Zwischen Mutrah und Alt-Muscat verläuft über eine Anhöhe Omans älteste befestigte Straße: die Riyam Road. Bis 1970 war sie im übrigen die einzige! An gleicher Stelle wurden seinerzeit die Waren vom alten Hafen zum Souk von Mutrah über alte Eselspfade transportiert.

Mein Reiseführer schwärmt von dieser stellenweise noch original erhaltenen Trasse und dem schönen Ausblick, den man von der Anhöhe aus auf die Altstadt mit dem Sultanspalast hat. Muss ich da also auch noch hin 😎.

Als ich dem Taxi-Zuweiser im Hotel meinen Sonderwunsch mitteile, wundere ich mich zunächst, was er sich mit dem herbeigerufenen Fahrer so alles zu erzählen hat. Als wir später in die besagte Straße einbiegen, lüftet der junge Fahrer grinsend das Geheimnis: er hat von dieser Straße noch nie etwas gehört, geschweige denn ist er sie bisher jemals entlang gefahren. Klar, die Küstenstrecke ist ja auch wesentlich komfortabler und schneller zu bewerkstelligen. Touristen aus aller Welt aber scheren sich nicht unbedingt um Effizienz und Schnelligkeit, sondern wollen das Schöne sehen, gell? Wie gut also, dass ich in sein ahnungsloses Leben getreten bin 😅!

Zwei Fotostopps legen wir nach meinem Gusto ein. Mein „Pech“, dass sich herausstellt, dass die Abendsonne die bessere Wahl gewesen wäre. Doch was soll’s. Man kann nicht alles haben. Live und in Farbe war es trotzdem schön und hat sich gelohnt. Hier für euch ein kleiner Eindruck vom Blick von oben auf die Altstadt mit dem Palast am rechten oberen Bildrand.

Den gleichen Weg über die alte Straße zurück und „Rauswurf“ an der Corniche. Big Bus, die Zweite, ihr erinnert euch vielleicht. Dieses Mal kann ich entspannt den Details der Erläuterungen lauschen. Denn erstens kenne ich den Rundparcours schon von gestern und will nicht mehr so viel bei laufender Fahrt fotografieren, und zweitens lauere ich heute nicht auf jeden Stopp.

Heute ist eine lässige Gangart angesagt. Hier und da doch noch ein Foto aus dem Bus heraus geschossen, …

… und schon erreiche ich mein heutiges Ziel: Qurum Beach, zu gut deutsch Mangrovenstrand. Mein Reiseführer preist ihn als den längsten und schönsten Strand der Stadt an. Also bin ich hier heute richtig!

Jetzt an einem Vormittag mitten in der Woche geht es noch sehr ruhig und beschaulich zu. Selbst das Outdoor-Fitnessstudio ist verwaist.

Und so mache ich mich gemächlich auf zu einem gemütlichen Spaziergang entlang der schönen Promenade. Bald taucht in nicht allzu großer Ferne ein schickes Hotel auf.

Als ich mich diesem Strandabschnitt nähere, bemerke ich schnell, dass hier eine Menge Leben in der Bude ist. Auftritt der Fischer! Und auch der faulen Vogelbrut, die hier schamlos schmarotzt und sich ihren Anteil gleich aus den Netzen abgreift 😎. Dazu ein paar Paparazzi, eine unbeeindruckte Omani und ich als staunende Touristin. Bilder sagen hier mehr als tausend Worte.

Eine ganze Weile erfreue ich mich an dem lautstarken Spektakel direkt am Ort des Geschehens und wundere mich, dass die Fischer hier recht spät dran sind. Immerhin ist es schon 11 Uhr. Und auch das „Tütenfischen“ habe ich so bisher noch nicht gesehen. Die Fortsetzung der spannenden Szenen betrachte ich dann aus dem kühlenden Schatten des netten Marina Cafés direkt am Strand heraus bei einer erfrischenden Limetten-Minze-Limonade.

Weiter am weitgehend leeren Strand entlang, vorbei an dem einen oder anderen schmucken Häuschen, …

… bis mich der Hunger an die Versorgungsmeile zurück treibt. Bei Darcy’s genieße ich im Schatten eine leckere Bowl …

… und harre dann an der Promenade auf den nächsten Big Bus. Die Wartezeit verkürze ich mit Schmökern im Reiseführer, und schwups geht es weiter. Allerdings nicht sehr weit 😅. Denn ich will nur zum nächsten Strandabschnitt und bin zu bequem, die gleiche Strecke wieder am Strand entlang zu laufen. Denn heute ist ja der Tag der Faulheit! Zumindest bei mir.

Next Stop. Raus aus dem Bus und checken, was an diesem Küstenabschnitt so geht: Ein, zwei Hotels, zwei Cafés und ein Blick ins „Hinterland“ des Strandes. Hier sehe ich endlich auch die Namensgeber des Strandes in der Ferne.

Schon lange nicht mehr gechillt 😂! Bei dem schicken Starbucks …

… gönne ich mir zur Abwechslung wieder ein erfrischendes Kaltgetränk, genieße die entspannte Atmosphäre …

… und philosophiere so still vor mich hin. Na wenn das nicht die passende Gelegenheit ist, euch endlich einmal ein paar Worte zum hiesigen Staatsoberhaupt und der Entwicklung des Omans im 20. Jahrhundert angedeihen zu lassen! Schließlich habe ich euch lange genug mit diffusen Andeutungen hingehalten.

Bis 1970 herrschte im Oman der Vater des heutigen Sultans, Said bin Taimur. Als dieser 1932 sein Amt antrat, war das Land bitterarm, abhängig von den Briten und innenpolitisch instabil. An diesen drei Stellschrauben versuchte Said zu drehen, ist aber damit mehr oder weniger gescheitert. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte er eine rigide Sparpolitik, von der er auch dann nicht mehr lassen konnte, als die Petrodollars üppig flossen. Vor großen Ausgaben schreckte er zurück. Die aber waren dringend nötig, um die Modernisierung des Landes voranzutreiben.

Und hier kommt sein Sohn, der heutige Sultan Qaboos ins Spiel. 1970, im Alter von etwa 30 Jahren, schaute er dem Treiben seines Vaters nicht länger zu und „entfernte“ ihn aus dem Amt. Seit diesem Zeitpunkt nahm die wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Entwicklung des Omans gewaltig an Fahrt auf. Dramatisch ausgedrückt könnte man sagen, dass er das Land binnen 50 Jahren vom Mittelalter in die Moderne katapultiert hat.

Er ist natürlich kein gewähltes Staatsoberhaupt, genauso wenig wie der Oman eine Demokratie nach unserem westlichen Verständnis ist. Doch was ich aus einigen Gesprächen mit Omanis mitgenommen habe, ist, dass der Sultan ein enormes Ansehen in der Bevölkerung genießt. Und das nicht nur, weil er die kruden Erlasse seines Vaters (Verbot von Sonnenbrillen und Fußballspielen, geschlossene Stadttore in Muscat nach Sonnenuntergang etc.) ins Nirwana geschickt hat.

Vielmehr hat er eine Menge in Infrastruktur, medizinische Entwicklung und Bildung gesteckt, statt die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in politischen oder militärischen Grabenkämpfen zu versenken. Ihr habt in den Nachrichten oder in den Medien selten bis nie was vom Oman gehört? Eben genau deswegen. So findet u.a. der desaströse Krieg im benachbarten Jemen ohne Einmischung des Omans statt. Außenpolitische und militärische Neutralität werden hier bis heute großgeschrieben, wenngleich es natürlich einen Militärapparat gibt.

Nun geht Sultan Qaboos mittlerweile auf die 80 zu und ist gesundheitlich angeschlagen. Bis vor kurzem ließ er sich wegen seiner Krebserkrankung in Garmisch-Partenkirchen behandeln, wo er auch ein Anwesen besitzt. Es ist nichts von eigenen Nachkommen bekannt. Und so kann nur spekuliert werden, wen er dereinst zu seinem Nachfolger ernennen wird. Möge ein eventuelles kurzfristiges Machtvakuum nach seinem Tode nur nicht zu einem Militärputsch führen. Das jedenfalls hoffe ich für dieses Land.

So, nun habt ihr einen groben Einblick in die Interna des Landes, von mir etwas holzschnittartig eingedampft. Zurück zur Leichtigkeit meines Seins!

Nachdem ich das kühle Nass in meine Kehle habe laufen lassen, schlendere ich am Strand zurück zur Hauptpromenade und schaue dort dem nachmittäglichen Treiben vor schöner Kulisse zu.

Nur die Sportler lassen noch auf sich warten.

Am Spätnachmittag nehme ich den letzten Bus und lasse mich bis zur Endstation an der Corniche kutschieren. Dabei banne ich von oben herab noch das eine oder andere Motiv auf die ächzende Speicherkarte.

Am Souk angekommen, genieße ich am frühen Abend die lebhafte und gleichzeitig entspannte Atmosphäre in Mutrah. Die Masse der Tagestouristen von den Kreuzfahrtschiffen hat sich verflüchtigt. Umso mehr Einheimische flanieren jetzt hier mit ihren Familien.

Mit dieser wie ich finde stimmungsvollen Aufnahme vom Hafen in Alt-Muscat in der Dämmerung verabschiede ich mich für heute von euch. Morgen geht es weiter nach Nizwa!

6 Gedanken zu “Tag 15: Muscat – Beach Life

  1. Ah, wieder einen schönen stilistischen und fotografischen Einblick in dieses schöne Land. Danke Elke!
    @Nachfolger für Oman: also ich finde, dass jetzt auch mal die Zeit für eine Frau als Oberhaupt ist. Da Du Dich jetzt schon besser als das einheimische Jungvolk im Lande auskennst, wie wär’s? Ich komme mit. So die „alten“ Tage in Sonne und Wärme verbringen, hätte schon was… 🙂

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    1. Ich als Sultanine von Oman! Das wäre es doch 😅! Ich werde mich da mal ins Spiel bringen. Und du kannst dann das Damenprogramm durchziehen und den ganzen Tag lasziv in der Sonne abhängen 👍😘.

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    1. Ja, der Strand war wirklich recht schön. Vereinzelt gehen auch Leute baden. Die Wassertemperatur ist ja auch angenehm. Aber die Strömung ist nicht zu unterschätzen! Aber insgesamt haste schon recht: so populär wie bei uns scheint das Baden im Meer bei den Einheimischen im Oman nicht zu sein. Der Starbucks war wirklich schick!

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  2. Liebe Elke,
    manchmal bin ich auch dabei und heute bin ich indisket, bestimmt verstößt das gegen alle Regeln hier so in der Öffentlichkeit: ich wünsche Happy Birthday gehabt zu haben! Wenn man die Berichte und Fotos anschaut, war er das auch. Alles, alles Gute für Dich und komm gesund wieder – das mit dem Oberhaupt halte ich für keine gute Idee. Nur Sonne wird doch langweilig. Hier gibt es tolle Graupelschauer, Sturmböen und blühende Krokusse. Auch ganz schön. Viele liebe Grüße!

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    1. Frau M.! Sie hier! Bin hocherfreut! Und Danke für die Glückwünsche. Deinen Hang zur Indiskretion kann ich gerne teilen, indem ich ein wohlgehütetes Geheimnis lüfte: ich bin schon wieder zurück in Berlin 😅. Die Berichterstattung hängt etwas hinterher … Mein Geburtstag war aber auch in den heimischen Gefilden sehr schön. Trotz Berliner Wetter. Sonne und langweilig? Na ich weiß ja nicht … Ich glaube, ich bewerbe mich auf den Sultaninenjob!

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