist im Übrigen sehr gelungen gewesen.🌅👍

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    1. Ja, Nizwa ist wirklich eine schöne Stadt. Die Umgebung hat aber wohl auch einiges zu bieten, auch wenn es aus der Ferne betrachtet sehr karg aussieht. So liegt z.B. Der „Grand Canyon des Oman“ nicht weit von Nizwa entfernt. Hatte dieses Mal keine Zeit dafür eingeplant, aber beim nächsten Mal ist der fällig 😎. Erste Eindrücke siehe hier: https://franks-travelbox.com/naher-osten/oman/wadi-nakhar-der-grand-canyon-des-oman/

      @ Aufdringlichkeit: das ist wohl so!

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  6. Hallo Elke, hast du zufällig noch Kontaktdaten des Antique Inn? Es lässt sich zwar über Online Portale buchen, aber ich benötige einen direkten Kontakt ins Hotel und trotz stundenlanger Suche habe ich noch keine Telefonnummer oder Emailadresse gefunden. Kannst du mir weiterhelfen?
    Liebe Grüße,
    Heike

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