180 Kilometer liegen zwischen Kingston und Cornwall. Dieser Abschnitt entlang des St. Lawrence River, der uns noch eine Weile begleiten wird, ist als die Region der 1.000 Islands bekannt. Sagt euch nichts? Aber im berühmten Thousand Island Dressing habt ihr bestimmt schon einmal euren Salat gebadet, oder? Das kommt nämlich aus dieser Region.

Gananoque ist die touristische Zentrale dieser Region, zumindest auf der kanadischen Seite des Flusses, der hier die Grenze zwischen Kanada und den USA bildet. Das hübsche, kleine Städtchen habe ich euch in meinem gestrigen Bericht bereits näher gebracht. Heute wollen wir uns die Gegend vom Wasser aus anschauen.

Als wir morgens vor die Tür treten, atmen wir erfreut tief durch. Nur 20 Grad! Die schwüle Hitze wie weggepustet! Frische Luft! Genau unser Wetter. Dass sich kurze Zeit später die Sonne beleidigt verzieht, ist dann auch nicht tragisch. Höchstens für die Fotos.

Wir freuen uns auf zweieinhalb Stunden Bootsfahrt am späten Vormittag und entern gut verpackt das Schiff. Landschaftlich finden wir die Tour eher unspektakulär (flach, Wald, Brandenburg), aber dennoch genießen wir die Zeit an Bord, die sehr entspannend ist. Wer hier wohnt, schätzt ganz sicher die hohe Lebensqualität!

Der Name der Region ist übrigens pures Understatement, denn hier tummeln sich nicht nur 1.000, sondern gleich 1.865 Inseln und Inselchen, manche davon nur ein paar Quadratmeter groß. Hier ein paar Fotos ( heute mit undankbar grauem Himmel und wenig Licht), damit ihr einen Eindruck bekommt:

Kanada und die USA haben die Landmasse im übrigen redlich und fair geteilt. Jedes Land nennt genau 50% der Gesamtfläche der Inselwelt sein Eigen. Da jedoch keine Insel geteilt werden sollte, ist die Grenze hier in ein entsprechend wildes Zickzack ausgeartet!

Hier findet man auch die kürzeste Brücke zwischen den beiden Ländern. Der Eigentümer, dem die beiden dadurch verbundenen Inselchen gehören, hat so die Möglichkeit, beim Streit mit der Gattin schnellstmöglich das Land zu verlassen 😎. Das gilt natürlich auch andersrum! Hier ein hastiger Schnappschuss, der zwar qualitativ zu wünschen übrig lässt (war gerade drinnen im Schiff), aber den Gag hinreichend dokumentiert:

Es mag Zufall sein, aber die Hütten auf der US-Seite erscheinen uns etwas schicker und eher als feste Wohnsitze denn als Ferien- oder Wochenendhäuser zu dienen. Ich mag beides!

Nach einer Weile nähern wir uns der architektonischen Hauptattraktion der Region. Auf Heart Island thront Boldt Castle, um das sich eine Geschichte rankt, die glatt aus einem Märchen entlehnt sein könnte. Es war einmal … ein armer Kerl namens Georg Boldt, der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem fernen Deutschland kam, in die USA einwanderte und dort eine glorreiche Karriere à la „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ hinlegte. Bald war er so reich, dass er Besitzer des berühmten Waldorf-Astoria Hotels in Manhattan wurde. Er heiratete eine wunderschöne Frau und schenkte ihr eine der 1.000 Inseln, die er in Herzform umgestalten und ein Schloss mit 120 Zimmern bauen ließ. Für die Schwiegermutter wurde auch gebaut – zur Sicherheit auf der Nachbarinsel. Doch das Schicksal war grausam. Noch bevor das Märchenschloss fertig gebaut war, starb die geliebte Gattin. Voller Trauer und Verbitterung stoppte er 1904 die Bauarbeiten und betrat Heart Island nie wieder.

Ende der 1970er Jahre wurde die Insel von einer Betreibergesellschaft gekauft und zur Touristenattraktion umgestaltet. Die auf US-Territorium liegende Mini-Insel, auf der sich außer dem Schloss nichts weiter befindet, kann also besichtigt werden. Allerdings nur mit Reisepass und den üblichen umfangreichen Einreisekontrollen – 9/11 und die Folgen lassen grüßen. Wir haben jedoch eine Tour ohne Stopp auf der Insel gebucht und geben uns mit einer Umrundung per Schiff zufrieden. War da noch was? Ach ja! Ihr wollt jetzt bestimmt noch wissen, wie es da aussieht 🤓. Na dann kommt mal schön mit auf die virtuelle Rundfahrt!

Die Region der 1.000 Islands ist im Gegensatz zu den Grenzübergängen in die USA kaum kontrollierbares Niemandsland. Dieser Umstand sorgte während der Prohibition in den 1920er Jahren dafür, dass sie ein Eldorado für Schmuggler war.

Auf der Rückfahrt zum Hafen von Gananoque …

… erfahren wir, dass hier zwischen den 1.000 Islands sehr viele Schiffswracks auf dem Boden des Flusses vor sich hin rotten. Kaum vorstellbar bei der fast spiegelblanken Wasseroberfläche heute! So gelangen wir ohne Titanic-artige Katastrophen unversehrt wieder zurück an Land.

Kaum runter vom Schiff, kommt die Sonne raus. Auf den Schreck gehen wir erst mal was essen. Nach einem kleinen Rundgang durchs Städtchen ist uns nach ausgiebigem Faulenzen. So verchillen wir den Rest des Nachmittags bräsig auf der Hotelterrasse, immer im Visier der Sonne.

Abends kommen wir dann aus anderen Gründen ins Schwitzen. Wir haben noch kein Hotel für Ottawa morgen gerissen! Und das zum Labour Day Weekend 😱. Eine Hütte in zentraler Lage ist über die einschlägigen Buchungsportale nicht mehr drin. Schlussendlich erwischen wir noch ein Zimmer direkt über die Hotelseite. Uff. Glück gehabt. Erleichtert sinken wir in die Kissen. Gute Nacht!

4 Gedanken zu “Tag 14: Gananoque – Schippern und Faulenzen

  1. Hübsche idyllische Gegend. Ich mag ja Brandenburg.😜 Wobei mich das alles eher an den Oslofjord erinnert. Kaum vorstellbar, dass es sich hier nur um einen Fluss handelt. Die Brücke ist wirklich ein toller Gag!😎

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    1. Ja, hübsch ist die Gegend schon. Halt ein wenig unspektakulär … Und ja, der Fluss ist in der Tat recht üppig. Und gen Norden wird er noch viel breiter. Für einen Fjord fehlen aber an seinen Ufern doch noch ein paar Höhenmeter, wie ich finde 😎.

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