Tag 4: Mit dem Bus nach List. Die nördlichste Gemeinde der Insel gehörte bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu Dänemark, was sich bis heute in Sachen Erbrecht bemerkbar macht: die knapp 1.300 ha Listland befinden sich komplett in privater Hand alteingesessener Lister Familien. Wer sich schon jemals gefragt hat, wieso man für das letzte Stück der Strecke zum berühmten Ellenbogen Maut zahlen muss: das ist die Antwort darauf.

Am Hafen steige ich aus. Zu dieser Jahreszeit ist draußen gar nichts, in der „Shopping Mall“ nur sehr wenig los.

In der Saison ist dieses Areal dank des „Fischkönigs“ Jürgen Gosch das pulsierende Herz des Ortes. Seine kleine Verkaufsbude verwandelte er im Laufe der Jahre in eine Event-Gastronomie, die in mehreren Orten zu finden ist, längst auch außerhalb der Insel. Mittlerweile hat sein Nachname als Verb Einzug in die Alltagssprache gehalten. „Lass uns goschen gehen“ wird allseits verstanden 😎.

Doch mir ist weder nach Essen noch nach Shopping zumute. Ich will die grandiose Natur sehen. Überflüssig, zu erwähnen, dass ich auch hier fast alleine auf weiter Flur bleibe.

Vorbei an den Strandsaunen …

… bahne ich mir den Weg zu einer weiteren Attraktion der Gegend. Denn im Listland liegen die letzten Wanderdünen Deutschlands. Der meist lebhafte Westwind sorgt dafür, dass sie ständig in Bewegung bleiben. Die „Sylter Sahara“ steht unter strengem Naturschutz, darf nicht betreten werden und ist bei jedem Wetter sehr ansehnlich. Bis zu 35 Meter hoch, macht sich die größte von ihnen bis zu zwei Kilometer breit.

Der nächste Bus bringt mich nach diesem schönen Tag am späten Nachmittag zurück nach Westerland. Dort wartet das übliche Programm auf mich 😎.

Tag 5: Höchste Zeit, die windigen Gestalten vor dem Westerländer Bahnhof in Szene zu setzen!

Danach hüpfe ich in den Bus nach Kampen. Dieses Örtchen steht stellvertretend für alle Klischees und Vorurteile, die so manche(r) über Sylt pflegt: Promis, fette Autos, Jetset, unbezahlbare Immobilien, Schickimicki und Party. Auf der „Whisky-Meile“ tobt im Sommer auf gerade mal 300 Metern Länge in der Tat der gehobene Mob.

Was Kampen jedoch in Wirklichkeit ausmacht, ist die grandiose Landschaft, in die der Ort eingebettet ist. Dünen, Watt, Heide, offene See, Kliff und Strand geben hier alles, um sich fotogen und idyllisch in Szene zu setzen.

Ich flaniere erst einmal durch die stillen Sträßchen, bewundere Kunst und die hochherrschaftlichen Hütten, …

… und flaniere anschließend gemächlich am Watt entlang.

Als ich mich danach den Dünen und der offenen Nordsee nähere, traut sich doch glatt die Sonne heraus, um die Naturschönheiten noch mehr glänzen zu lassen. Auftritt Kampen! Die Fotos sagen vielleicht nicht alles, aber doch einiges.

Ein Café-Restaurant direkt am Strand lockt mich zu einer kurzen Pause mit Kaffee und Kuchen – und einem guten Ausblick.

Wieder draußen, laufe ich am Strand entlang Richtung Süden, wo mir schon bald das berühmte Rote Kliff majestätisch in der satten Nachmittagssonne entgegen strahlt. 120.000 Jahre Erdgeschichte werden hier erzählt. Das Kliff sieht an jeder Stelle anders aus. Schaut selbst!

Oberhalb des Kliffs verläuft ein Dünenweg, der mich zur höchsten Erhebung der Insel bringt.

Die Uwe-Düne ragt mit 52 Metern hoch genug hinaus, um all denen, die die Stufen nach oben erklimmen, einen tollen Rundumblick über die Insel zu bieten.

Auf dem besagten Dünenweg setze ich meinen Weg fort, immer wieder unterbrochen von dem einen oder anderen Fotostop. Die Landschaft ist eben zu schön!

Irgendwann lande ich in Wenningstedt, flaniere an der Promenade entlang, …

… und lasse mich später vom nächsten Bus zurück nach Westerland kutschieren. Einer Eingebung folgend, nehme ich nach dem Essen auf dem Weg zurück ins Hotel in der einsetzenden Dämmerung einen kleinen Umweg über die Strandpromenade. Versprach doch der „zerfetzte“ Himmel tagsüber heute einen durchaus ansehnlichen Sonnenuntergang! Danach habe ich mir das Ihr-wirst-schon-Programm dann redlich verdient.

Tag 6: Ausschlafen, packen, gemütlich frühstücken und auf zum Bahnhof. Via Hamburg geht es zurück nach Berlin. Toll war’s! Auf der Fahrt bleibt genügend Zeit, gleich den nächsten Trip gedanklich in Angriff zu nehmen. Dass ich wieder so viele Jahre verstreichen lasse, bis ich hierher zurückkomme, kommt absolut nicht infrage! Farin Urlaub kann davon auf ärztlichen Rat ein passendes Lied singen 😎.

12 Gedanken zu “Tage 4 bis 6: Sylt im November – die Fortsetzung

  1. …nun schön ist es in jedem Fall hier und nicht nur auf der oder den anderen Inseln. Festland hat genauso viel Flair und die Nordfriesen sind ein eigener Schlag Leute, alles geht ruhiger ab, wie woanders hier oben…
    schönen Gruss von der Nordseeküste…

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      1. Gruss aus dem Marschland, 3km zur Küste…waren lange im Umzugsstress…jetzt laden alle Akkus für neue Fotos…Wetter heute noch bitterkalt…
        Bis dieser Tage… wenn alle Kameras wieder aufleben…hoffe alle sind OK.
        Sind Rheinländer im Exil hier oben, bisher mehr Mitte u. Ostküste – doch hier in NF ist alles ruhiger u. freundlicher, die Zeit geht hier komischerweise irgendwie langsamer…

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  2. Hast ja Glück gehabt, dass du auf dem Dünenweg nicht fort geflogen bist. Echt cool fand ich auch die schönen grünen schiefen Männchen . Wie immer sehr schöne Aufnahmen.

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  3. Schöne Strand- und Dünenbilder. Der Erfinder der grünen Männchen hatte ja Humor…Mutter sehr muskulös und versehnt, Kind steht Kopf, usw. Was du immer so findest. Schön auch, dass doch noch mal die Sonne herauskam.

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  4. Unser Norden ist doch immer wieder wunderhübsch! Auf Sylt war ich auch schon drei mal. Es ist immer einen Besuch wert, zu jeder Jahreszeit. Die Landschaft ist total einzigartig. Und du hast sie toll auf deinen Fotos eingefangen.
    Liebe Grüße,
    Maike

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