Um zehn Uhr morgens formiert sich die Parade der Jungs mit den roten Röcken und den Bärenfellmützen, um am Ende des Weges auf dem Parliament Hill zu exerzieren. Zumindest im Sommer ist das so. Und der ist nach hiesiger Tradition ab Anfang September offiziell vorbei. Also nix mit „Changing of the Guard“! Zu dieser Jahreszeit findet der berühmte Wachwechsel nur noch vor dem Nationalen Kriegsdenkmal statt. Und bis wir dorthin gehechtet sind, ist die Show auch schon vorbei … Next time! Oder mal in London 😎.

Ein sanfter Nieselregen geht auf uns nieder, die Temperatur ist unverändert und die Luftfeuchtigkeit entsprechend höher. Vorbei an diversen versteinerten Gestalten …

… bleiben wir oberhalb des Schleusenparks stehen und genießen die Aussicht.

Der Schleusenpark liegt zwischen dem Parliament Hill und dem Château Laurier. Dank acht von Hand bedienten Schleusen überwinden hier Haus- und Sportboote die 24 Meter Höhenunterschied zwischen dem Rideau Canal (oben) und dem Ottawa River (unten).

Weiter geht’s zur Alexandra Bridge, die die beiden ungleichen Schwestern Ottawa und Gatineau verbindet. Überquert man den Ottawa River über diese Brücke, verlässt man gleichzeitig Ontario und wird in Québec willkommen geheißen. Freilich auf französisch!

Auf der Brücke selbst bieten sich gleich mehrere schöne Aussichten. Auf Seiten der Hauptstadt mal wieder der Parliament Hill, dieses Mal im Rahmen, …

… und in Richtung Gatineau zieht das grandiose Canadian Museum of History erfolgreich die Blicke auf sich. Die Form des Gebäudekomplexes symbolisiert den aus Gletscher-Formationen entstandenen Canadian Shield. Kein Museum in Kanada zieht mehr Besucher an als dieses! Mehr davon? Geduld! Kommt noch.

Unübersehbar gleich rechts am Ende der Brücke lockt uns erst einmal die Mosaiculture in ihr Reich. Was uns dort an Pflanzenkunst geboten wird, ist unfassbar klasse! Vergleichbares habe ich bisher noch nie gesehen. Netterweise hat auch der Regen ein Einsehen und lässt uns trockenen Fußes diese phantastische Ausstellung mit ihren 125 Kunstwerken erleben. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Die Fotos sprechen für sich.

Ziemlich geflasht überqueren wir danach die Straße und stehen vor dem schon vorgestellten Canadian Museum of History, äh, Verzeihung, es muss natürlich Musée canadien de l’histoire heißen. Wir sind ja hier schließlich im französischsprachigen Québec. Wie auch immer ihr es nennen wollt: auch aus der Nähe betrachtet ist es eine Augenweide.

Bevor wir die Heiligen Hallen betreten, posen diese beiden adretten Jungs am Flussufer für mich. Ziemlich beste Freunde, wie es scheint!

Nun aber rein mit uns. Auch innen überzeugt das Museum mit beeindruckender Architektur und darüberhinaus natürlich mit interessanten Ausstellungen. Entgegen unseren ursprünglichen Plänen verzichten wir jedoch heute auf letztere. Das Museum ist zu riesig, um am verbliebenen Nachmittag auch nur annähernd das anzusehen, was das Haus zu bieten hat. Hinzu kommt, dass dieses Labour Day Weekend mit vielen Familien mit Kindern im Museum wohl auch nicht das beste Datum ist, um in Ruhe alles anzusehen. Es ist wirklich die Hölle los! Ein Grund mehr, eines Tages wieder hierher zurückzukehren.

So beschränken wir uns auf das Erdgeschoss mit seiner guten Dauerausstellung über die First Nations. Und natürlich finden wir genügend Zeit, die tolle Architektur zu würdigen.

Den kräftigen Schauer, der gerade nieder geht, als wir weiter ziehen wollen, überbrücken wir mit einem Käffchen im Museumscafé. Eine Viertelstunde später sieht die Welt da draußen schon wieder freundlicher aus! Wir nehmen das Wassertaxi, …

… das uns ans gegenüberliegende Ufer und damit wieder zurück nach Ontario bringt, und genießen die Aussicht. Kommt doch einfach mit an Bord!

Unterhalb des Parliament Hill beginnen wir einen etwa 30-minütigen Spaziergang am Flußufer entlang stadtauswärts. Unterwegs bewundern wir nicht nur die tolle Uferstrecke, sondern auch das eine oder andere Kunstwerk an diversen Tunnelwänden.

Und dann stehen wir vor dem Holocaust-Mahnmal, mit dem sich Daniel Libeskind wieder einmal selbst übertroffen hat. Wie auch im Falle des Berliner Mahnmals können weder Worte noch Fotos wirklich transportieren, was es mit dem Besucher macht, hier hindurch zu laufen. Aber vielleicht können meine Aufnahmen wenigstens eine beklemmende Ahnung davon vermitteln.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Canadian War Museum, das wir erst umrunden, …

… und ihm dann aufs Dach steigen. Auch eine reizvolle Sicht auf den Parliament Hill in der Ferne!

Puh, nun packt uns aber die Erschöpfung! Auf ins nächste, uns genehme Restaurant und anschließend im Hotel die Füße hochlegen! Morgen geht’s weiter Richtung Norden.

8 Gedanken zu “Tag 17: Ottawa/Gatineau – Pflanzenpracht und Bildung

  1. Liebe Elke,
    diese Fotos sind ja wieder so beeindruckend. Eure Vorliebe für Architektur ist hier und da schon mal zur Geltung gekommen ;), aber diese Pflanzenskulpturen sind wirklich unübertrefflich. Kann mich daran gar nicht satt sehen. DANKE!!!

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  2. Die Skulpturen sind ja wirklich der Hammer! Der Kopf mit dem Wasserfall…grandios! Und die Bisons auch! Bei manchen fragt man sich ja schon, wie das physikalisch machbar ist…so z.B. bei den Eulenflügeln. Aber echt, Wahnsinn! Und das Museum geizt ja auch nicht mit reizvollem Interieur!

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    1. Ja, uns fiel auch die Kinnlade, als wir vor diesen wahnsinnigen Werken standen. Die Statik dieser riesigen Skulpturen wird übrigens von stabilen Metallkonstruktionen im Inneren gewährleistet, quasi als „Skelette“. @ Museum: alleine das Treppenhaus war schon der Knaller!

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